merken
PLUS Löbau

Sind die Weihnachtsbäume in Gefahr?

Blaufichten in und um Löbau sehen zurzeit erbärmlich aus. Eine Laus macht ihnen zu schaffen. Wer kranke Bäume aber einfach absägt, dem drohen jetzt saftige Strafen.

Massenweise braune Fichten - kein schöner Anblick.
Massenweise braune Fichten - kein schöner Anblick. © dpa/Symbolfoto

Nach dem Borkenkäfer ist nun der nächste Schädling unterwegs, der auf milde Winter zurückzuführen ist. Löbauer haben bemerkt, dass viele Blaufichten im Stadtgebiet krank aussehen und sich besorgt an die Stadtverwaltung gewendet. Die Stadt hat eine eigene Forstabteilung mit Förster Lars Morgenstern als Leiter. Die Forstabteilung bestätigt: Los ging es im Frühjahr mit einer gelb-grünen Verfärbung einzelner Nadeln. Nach und nach verfärbten sich die Nadeln ganzer Äste braun. Unter den Blaufichten sammeln sich die abfallenden Nadeln der älteren Jahrgänge. Die Äste verkahlen von innen her und übrig bleibt nur der Maitrieb.

Verursacher ist die Fichtenröhrenlaus oder auch Sitkafichtenlaus, informiert der Löbauer Stadtforst. Der Schädling ist nur knapp zwei Millimeter groß, grün und hat rotbraune Augen. Die Laus ernährt sich von den Nadelsäften diverser Fichtenarten, wobei sie die Blaufichte am stärksten schädigt. Aber auch die Gemeine Fichte kann von der Laus befallen werden. Nach milden Wintern, wenn die Temperatur nicht unter Minus 14 Grad fällt, vermehren sich die Läuse gut. Bei tieferen Temperaturen gehen die Läuse zugrunde, sodass sie sich im Frühjahr nicht massenhaft vermehren können. Der vergangene Winter war in der Oberlausitz also eindeutig zu mild, als das er den Läusen hätte schaden können. 

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Bäume können sich wieder erholen - aber das dauert

Doch was bedeutet das nun für die Weihnachtsbäume dieses Jahres? Uta Belger vom Tannengut in Niedercunnersdorf hat den Lausbefall auch schon festgestellt an einigen ihrer Bäume. Der Familienbetrieb ist einer der größten Weihnachtsbaumzüchter in der Gegend. Ein großes Problem fürs Weihnachtsbaumgeschäft sieht Frau Belger darin aber derzeit nicht. "Bei den kleinen Bäumen haben wir noch keinen Befall." Denn Belgers haben vorgesorgt. Etwa aller zwei Jahre spritzen sie im Frühjahr ein Mittel gegen die Laus. So auch in diesem Jahr. "Das Risiko wäre für uns sonst zu groß", sagt Uta Belger. 

Dabei bedeute der Lausbefall nicht unbedingt, dass der Baum eingehen muss, wie Löbaus Stadtförster erklärt. Er sieht eben nur ohne Nadeln erbärmlich aus - und das qualifiziert ihn nicht gerade als Weihnachtsbaum. 

Die im Mai frisch austreibenden Nadeln - der Maiwuchs - bleibt von der Laus verschont. Durch das neue Austreiben verringert sich der Stickstoffanteil im Nadelsaft, so die wissenschaftliche Erklärung. Und das schmeckt der Laus nicht. Sobald der Maiwuchs sprießt, werden auch die Läuse weniger. Sie haben keine Nahrungsgrundlage mehr.  Eine Massenvermehrung der Fichtenröhrenlaus kommt in der Regel nur aller paar Jahre vor. Somit können sich die betroffenen Bäume in den Jahren dazwischen wieder recht gut erholen. Wenn ein paar kalte Winter folgen, könnte der Baum wieder ein normales Aussehen annehmen. Das kann allerdings mehrere Jahre dauern. Für Weihnachtsbaumplantagen wie die von Belgers würde ein starker Befall deshalb trotzdem einen wirtschaftlichen Schaden bedeuten. 

Nicht ohne Genehmigung fällen

Aber auch Zierfichten in heimischen Gärten können betroffen sein. Löbaus Stadtförster haben einen Tipp, wie Hobbygärtner frühzeitig erkennen können, ob ein Baum befallen ist: Bereits im Frühling sollte man den Baum mittels Klopfprobe untersuchen. Dazu am besten ein weißes Blatt Papier unter die Zweige halten. Klopft man auf die Zweige und es fallen mehr als vier bis sechs grüne Läuse auf das Papier,  sollten diese Fichten mit einem Lausmittel behandelt werden. Bei großen Bäumen steht der Aufwand regelmäßig in keinem Verhältnis mehr. 

Wer befallene Bäume in seinem Garten jetzt fällen will, braucht dafür zuvor eine Genehmigung der Naturschutzbehörde. Denn regulär ist das Bäumefällen erst wieder ab Oktober erlaubt, darauf weist die Löbauer Stadtverwaltung hin. Auch Uta Belger hat schon von Grundstücksbesitzern gehört, die eine saftige Strafe zahlen sollten, weil sie einen befallenen Baum einfach ohne Genehmigung gefällt hatten, erzählt sie. Auch sie wird auf ihrem Grundstück einen größeren Baum umsägen müssen. "Wenn dann die reguläre Fällperiode wieder begonnen hat."  

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier

Mehr zum Thema Löbau