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So war der "Tatort" mit Charlotte Lindholm

Feminin, rechts, intellektuell: Der Niedersachsen-„Tatort“ schraubt die Ansprüche an sich und die Zuschauer hoch.

Eine rechte Bloggerin liegt tot im Stadtwald. Die Ermittlerinnen Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, r.) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) fragen sich: Liegt ein politisches Motiv vor?
Eine rechte Bloggerin liegt tot im Stadtwald. Die Ermittlerinnen Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, r.) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) fragen sich: Liegt ein politisches Motiv vor? © NDR

Von Thomas Schade

Da ist was los im Uni-Städtchen Göttingen: Die Ermittlerinnen Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz zerren einen Alt-68er zu Boden. Eine lesbische Jura-Professorin, wegen provokanter Ansichten Star nationaler Studenten, soll Verfassungsrichterin in Karlsruhe werden. Rechte Jugendliche verhüllen die Fassade des Polizeipräsidiums mit einem Banner. Alles wegen Marie, der Video-Bloggerin, die rassistische Thesen, verpackt in romantische Bilder, für die rechte „Junge Bewegung“ verbreitet. Marie liegt eines Morgens mit durchgeschnittener Kehle im Stadtwald.

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Ein extrem heikler Fall, wie die Kommissarinnen bald merken. Der „Tatort: National feminin“ lotet aus, wie viel intellektuelle Auseinandersetzung ein Krimi am Sonntag verträgt. Drehbuchautor Florian Oeller und Regisseurin Franziska Buch bekommen eine Menge gesellschaftlichen Streit unter und stellen dafür Frauen der rechten Szene in den Mittelpunkt, von denen im Krimi eher nicht viel zu sehen ist. Bedauerlich, dass die rechte „Junge Bewegung“ des Jurastudenten Felix dabei lediglich als vierköpfiges Splittergrüppchen rüberkommt. 

Tod einer rechtsnationalen Aktivistin

Insgesamt steuern die Macher in „National feminin“ dennoch souverän durch ein anspruchsvolles Milieu und halten die szenische Spannung bis zuletzt.Das ungleiche Paar Lindholm/Schmitz, gespielt von Maria Furtwängler und Florence Kasumba, muss sich fremdenfeindlicher Angriffe erwehren und bekommt es mit Sophie Behrens zu tun, der Jura-Professorin, die sich von keinem vereinnahmen lässt, selbst Feministin ist und ein Verhältnis mit dem Opfer hatte. Schauspielerin Jenny Schily, die viele Jahre Ensemblemitglied am Dresdner Staatstheater gewesen ist, füllt diese Rolle überzeugend aus. Sehenswert, wie mit Lindholm und der Professorin zwei Kontrahentinnen auf Augenhöhe zusammentreffen, zunächst abweisend, dann doch einander vertrauend.

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So wird aus dem Fall weder eine politisch motivierte Straftat noch ein Eifersuchtsdrama unter lesbischen Frauen, sondern eine ganz banale Geschichte über verletzte Eitelkeit. Der rechts angehauchte Jurastudent Felix kann nicht verwinden, dass Marie ihn zurückweist. Sie hat sich in Dok Tom verliebt. Die stramm rechte Feministin und ein stramm linker Medizinstudent – das ging nicht gut.

Und die beiden Alphatierchen mit der Polizeimarke? Sie harmonieren diesmal verdächtig gut. Keine Backpfeife, kein Fremdknutschen, aber da ist wohl noch nicht aller Tage Abend.

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