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Schöner Wohnen in Gorbitz

Am Gorbitzer Westhang ist ein neues Dresdner Wohnviertel entstanden. Eine Genossenschaft investiert dort in ein besseres Image des Stadtteils - mit Erfolg.

Glückliche Neu-Gorbitzerin: Sarah Rumpf wohnt seit gut einem halben Jahr in der Kräutersiedlung. Dass ihr Stadtteil Gorbitz heißt, stört sie überhaupt nicht.
Glückliche Neu-Gorbitzerin: Sarah Rumpf wohnt seit gut einem halben Jahr in der Kräutersiedlung. Dass ihr Stadtteil Gorbitz heißt, stört sie überhaupt nicht. © Marion Doering

Dresden. Eigentlich sollte es eine Dreiraumwohnung sein. Aber als Sarah Rumpf und ihr Freund die Wohnung in einem der Neubauten der Gorbitzer Kräutersiedlung im Frühjahr vergangenen Jahres besichtigten, waren beide sofort begeistert. Tolle Lage, herrlicher Ausblick über Dresden, eine liebevoll gestaltete Wohnanlage. Und vor allem: eine Miete, die ins Budget des jungen Paares passt. Und zwar so gut, dass sie sich letztlich sogar für eine Vierraumwohnungen entschieden. 109 Quadratmeter für gut 1.200 Euro warm. Das ist in einem Dresdner Neubau sonst schwer zu bekommen. 

"Wir haben alles noch einmal durchgerechnet, aber in der Großen Wohnung sind wir nun richtig angekommen", sagt die 28-Jährige mit Blick auch auf die Familienplanung. Hier oben, über den Plattenbaudächern von Gorbitz, will das Paar später einmal Kinder großziehen. Das Viertel ist grün, die Grundstücke in der Kräutersiedlung sind nicht so eng bebaut, es ist Platz für Spielplätze und großzügige Vorgärten. 

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Das unbekannte Gorbitz

109 Quadratmeter für 1.200 Euro warm: In einem Dresdner Neubau ist eine Wohnung für dieses Geld nur schwer zu bekommen.
109 Quadratmeter für 1.200 Euro warm: In einem Dresdner Neubau ist eine Wohnung für dieses Geld nur schwer zu bekommen. © Marion Doering

Im November 2019 ist das Paar in die neue Wohnung eingezogen. "Wir fühlen uns super wohl." Auch, weil die Infrastruktur passt, die Straßenbahn gleich um die Ecke erreichbar ist, es Supermärkte, Ärztehäuser, Schulen und Kitas gibt. Auch zur vierspurigen Coventrystraße ist es nicht weit. "Die stört zum Glück auch gar nicht", sagt Sarah Rumpf. Das hatte sie und ihr Freund nämlich befürchtet. 

Dass ihr Wohnviertel nun Gorbitz heißt, stört die junge Frau gar nicht. Klar, der Ruf ist nicht der Beste: Alkoholverbotszonen, vergleichsweise viel Kriminalität, Familien mit geringem Einkommen, Migranten. Hier oben, in der Kräutersiedlung, ist davon nichts spürbar. 

32 Millionen Euro hat die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft in das Neubauprojekt "Kräuterterrassen" - wie es richtig heißt - investiert. Nach drei Jahren ist es nun fertig. Kleine Wohnhöfe sind entstanden, mit einer Sandsteinmauer auf der einen und einer Pergola auf der anderen Seite. Und sie tragen Namen wie Lavendel-, Salbei- und Melissenhof. Auch die Straßennamen orientieren sich an der Flora: Thymian- und Kamillenweg, Schlehenstraße. 

Die Wohnhöfe sind tatsächlich mit den namensgebenden Kräutern bepflanzt, sie verleihen der Anlage fast ein mediterranes Flair. Zwei grüne Bänder mit Spielplätzen, Sportgeräten und Wäschestangen trennen die Häuserreihen voneinander, die Vorgärten sind von den Bewohnern mitunter aufwendig bepflanzt. 

Die Siedlung ist terrassenartig an den Gorbitzer Westhang gebaut. Zwischen den Häuserreihen wurden grüne Streifen mit Sport- und Spielgeräten angelegt.
Die Siedlung ist terrassenartig an den Gorbitzer Westhang gebaut. Zwischen den Häuserreihen wurden grüne Streifen mit Sport- und Spielgeräten angelegt. © Marion Doering

25 Millionen jährlich für Sanierung und Umbau

Den Entwurfsgedanken hinter den Wohnhöfen erklärt Architektin Christiane Hähle: "Wir haben geschaut, was typisch für die alten Dorfkerne hier im Gebiet ist. Es sind die Dreiseithöfe." Jeder Hof ist zudem in einer eigenen Farbe gestaltet, die sich etwa an den Fensterläden im Erdgeschoss wiederfindet und sich an den Kräutern orientiert. Der Lavendelhof strahlt in dunklem Lila, der Salbeihof dagegen in Magenta.

Für die EWG ist damit nun ein großes Neubauprojekt abgeschlossen. Und doch soll es weitergehen, mit Millioneninvestitionen auch in Bestandswohnungen. Die Plattenbauten werden aber nicht einfach nur saniert, sondern umgestaltet, Wohnungen bekommen andere Grundrisse, werden seniorengerecht ausgebaut. "Oberstes Ziel nach der Modernisierung sollten für die Menschen bezahlbare Wohnungen sein", sagt EWG-Chefin Antje Neelmeijer. 24 bis 25 Millionen Euro sollen dafür jährlich investiert werden. Allerdings wünscht sich Antje Neelmeijer mehr Unterstützung von der Stadt. "Bezahlbare Wohnungen zu schaffen gelingt nur mit Maximalforderungen jedes einzelnen Amtes, sondern nur mit Augenmaß und dem Bestand angepassten Lösungen."

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Demnächst wird das Projekt "Höhenpromenade" fertig. Seit 2008 wurden in Plattenbauten entlang der sogenannten Gorbitzer Mittelachse 377 Wohnungen barrierefrei. Alle sind mit einem Aufzug zu erreichen. Bis 2027 investiert die EWG in Häuser entlang der Braunsdorfer Straße - dort werden große Läden, die zuletzt leer standen, zu Sechsraumwohnungen mit eigenem kleinen Garten ausgebaut. Bereits in Planung ist das Projekt "Ginstersiedlung", das ab diesem Jahr den Umbau und die Modernisierung von insgesamt 950 Wohnungen vorsieht - ein neues Zuhause für rund 1.700 Dresdner.

Passend zur Kräutersiedlung tragen die verschiedenen kleinen Wohnhöfe Namen von Pflanzen. Neben dem Melissen- gibt es etwa auch einen Thymian- und einen Lavendelhof, die farblich unterschiedlich gestaltet sind.
Passend zur Kräutersiedlung tragen die verschiedenen kleinen Wohnhöfe Namen von Pflanzen. Neben dem Melissen- gibt es etwa auch einen Thymian- und einen Lavendelhof, die farblich unterschiedlich gestaltet sind. © Marion Doering

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