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Dieser Pfarrer ist ein wahrer Segen

Der Bautzner Pfarrer Kay Weißflog verhilft einem historischen Waggon der Löbauer Eisenbahnfreunde zur Wiederauferstehung - ein Hochzeits-Zufall.

Der Bautzner Pfarrer Kay Weißflog werkelt bei den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden in Löbau.
Der Bautzner Pfarrer Kay Weißflog werkelt bei den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden in Löbau. © Markus van Appeldorn

Im Leben von Pfarrer Kay Weißflog gibt es drei Konstanten. Seine Berufung ist der Gottesdienst, sein Lebensglück die Familie und sein Hobby die Eisenbahn - und das durchaus auch mit Leib und Seele. Und dieser Hang zur Eisenbahn bedingt, dass ihn seine Familie zuweilen nur im Vorüberfahren sieht - aber immerhin das. 

"Moment", sagt Kay Weißflog mit einem Blick auf seine Uhr, "ich muss mal kurz ans Gleis. Da kommt gleich der Zug, in  dem meine Frau und Kinder sitzen. Da muss ich mal winken." Und während seine Kinder aus dem pünktlich vorüberfahrenden Trilex ihrem Papa draußen zuwinken, steht Kay Weißflog auf dem Gelände des Maschinenhauses der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde (Osef) in Löbau. Genau erwischt den Zug. Der Papa kann beim Ausflug heute nicht dabei sein. "Meine Frau trägt's mit Fassung", sagt Weißflog, wenn die Rede auf das Verhältnis zwischen Familienleben und Hobby kommt.

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Hochzeitsfeier im historischen Zug

Seit 2018 ist der promovierte Theologe Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Petri in Bautzen. Dort predigt er im Dom - einer der ganz wenigen Kirchen, die nach der Reformation in den Besitz beider Konfessionen gelangten und bis heute von katholischen wie evangelischen Gläubigen genutzt werden. Weißflogs Verbindung zu den Löbauer Eisenbahnfreunden indes reicht viele Jahre länger zurück. "Von 2007 bis 2009 war ich Vikar in Oderwitz", erzählt er. Dort besiegelte er damals nicht nur die Liebe zu seiner Frau, sondern kam auch auf eine Idee, die sich als dauerhafter Segen für die Osef erwies.

Schon in seiner Kindheit im Erzgebirge hatte Kay Weißflog eine Modelleisenbahn. "Spurweite TT, wie damals üblich", sagt der 42-Jährige. Und während seiner Schulzeit machte er 1992 sogar ein Praktikum auf einem Stellwerk in Aue. "Eine Ausbildung bei der Bahn kam nicht infrage, weil die damals schon immer weniger Leute brauchten", erinnert er sich. Und auch sein Plan, Theologie zu studieren, habe da schon festgestanden. "Aber ein Hobby ist es immer geblieben", sagt er. Und dieses Hobby machte er auch zum Thema seiner Hochzeit 2009 in Oderwitz. 

"Ich habe damals überlegt, wie ich die ganzen Hochzeitsgäste nach Oderwitz bringe", erzählt er. Also charterte er einen historischen Sonderzug der Osef und sammelte die Gäste auf einer Rundfahrt durch die Oberlausitz ein. "Wir sind damals von Oderwitz nach Zittau gefahren und von dort aus weiter nach Görlitz und über Löbau und Ebersbach zurück nach Oderwitz", erinnert er sich. Und so geriet die Fahrt eben auch zu einer Hochzeitsfeier auf Schienen.

Auch bei den Sonderfahrten der Eisenbahnfreunde ist Kay Weißflog mit helfender Hand dabei, verkauft etwa Souvenirs und Kalender.
Auch bei den Sonderfahrten der Eisenbahnfreunde ist Kay Weißflog mit helfender Hand dabei, verkauft etwa Souvenirs und Kalender. © Matthias Weber Archiv

Das Projekt "Wiederauferstehung"

Kay Weißflog wurde dann 2009 anschließend auch Mitglied bei den Eisenbahnfreunden. Und eines wollte er von Anfang an: mit anpacken. "Es ist schön, mit Gleichgesinnten etwas zu machen. Und es ist ein Ausgleich zu meinem beruflichen Alltag." Immer wenn Beruf, Familie oder andere Dinge es erlauben, verbringt er seine Freizeit im Maschinenhaus, hilft bei der Pflege des Fahrzeugbestandes. "Rund einmal die Woche bin ich für ein paar Stunden hier", sagt er. Auch sein achtjähriger Sohn begleitet den Papa manchmal ins Maschinenhaus.

Die Zeit für die Arbeit in Löbau nahm er sich sogar, als er bis 2018 mehrere Jahre lang als Pfarrer in Halle bestellt war. Und in dieser Zeit entdeckte er 2017 auch sein eigenes Projekt auf dem Gelände am Maschinenhaus . "Ich habe etwas gesucht, was von der Arbeit her überschaubar ist und was ich mir zutraue", sagt Weißflog. Diese Arbeit fand er vor sich hinrostend auf einem Abstellgleis. Das Projekt "Wiederauferstehung" konnte starten.

Ein Packwagen mit eigener Internetseite

"Überschaubar" ist bei diesem Projekt ein dehnbarer Begriff. Kay Weißflog hat sich vorgenommen, einem alten Packwagen wieder zu historischem Glanz zu verhelfen. Für den Pfarrer auch ein Stück regionaler Eisenbahn-Verpflichtung. "Der Wagen wurde 1959 in Bautzen gebaut. Es ist toll, dass wir hier in der Region noch so ein Fahrzeug haben", sagt er. Bis diese Packwagen völlig aus dem Verkehr verschwanden, seien sie bis Ende der 80er-Jahre noch viel in Personenzügen zwischen Löbau und Zittau unterwegs gewesen, erinnert sich Weißflog. Sogar eine eigene Internetseite hat er für "seinen" Waggon eingerichtet.

Der rostigen Außenhaut ist Weißflog schon zu Leibe gerückt und auch Schweißarbeiten waren nötig. "Das meiste waren Metallarbeiten, um die Korrosion zu stoppen", sagt er. Und gerade verlegt er im Inneren einen neuen Holzfußboden. "Wir müssen ihn erst mal soweit hinkriegen, dass er wetterfest ist und wieder draußen stehen kann", sagt er. Wie lange das dauert? Ungewiss. Aber das Ziel hat Kay Weißflog klar vor Augen: "Er soll als historischer Packwagen wieder in den Zügen mit unserer Dampflok mitfahren."

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