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Ein Krimispiel-Erfinder erfindet sich neu

Keine Spielerunden, keine Krimidinner. Auch für Jörg Meißner hat Corona Unglück gebracht. Doch statt zu jammern, denkt er weiter.

Spieleerfinder Jörg Meißner muss in diesen Tagen noch kreatives sein als sonst.
Spieleerfinder Jörg Meißner muss in diesen Tagen noch kreatives sein als sonst. © Sven Ellger

Dresden. Der Mörder muss irgendwo im Raum sein. Ist es Charles, der Arzt? Lord Dredmore, der Richter? Oder gar die junge Julia? Die Suche nach dem Schuldigen ist vor allem eines: ein großer Spaß für gesellige Spielerunden. Doch genau diese gibt es in Corona-Zeiten nicht.

Für Jörg Meißner ist das besonders ärgerlich. Der Spieleerfinder verdient sein Geld damit, dass sich Menschen für seine Krimi-Rollenspiele begeistern - und sie auch spielen dürfen.  Mehr als ein Dutzend Spiele hat er schon auf den Markt gebracht, insgesamt mehr als 175.000 Kartons verkauft. Außerdem bietet er seit Jahren regelmäßig Krimi-Dinnerabende in ganz Deutschland an.

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Auch solche Krimi-Dinner gibt es bis auf Weiteres aus nahe liegenden Gründen keine. Die Mitarbeiter der Krimi total Veranstaltungs GmbH sind auf Kurzarbeit. 

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"Da stehen alle Räder still und mein Gefühl sagt mir, dass die Veranstaltungen noch lange verboten bleiben werden", sagt Meißner. "Bei den Spielen sieht es dagegen nicht vollkommen schwarz aus, aber relativ dunkelgrau. Solange es Kontaktsperren oder ähnliche Einschränkungen gibt, wird das wohl auch so bleiben."

Aber Jörg Meißner ist ein kreativer Kopf. Er weiß, dass er sowieso mit der Zeit gehen muss, seine Angebote weiterentwickeln muss. Ob mit oder ohne Corona.

Deswegen bietet er nun auch eine digitale Variante seiner Krimispiele an. Statt als Hefte im Karton, kommen die Rollenhinweise für die eingeladenen Mitspieler hierbei als E-Mail. Über die eigene Krimi-total-App können sich die Teilnehmer vorbereiten. Gespielt wird dann mithilfe einer Videokonferenz, zum Beispiel über Skype oder Zoom. Verkleidet oder nicht, in Etappen geteilt oder am Stück. Fast alles ist möglich - nur die Hand schütteln kann man seinem Rivalen oder besten Freund nicht. 

Eine Frage der Schnelligkeit

"Natürlich kann diese Variante keine geselligen Abende mit einem leckeren Essen ersetzen", weiß Meißner, "aber immerhin kann man auf diese Weise trotzdem mit seinen Freunden Spaß haben." Während der Absatz der gedruckten Spiele zuletzt deutlich zurückgegangen sei, verkaufe sich das digitale Angebot immer besser. "Mir ist wichtig, dass die Leute miteinander spielen. Die Technik ist dabei doch nur Mittel zum Zweck."

Im Endeffekt sei das Ganze sogar eine Generationsfrage. Während sich die die älteren beim Spielen immer noch lieber in die Augen schauen, greifen die Jüngeren im Zweifel zum Smartphone. 

Gerade für die jungen Leute hat Meißner in Corona-Tagen noch ein weiteres neues Ass im Ärmel.  In der neuen Reihe "Du ermittelst selbst" bringt er gerade in Zusammenarbeit mit dem Jugendbuchautor Fabian Lenk interaktive E-Books heraus. In den Geschichten können die jugendlichen Leser selbst zu Ermittlern werden und immer wieder Entscheidungen treffen, die den Fortgang der Geschichte beeinflussen. Schaue ich jetzt hinter diese Tür oder gehe ich lieber schnell weiter? Je nachdem, wie sich der lesende Detektiv schlägt, kann er den Fall am Ende aufklären - oder bleibt selbst auf der Strecke.

Der erste Fall "Tödliche Spiele" ist gerade herausgekommen. Weitere sind in Arbeit. Bis die auch als gedruckte Bücher gekauft werden können, dürfte noch einige Zeit vergehen. "Das war eine Frage der Schnelligkeit", sagt Meißner. "Es musste ja weitergehen. Wir müssen Geld verdienen, zumal zuletzt sogar die Buchläden geschlossen waren."

In Zukunft sollen auch noch weitaus komplexere Fälle für erwachsene Hobbyermittler folgen. Jörg Meißner hat da so einige Ideen.

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