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Dresden

Schwermetalle im Kita-Wasser

In einer Dresdner Einrichtung wurden erhöhte Werte gemessen. Ob das gesundheitliche Folgen hat, wird jetzt untersucht. 

Seit wann das verunreinigte Wasser durch die Leitungen der Kita „Regenbogen“ in der Südvorstadt  floss, muss noch geklärt werden. Duschen und Händewaschen ist unbedenklich, sagt die Stadt.
Seit wann das verunreinigte Wasser durch die Leitungen der Kita „Regenbogen“ in der Südvorstadt floss, muss noch geklärt werden. Duschen und Händewaschen ist unbedenklich, sagt die Stadt. © Marion Doering,; dpa/S. Hoenig

Die gefährlichen Stoffe wurden in Duschen, Handwaschbecken und Toiletten nachgewiesen – in der Dresdner Kita Regenbogen an der Altenzeller Straße hat eine Überprüfung des Trinkwassers Mitte April ergeben, dass die Werte für Schwermetalle erhöht sind. Bekannt wurde das allerdings erst jetzt durch einen Großvater, der sich bei der Sächsischen Zeitung meldete. Er mache sich Sorgen um die Gesundheit seines Enkelkindes, das die Kita in der Südvorstadt seit fünf Jahren besucht. Namen will der Großvater nicht nennen, weil er befürchtet, dass seine Familie dadurch Probleme bekommen könnte.

Auf SZ-Nachfrage räumt die Stadtverwaltung ein, dass das Kita-Wasser verunreinigt sei. „An einigen Entnahmestellen wurden im Trinkwasser der Einrichtung erhöhte Werte für Schwermetalle gemessen“, so eine Stadtsprecherin. Die Überschreitung der Grenzwerte und die Leitungen, die das betrifft, würden aus aktueller Sicht aber keine Gefährdung darstellen. Dieses Wasser zum Duschen, Händewaschen und auf der Toilette zu nutzen, sei unbedenklich. Dennoch ist man offensichtlich unsicher, ob auch die Küche und damit das Essen mit dem Wasser in Berührung gekommen ist. Denn die Stadt teilt weiter mit, dass in der Küche eine neue Wasserleitung installiert wurde und die Kinder und Erzieher mit abgepacktem Trinkwasser versorgt werden. Das soll auch so bleiben, bis alle Leitungen geprüft und – wenn nötig – erneuert sind.

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Auf die Frage, wie die Kinder und Erzieher das verunreinigte Wasser zu sich genommen haben könnten, heißt es: „Vorstellbar ist eine Aufnahme der Schwermetalle über das Trinkwasser an einzelnen Entnahmestellen.“

Um welche Schwermetalle es sich handelt, wird nicht mitgeteilt. Der Großvater berichtet, dass es Blei und Cadmium gewesen seien – darüber wurden nach seinen Angaben die Eltern informiert. Was der Opa noch erzählt: Sein Enkelkind hatte in der letzten Zeit immer wieder gesundheitliche Beschwerden, die vom Arzt nicht abgeklärt werden konnten. Die Stadtverwaltung versucht indes, beunruhigten Eltern die Angst zu nehmen. „In Anbetracht der Art und Verteilung der im vorliegenden Fall festgestellten Abweichung geht das Gesundheitsamt nicht von einer gesundheitlichen Gefährdung der Kinder aus“, so die Stadtsprecherin. Und ergänzt: Um ganz sicherzugehen und eine mögliche vermehrte Aufnahme von Schwermetallen und damit eine gesundheitliche Gefährdung auszuschließen, seien nun umweltmedizinische Untersuchungen geplant. „Kinder und Personal werden dann von Umwelt-Medizinern untersucht, die mit ihrer fachlichen Kompetenz die Werte ergänzend beurteilen und auswerten.“ Vermittelt wird das vom Gesundheitsamt.

Werden Schwermetalle über einen langen Zeitraum und in höherer Konzentration im Körper aufgenommen, können sie beim Menschen zu Vergiftungen führen. „Es können beispielsweise Nieren, Leber oder das Nervensystem in ihrer Funktion beeinträchtigt werden“, teilt das Rathaus mit. Wie lange das Wasser schon mit den Stoffen versetzt ist, wird noch geprüft. Die gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen habe das Gesundheitsamt in dieser Kita zuletzt 2014 und 2017 durchgeführt. Dabei wurden keine erhöhten Werte gemessen. Das sei erst am 18. April dieses Jahres der Fall gewesen. Warum das Wasser verunreinigt ist, soll nun eine gutachterliche Untersuchung zeigen. Als Ursache kommen offenbar fehlerhafte Lötverbindungen in der Trinkwasserinstallation oder defekte Armaturen in Betracht. Das Gutachten gibt der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen in Auftrag, dem das Gebäude gehört. Betrieben wird die Kita vom Verein Kinderland Sachsen, einem freien Träger.

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Die Kita-Leiterin will sich auf SZ-Anfrage nicht näher zum dem Fall äußern. Aber sie warnt vor voreiligen Schlüssen, schließlich müssten zunächst die Ergebnisse der Untersuchungen abgewartet werden. Die Stadt räumt allerdings ein, dass in der Vergangenheit bei Erziehern gesundheitliche Beschwerden aufgetreten seien. „Über gesundheitliche Auswirkungen bei den Kindern wurde nicht berichtet.“ Mit Elternrat und Mitarbeitern wurde das weitere Vorgehen besprochen. Familien, deren Kinder die Kita nicht mehr besuchen, seien noch nicht informiert, „da die gesundheitliche Relevanz der Befunde noch nicht klar ist“.