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Protest gegen die Preisverleihung

Ein umstrittener Historiker erhielt im Theater den Bautzner Friedenspreis. Vor dem Haus fand eine Gegenveranstaltung statt.

Marcel Fischer hatte die Aktion vor dem Bautzener Theater organisiert.
Marcel Fischer hatte die Aktion vor dem Bautzener Theater organisiert. © Steffen Unger

Bautzen. Gegen die Verleihung des Bautzner Friedenspreises an den Schweizer Historiker Daniele Ganser wurde am Mittwochabend vor dem Theater protestiert. Dabei verlieh der Bautzener Marcel Fischer den Satire-Preis „Der Goldene Chemtrail“ an den Verein „Bautzner Frieden“, Organisator des Friedenspreises. In der Begründung hieß es: „Seit Jahren verbreitet dieser Verein unter dem Denkmantel des Friedens Verschwörungstheorien.“ Über 40 Personen unterstützten Fischers Aussagen lautstark und verteilten Flyer.

In seiner Rede warnte er vor Verschwörungstheorien, so wie sie teilweise von Ganser befeuert werden. „Verschwörungstheorien sind alles andere als lustig, auch wenn sie diesen Anschein haben mögen. Sie sind gefährlich“, sagte er. Verschwörungstheorien würden Menschenleben kosten. Dabei verwies er auf die Zeit des Nationalsozialismus, als die Nazis an eine jüdische Verschwörungstheorie glaubten und Juden deshalb massenhaft getötet haben. Die Verleihung eines Friedenspreises an eine Person wie Daniele Ganser könne er deswegen nicht nachvollziehen. Mit dem Satire-Preis möchte der 32-Jährige eine öffentliche Debatte anstoßen und die Bautzener zum Nachdenken anregen.

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Während Marcel Fischer auf dem Theaterplatz seine Rede hielt, bildete sich vor dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater eine lange Schlange. Die Veranstaltung war ausverkauft. Über 400 Menschen waren am Mittwoch im Theater anwesend, unter ihnen Landrat Michael Harig (CDU) sowie zahlreiche Stadträte. Selbst die Lounge wurde kurzfristig noch geöffnet und eine Übertragung per Beamer angeboten. Sie alle wollten den Vortrag Gansers hören. „Knapp eine Stunde hat er zum Thema „CIA - Eine terroristische Organisation“ geredet“, berichtet eine Zuschauerin. (SZ/te)

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Ein eigenes Bild von der Preisverleihung konnten sich Journalisten der Sächsischen Zeitung nicht machen. Der Zutritt zum Saal wurde verweigert. Auf den Antrag zur Presse-Akkreditierung antwortete Stefan Matz vom Bautzner Frieden: „Aus brandschutztechnischen Gründen dürfen wir leider keine weiteren Personen in das Gebäude lassen.“

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