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Dresden

Abbruchfläche am Postplatz wird bebaut

Investoren legen den Grundstein für die Mary-Ann-Apartments. Die benachbarte Oberpostdirektion ist bereits fertig. 

Das ist die große Baugrube, in der der Grundstein für die Mary-Ann-Apartments gelegt wurde.
Das ist die große Baugrube, in der der Grundstein für die Mary-Ann-Apartments gelegt wurde. © Marion Doering

Baukräne prägen seit Jahren das Bild am Postplatz. Derzeit werden die letzten freien Flächen bebaut. Ein großer Investor ist dabei die Berliner CG-Gruppe, die in Dresden insgesamt sieben Großprojekte für rund 400 Millionen Euro umsetzt, erläuterte am Dienstag CG-Vorstand Jürgen Kutz. Er legte mit Vertretern des Bauherren und der Firmen am Postplatz feierlich den Grundstein für das nächste Projekt, die Mary-Ann-Apartments.

Das Großprojekt: In zwei Jahren soll der Neubau stehen

Die CG-Gruppe hatte die Fläche mit dem einstigen Fernmeldezentrum 2015 erworben, erklärte der Dresdner CG-Niederlassungschef Bert Wilde. „Das war ein mühsamer Weg bis heute“, sagte er zum Auftakt der Grundsteinlegung. Damals stand bereits fest, wie der siebenstöckige Neubau aussehen soll. Denn es gab einen Fassadenwettbewerb, den das Dresdner Architekturbüro F 29 gewonnen hatte, das heute unter Peter Zirkel Architekten firmiert. Doch zuvor musste das alte DDR-Fernmeldezentrum abgebrochen werden.

In den Mary-Ann-Apartments entstehen insgesamt 191 Ein- bis Fünfraumwohnungen, die zwischen 45 und 120 Quadratmeter groß werden. Im Erdgeschoss sollen ein Supermarkt und Läden untergebracht werden, im ersten Stock Büros. 

So sollen die Mary-Ann-Apartments aussehen. 
So sollen die Mary-Ann-Apartments aussehen.  © Visualisierung: arte 4D, Andreas Hummel

Die Besonderheit ist, dass die Wohnungen teilmöbliert werden. Beispielsweise werden Holzwände mit Regalen Räume abtrennen oder Einbauschränke installiert. Das gehört zum Konzept der „Vertical Village Apartments“, das die CG-Gruppe kurz VauVau nennt. Geplant ist auch eine Tiefgarage für 262 Autos. Für den Neubau, der schon Ende 2017 an die Versicherungskammer Bayern verkauft wurde, werden rund 71 Millionen Euro investiert.

Dieses Jahr hatten die ersten Arbeiten begonnen. Die Baugrube ist ausgehoben. Die Wände werden mit Stahlträgern und Holzbohlen gesichert. Ein Bohrgerät treibt 165 Löcher für Stahlbeton-Bohrpfähle in den Untergrund, auf die die Bodenplatte kommt.

Der Vorgänger: Vor über 40 Jahren war Fernmeldezentrum errichtet worden

Die letzte Grundsteinlegung auf dieser Fläche war vor 41 Jahren am 18. April 1978. Damals wurde dort bis 1981 das Fernmeldezentrum errichtet. Das entstand nicht im in der DDR üblichen Plattenbau, sondern im Deckenhubverfahren. Die Bauleute stellten am Boden die Stahlbetonplatten der Decken des sechsgeschossigen Komplexes her. Nur die Stahlbetonstützen ragten in die Höhe. Mit einer ausgetüftelten Technologie wurde Decke für Decke von Hydraulikpressen nach oben gezogen. Nach der Fertigstellung wurde das Gebäude bis 1983 innen ausgebaut.

Die Interessengemeinschaft Historische Fernmeldetechnik hatte die CG-Gruppe gebeten, die damalige Grundsteinkassette beim Abbruch im Untergrund zu suchen. Das wurde auch mit viel Aufwand getan. Die Bauleute haben die Kassette dennoch nicht gefunden.

Der Kraftakt: Abbruchhämmer beseitigten DDR-Bau

Anfang vergangenen Jahres hatte der Abbruch des Fernmeldezentrums begonnen. Zuvor musste in dem Gebäude der Asbest entfernt werden, Bei den Arbeiten wurde die jeweilige Etage unter Unterdruck gesetzt, sodass kein Asbeststaub nach außen dringen konnte. Die oberen Etagen des fünfstöckigen Baus wurden mit kleinen, ferngesteuerten Abbruchrobotern mit Hydraulikhämmern abgebrochen. Erst später konnte der 40-Tonnen-Bagger mit langem Greifarm anrollen, der die unteren Geschosse abgetragen hat. Zuletzt beseitigten die Abbruchspezialisten der sächsischen Firma Caruso Kellerwände und die Bodenplatte bis Anfang dieses Jahres.

Die Oberpostdirektion: Letzte Postbauten am Postplatz erhalten

Viel Aufwand hatten die Bauleute auch direkt daneben am Komplex der einstigen Oberpostdirektion und des Telegrafenamtes, die 1876 und 1928 errichtet wurden. Sie sind die einzigen erhalten gebliebenen Postbauten am Postplatz. Seit 2016 hat sie die CG-Gruppe ausgebaut und durch Neubauten ergänzt. In der „Residenz am Postplatz“ sind 246 Ein- bis Fünfraumwohnungen entstanden. Der Neubau war 2018 fertiggestellt. Die Arbeiten am Altbauteil wurden jetzt beendet. Etwa 40 Wohnungen sind bezogen. Die Kaltmiete liegt zwischen 12,50 und 15 Euro pro Quadratmeter. Im Erdgeschoss der Oberpostdirektion öffnen eine Weinbar und ein kleines Brauhaus.

Der Aufwand: Sogar Turmfalken haben unter dem Dach Brutkasten bekommen

Für das Projekt hat die CG-Gruppe rund 71 Millionen Euro investiert. Bis zu acht Millionen Euro betrug allein der Zusatzaufwand, um die Altbauten erhalten zu können, erklärt Niederlassungsleiter Wilde. Das wäre nicht nötig gewesen, da sie nicht unter Denkmalschutz standen. Spezialtiefbauer verstärkten die Fundamente der Altbauten, die aufgestockt wurden. Dazu trieb man mit Hochdruck Betonpfähle in den Untergrund. Die markante Klinker- und Putzfassade des Telegrafenamtes wurde ebenso saniert wie die Sandsteinfassade der Oberpostdirektion und viele Bauteile im Inneren. Und der Innenhof präsentiert sich jetzt schon grün. Unterm Dach wurde dort sogar ein Brutkasten für Turmfalken angebracht, die bereits eingezogen sind.