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„Putzteufel“ schieben Überstunden

Klinkenputzen – das gehört seit Corona zu den täglichen Aufgaben von Patrick Reiche und seinem Reinigungsteam aus Sornzig-Ablaß.

Desinfektionsmittel sind immer dabei, wenn sich Nicole und Patrick Reiche auf den Weg zur Arbeit machen. Die ist mehr geworden, seit es Corona-Hygienevorschriften gibt. Und es gibt neue Hürden.
Desinfektionsmittel sind immer dabei, wenn sich Nicole und Patrick Reiche auf den Weg zur Arbeit machen. Die ist mehr geworden, seit es Corona-Hygienevorschriften gibt. Und es gibt neue Hürden. © Dietmar Thomas

Sornzig-Ablaß/Leisnig. Was andere als lästiges Übel ansehen, das ist seit rund zehn Jahren der Broterwerb von Patrick Reiche: Er putzt, und das durchaus mit Leidenschaft. Um sein erst im vergangenen November gegründetes Unternehmen PR Cleaning in Neusornzig bekannt zu machen, hat er sich bei allerhand Unternehmen und in Privathaushalten vorgestellt, im übertragenen Sinne sozusagen Klinken geputzt. Genau das gehört wegen des Coronavirus nun zu seinen täglichen Aufgaben – manchmal bis zu zwölf Stunden.

„Ja“, sagt der 34-Jährige. „Das ist so.“ Worüber mancher vielleicht staunt, das ist für den Jungunternehmer nichts Besonderes. Dass auf Reinlichkeit noch viel mehr geachtet wird oder werden muss, seit es die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern gilt, kommt ihm nicht ungelegen. Allerdings hat die Pandemie auch für das Reinigungsunternehmen nicht nur positive Seiten.

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„Einige Betriebe, die ich nach der Gründung kontaktiert hatte, haben sich wegen Corona jetzt erst einmal zurückhaltend gezeigt“, erzählt der Mügelner von der für ihn weniger erfreulichen Seite des Virus. Doch es gibt auch eine positive: Um ihre Mitarbeiter zu schützen und gesetzlich vorgeschriebene Regelungen einzuhalten, gibt es ebenso Unternehmen, die ihre Dienstleistungsverträge erweitert haben. Das wiederum hat PR Cleaning so viele Aufträge mehr beschert, dass Patrick Reiche eine zweite Mitarbeiterin einstellen konnte, und zwar seine Frau Nicole.

Die 34-Jährige hat bisher im Bereich Hauswirtschaft bei einem Pflegedienst gearbeitet. Allles, was mit Reinigung zu tun hat, ist also kein Neuland für sie. Auch in die Grünpflege, die zum Serviceangebot gehört, will sie sich einarbeiten und dafür zum Beispiel auf den Rasentraktor steigen. „Ich mach alles mit“, sagt sie und lacht.

Im Moment legen die drei PR-Cleaning-Mitarbeiter allerdings kaum das Desinfektionsmittel aus der Hand. „Deren Einsatz war vor der Corona-Krise so gut wie überhaupt nicht gefragt“, so Patrick Reiche. Nun sehe das ganz anders aus. „Türklinken, Geländer, einfach alles, was angefasst werden kann, desinfizieren wir jetzt“, erzählt Nicole Reiche. 

In manchen Betrieben sei das mehrfach am Tag notwendig, so zum Beispiel nach jeder Schicht, teilweise sogar jeden Tag, wenn in rollender Woche produziert wird. In privaten Haushalten spiele die Desinfektion außer vielleicht im Sanitärbereich noch keine so große Rolle wie in Unternehmen. Das zumindest sind die bisherigen Erfahrungen des PR-Cleaning-Teams.

Sowohl im Privat- als auch im Unternehmensbereich sieht Patrick Reiche einen steigenden Bedarf an seinen Dienstleistungen. Nicht zuletzt deshalb habe er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Und: „Wir wollen weiter wachsen“, sagt der 34-Jährige. Dafür nimmt er auch so manche Widrigkeit in Kauf, die ihm wiederum das Coronavirus beschert. 

Aus Vorsicht und zum Schutz von Beschäftigen verwehren einige seiner potenziellen Auftraggeber dem Dienstleister den Zutritt zu ihrem Betriebsgelände. „Doch ohne die Räume oder Glasflächen selbst zu sehen, kann ich keine vernünftige Kalkulation abgeben“, erklärt der Jungunternehmer.

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Ob sich das dienstliche Putzen von dem daheim in den eigenen vier Wänden unterscheidet? Auf diese Frage antworten beide Putzprofis, ohne lange zu Überlegen, mit einem entschlossenen Ja. Beim Kunden sei Gründlichkeit das A und O, begründet Patrick Reiche. Seine Frau nickt: „Zuhause ist es auch einmal möglich, sich eine Ecke später vorzunehmen. Bei einem Auftrag geht das nicht.“

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