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Dresden

Grundstücksverkauf am Postplatz?

Statt Probebühnen könnten nahe dem Schauspielhaus Wohnungen und Büros entstehen.

Das Grundstück zwischen Schweriner Straße und Theaterstraße ist die letzte Brache am Postplatz. Nun könnte sich dort etwas tun.
Das Grundstück zwischen Schweriner Straße und Theaterstraße ist die letzte Brache am Postplatz. Nun könnte sich dort etwas tun. © Sven Ellger

Bisher sieht das Areal zwischen Schauspielhaus und Motel One wie Teile eines Puzzles aus, wenn man sich die Eigentumsverhältnisse anschaut. Die Fläche zwischen Theaterstraße und Schweriner Straße ist in fünf Stücke aufgeteilt, je zwei gehören dem Land und der Stadt – mittendrin dann eines einer Eigentümergemeinschaft. Ein kompliziertes Umlegungsverfahren, das seit 2014 lief, drohte nach zwei langen Gerichtsverfahren zu scheitern. Die Eigentümergemeinschaft war mit der Bewertung ihrer Flächen unzufrieden. Im Zweifel würde alles so bleiben, und die Flächen wären weiterhin unbebaubar. „Eine städtebauliche Entwicklung an einem herausragenden innerstädtischen Platz könnte dauerhaft nicht umgesetzt werden“, heißt es in einer Einordnung der Verwaltung dazu.

Dieser Stillstand soll beendet werden. Der für Umlegungen zuständige Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) legte Revision beim Bundesgerichtshof ein. Somit könnte außergerichtlich ein Vergleich geschlossen werden. Dann hätten alle Eigentümer zusammenhängende Grundstücke. Diese Einigung würde den Weg ebnen, ein ganz anderes Problem ebenfalls zu lösen.

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Denn der Freistaat hatte lange geplant, dort Probebühnen für das Staatsschauspiel zu errichten. Nun wurden diese Pläne genauer untersetzt. Dabei kam heraus, dass die Fläche nicht reicht, die An- und Abfahrt ungünstig wäre und die Entfernung zu den Theaterwerkstätten am Zwingerteich zu groß wäre. Außerdem würde dafür ein rein technisch ausgestatteter, fensterloser Bau genügen. „Stadt und Freistaat stimmen darin überein, dass ein solches Bau- und Gestaltungskonzept nicht der repräsentativen Lage am Postplatz entsprechen würde“, heißt es in einer noch internen Vorlage der Stadt dazu.

Der Kaufpreis könnte noch steigen

Da meldete sich nun Christoph Dross bei der Verwaltung. Der Münchner Investor baut derzeit die neue SPD-Zentrale an der Devrientstraße und hat bereits weitere Projekte in Dresden umgesetzt. Auf dem Areal neben dem SPD-Haus könne das Land auch die Probebühnen errichten, so sein Angebot. Dann wäre diese gegenüber von den Theaterwerkstätten, und der schlichte Bau würde an der Stelle weniger stören. Im Gegenzug will er das Grundstück am Postplatz vom Land im Tausch. Die Grundstücke von der Stadt und der Eigentümergemeinschaft will er kaufen.

Die Stadt schlägt nun den Verkauf ihrer 734 Quadratmeter an Dross vor. Kaufpreis: 1,61 Millionen Euro. Der Verkehrswert liegt bei 1,25 Millionen Euro. Von einer Ausschreibungspflicht könne in begründeten Einzelfällen abgewichen werden, schreibt die Verwaltung. Das sei mit dem Tausch und der Zusicherung der qualitätvollen Bebauung an einem zentralen Platz der Stadt gegeben. Außerdem wären die Grundstücke ohne diese freihändige Vergabe „weiterhin nicht bebaubar und würden auf unabsehbare Zeit brachliegen“, begründet die Verwaltung. Das Problem mit den Flächen könne sonst nur durch eine „Enteignung“ gelöst werden.

Damit Dross am Postplatz bauen kann, muss aber auch der Bebauungsplan geändert werden. Denn darin steht bisher „Erweiterung Theater“. Dross plant nach SZ-Informationen aber Wohnungen und Büros. Um dem Platz einen Rahmen zu geben und damit es zum Umfeld passt, müsste aber höher gebaut werden als die Probebühnen geplant waren. Durch diese absehbaren Veränderungen würde der Wert des Grundstücks steigen. Deshalb muss Dross für jedes Stockwerk mehr – so sieht es der Kaufvertrag vor – auch zusätzliches Geld für das Grundstück zahlen. Maximal können 773 000 Euro für die Stadt dazukommen. Dann wären es gut 2,3 Millionen Euro. Maximal dürfe ein Gebäude allerdings sechs Geschosse haben und die Traufhöhe höchstens bei 23 Metern liegen.

Dross muss mit dem Land den Tausch aushandeln und sich mit der Eigentümergemeinschaft einigen, heißt es in der Vorlage. Auch dann dürfte der Investor nicht einfach bauen, wie er will. Im Vertrag soll festgehalten werden, dass über alles die Stadträte im Bauausschuss entscheiden. Außerdem muss er einen Wettbewerb zum Bebauungskonzept und der Fassadengestaltung des kompletten Quartiers ausloben und die Kosten dafür tragen. Die Ergebnisse dieses Wettbewerbes müssen dann noch von der Gestaltungskommission bewertet werden. Erst dann kann der Bebauungsplan, entsprechend der konkreten Vorstellungen der Gestaltungskommission, geändert werden. Auch dies muss der Käufer bezahlen. So will sich die Stadt absichern, eine geeignete Bebauung für den zentralen Platz zu sichern, und gleichzeitig das Risiko beim Investor belassen.

Kommt das Projekt wie geplant zustande, wäre es der Abschluss des Postplatzes. Dort und im Umfeld wurde in den vergangenen Jahren und wird aktuell viel gebaut. Vor allem Wohnungen entstehen in der zentralen Lage.

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