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Gemeinschaftsschule - so könnte es gehen in Sachsen

Kinder sollen künftig länger gemeinsam lernen können. Darauf haben sich CDU, Grüne und SPD geeinigt. Eine Analyse.

© Fabian Sommer/dpa

Für die SPD war sie klare Bedingung, die Grünen unterstützten ihre Einführung, die CDU lehnte Änderungen am Schulsystem konsequent ab: Nun haben sich die drei Parteien im Koalitionsvertrag geeinigt, die Gemeinschaftsschule in Sachsen möglich zu machen.

Grundlage der Vereinbarung ist der Volksantrag zum längeren gemeinsamen Lernen, der vom Bündnis Gemeinschaftsschule eingereicht wurde. Das Bündnis hatte unter anderem mit Unterstützung von Linken, SPD und Grünen mehr als 50.000 Unterschriften gesammelt.

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Allerdings wurde der Inhalt des Volksantrages verändert, um die CDU zu einem „ja“ zu bewegen. Die SZ erklärt, wie die künftige Kenia-Koalition die Gemeinschaftsschule in Sachsen einführen will.

Wo können Gemeinschaftsschulen entstehen?

Dass Kinder länger gemeinsam lernen, soll sowohl in den Großstädten als auch auf dem Land möglich sein. Voraussetzung für die Schaffung einer Gemeinschaftsschule ist nach der Vereinbarung die Zustimmung der Kommune und der Schulkonferenz – also von Schülern, Eltern und Lehrern. Nachbarkommunen sollen in dem Verfahren angehört werden. Die Initiative soll dabei von der Schule und der Kommune ausgehen können.

Welche Abschlüsse können Schüler an einer Gemeinschaftsschule machen?

Eine Gemeinschaftsschule können die Kinder von der 1. bis zur 12. Klasse besuchen. Gemeinschaftsschulen können ohne eigene Primarstufe eingerichtet werden, wenn sie mit benachbarten Grundschulen fest kooperieren. Damit ist ein Realschulabschluss nach der 10. Klasse und das Abitur möglich.

Müssen sich Gemeinschaftsschulen neu gründen?

Die Kommunen können als Schulträger eine neue Gemeinschaftsschule gründen. Sehr viel wahrscheinlicher ist es aber, dass bestehende Grund- und Oberschulen sowie Gymnasien kooperieren und sich so zu Gemeinschaftsschulen weiterentwickeln. 

Diese Schulen sind wegen des besonderen Profils auch von der Schulbezirkspflicht entbunden. Auch freie Schulen können Gemeinschaftsschulen werden – viele arbeiten schon nach diesem Konzept.

Wie soll das längere gemeinsame Lernen genau funktionieren?

Die Trennung nach der 4. Klasse fällt weg. Die Kinder wechseln ohne Bildungsempfehlung in die fünfte Klasse. Sie werden leistungsdifferenziert unterrichtet, also auch innerhalb einer Klassenstufe unterschiedlich. Das heißt, dass die guten Schüler in den Klassen 5 bis 9 auch Stoff des Gymnasiums lernen. 

Wenn sie Abitur machen wollen, wechseln sie nach der 9. Klasse in die Gymnasialklassen. Damit in der gymnasialen Oberstufe noch qualitativ hochwertige Leistungskurse angeboten werden können, müssen für eine Gemeinschaftsschule ab der Klassenstufe 5 mindestens vier parallele Klassen vorhanden sein. Der Volksantrag sah nur mindestens zwei Züge vor. 

Außerhalb von Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen, Zwickau und dem Städteverbund Bautzen-Görlitz-Hoyerswerda reichen drei fünfte Klassen als Voraussetzung. Nur so erreichen ausreichend Schüler die Sekundarstufe II. Für dieses Modell kommen etwa 42 Schulen in den größeren Städten infrage.

Und auf dem Land?

Auch in kleinen Gemeinden können Oberschulen in Verbindung mit einer Grundschule längeres gemeinsames Lernen von der 1. bis zur 10. Klasse ermöglichen und sich zur „Oberschule Plus“ entwickeln. Bedingung ist allerdings, dass sie maximal zwei fünfte Klassen haben. Etwa 77 der 125 Oberschulen außerhalb größerer Städte erfüllen diese Voraussetzung. 

Das soll verhindern, dass eine erfolgreiche Gemeinschaftsschule den Bestand einer einzügigen Oberschule im Nachbarort gefährdet. Es ist auch eine Chance: Langfristig könnten sich Bürgermeister benachbarter Kommunen zusammentun und neue Gemeinschaftsschulen gründen – und so in der Vergangenheit geschlossene Schulen wieder eröffnen.

Welche Kritik gibt es?

Vor allem die Mindestgröße der Schulen stößt auf Kritik. „Die CDU errichtet höhere Hürden für die praktische Gründung von Gemeinschaftsschulen“, sagt Luise Neuhaus-Wartenberg (Linke). „Das Anliegen des Volksantrages war, den Akteuren vor Ort bei gemeinschaftlichem Handeln unkompliziert die Option Gemeinschaftsschule zu eröffnen.“ 

Flächendeckend komme die Schule so nicht in Betracht, sagt auch Erziehungswissenschaftler Wolfgang Melzer: „Viele Schulen, die sich als Gemeinschaftsschule auf den Weg machen wollen, fangen klein an und entwickeln sich dann.“

Ab wann geht es los? Wie ist das weitere Verfahren?

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Der Gesetzentwurf, auf dem der dem Volksantrag basiert, ist die Grundlage für die Einführung der Gemeinschaftsschule. CDU, Grüne und SPD wollen mit ihrer Mehrheit im parlamentarischen Verfahren die Änderungen durchsetzen. Geplant ist, bis Juni 2020 im Landtag über den Volksantrag abzustimmen.

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