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Sofort-Hilfe muss Folgen bedenken

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Caren Lay bekam beim SC Hoyerswerda Anliegen des Sports sachkundig erläutert.

Hatten sich einiges zu sagen: Torsten Ruban-Zeh, Präsident des SC Hoyerswerda (rechts), und Caren Lay (MdL -Die Linke- / links neben ihm); Daniela Fünfstück, Geschäftsführerin des SC, und Lars Bauer, Geschäftsführer Kreissportbund Bautzen und Mitglied des
Hatten sich einiges zu sagen: Torsten Ruban-Zeh, Präsident des SC Hoyerswerda (rechts), und Caren Lay (MdL -Die Linke- / links neben ihm); Daniela Fünfstück, Geschäftsführerin des SC, und Lars Bauer, Geschäftsführer Kreissportbund Bautzen und Mitglied des © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Caren Lay bekundete frei heraus, dass sie nicht mit einem Sack voller Geld nach Hoyerswerda gekommen sei. Aber hören, welche Wünsche der Sport an die Politik habe – das wolle sie gern; speziell vor dem Hintergrund der Corona-Folgen. Und sie wolle sich ein Bild machen, wie die Vereine mit der Situation umgingen und umgehen. Darum hatte sie am Donnerstagvormittag, in ihrer ersten richtigen Wahlkreiswoche seit dem fast kompletten Zusammenbruch des gesellschaftlichen, also auch sportlichen Lebens wegen Corona, den Sportclub Hoyerswerda (SC) in dessen Domizil, der VBH-Arena, aufgesucht. Dort bekam die Bundestagsabgeordnete (Die Linke) die ganze Palette des von ihr Erfragten aufgezeigt; und deutlich wurde: Am Zuge muss jetzt die wirklich „große“ Politik sein.

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In einer Kurz-Vorstellung hatte SC-Geschäftsführerin Daniela Fünfstück verdeutlicht, dass der Club zu denen zählt, die in der Stadt im großen Maße für das Gemeinwohl sorgen. 2.000 Mitglieder, dazu 1.500 nicht als Mitglied an den Verein gebundene Hoyerswerdaer und „Umkreisler“ sind in 23 Sportarten unterwegs. Nicht nur Leistungssport wie bei den WM-nominierten Sportakrobaten hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben; nicht nur Breitensport, sondern auch und vor allem Kurse im Gesundheits- und Integrationsbereich sowie Kinder- und Jugendsport. Wobei Kinder schon im Baby-Alter willkommen sind, Alterssportler dagegen bis 100 plus beim SC Bewegung leben könnten. Durchschnittlich gerechnet bietet der SC 300 Stunden Sport pro Woche an. Beziehungsweise vorübergehend: bot. Denn am 16. März mussten in Sachsen Kindertagesstätten, Schulen und Turnhallen schließen. Erst am 4. Mai war das Nutzen von Außensportanlagen wieder möglich, und am 25. Mai öffneten die Turnhallen. Damit war das Thema Corona im Raum. Daniela Fünfstück und mit ihr SC-Präsidiumsmitglied (und Kreissportbund-Bautzen-Geschäftsführer) Lars Bauer beklagten unisono, dass die Kommunikation seitens der Bundes- und Freistaats-Regierung nicht immer hilfreich sei: Wenn Lockerungen verkündet würden, oft schon vor dem eigentlichen Kabinettsbeschluss und am Freitagnachmittag, wecke man damit beim Sportler die Erwartung, dass „ab sofort, unverzüglich ...“ all das Erlaubte auch in der Praxis wieder möglich sei. Dabei werde oft übersehen, dass im Sportbetrieb das Umsetzen der neuen Anforderungen Vorlauf brauche.

35.000 Euro Einnahmeverluste

Dann kamen die Zahlen auf den Tisch. Dem SC sind wegen Corona sicher mindestens 35.000 Euro Einnahmeverluste entstanden durch nicht gehalten werden könnende Kurse im Bereich Baby-, Gesundheits- und Rehabilitationssport. Hinzu kommen Verluste durch den Ausfall von Veranstaltungen (Sponsoring, Teilnehmergebühren) sowie ausgebliebene Nutzungsgebühren auf Grund Nicht-Vermietbarkeit vereins-eigener Turnhallen. Immerhin hatte der SC eine Art Notprogramm aufgelegt: Erwirken einer Trainings-Sondergenehmigung für die Bundeskader der Sportakrobatik; Online-Mitmach-Angebote fürs Sporttreiben daheim; Aktivitäten der „Vereins-Engel“ (Masken-Nähen oder ein Einkaufsservice) sowie rege Kommunikation mit den Mitgliedern über die SC-Homepage.

Rücklagen und Rentenpunkte

Was man nicht vergessen dürfe, so SC-Präsident Torsten Ruban-Zeh, sei, dass die Stadt Hoyerswerda großes Engagement zeige. Gefragt von Caren Lay, ob denn der SC fürchten müsse, von Mittel-Streichungen wegen Corona betroffen zu werden, konnte Ruban-Zeh (zugleich Stadtrat) verneinen: „Es gibt eine ganz klare Haltung: „Für 2020 wird dem Sport nichts weggenommen. Ob das 2021 auch so sein wird ...“

Mancher Verein stünde beim Wegbrechen eines (Haupt-) Sponsors vor dem sofortigen Aus. Der SC mit einem Jahres-Etat von 1,3 Millionen Euro sei zwar gut aufgestellt, weil davon nur 13 Prozent aus Sponsorenmitteln kämen, aber gerade darum könne er auf Fördermittel nicht verzichten: „Sonst könnten wir unsere Mitgliedsbeiträge kaum bei durchschnittlich zehn Euro im Monat halten, sondern wären mindestens doppelt so teuer. Qualifizierte Trainer wollen und müssen bezahlt sein.“

Lars Bauer lenkte dann den Blick auf ein diffiziles Problem. Sportvereine, die jetzt direkt vor dem Aus stünden, könnten auf staatliche Hilfe hoffen. Andere Vereine (wie der SC), die dank ihrer Rücklagen Corona aus eigener Kraft überstehen werden, stünden aber zeitversetzt vor demselben Problem: „Wenn nämlich Investitionen, die eigentlich aus den Rücklagen bestritten werden sollten, etwa in Sportstätten, dann nicht mehr möglich sind, weil das Geld ja weg ist, stehen diese Vereine in zwei oder drei Jahren ebenfalls in Existenznot – Spätfolgen von Corona.“ Das dürfe man nicht unberücksichtigt lassen.

Auch Torsten Ruban-Zeh sprach ein Grundsatz-Dilemma an. Träger der Wohlfahrt (wie die Arbeiterwohlfahrt Lausitz, deren Geschäftsführer er ist) dürfen mit ihren Überschüssen zwar Notleidende unterstützen, aber nicht komplette Sportvereine – weil das Gesetz will, dass Überschüsse dem Gemeinwohl zugeführt werden müssen. „Aber was, wenn nicht Kinder- und Jugendsport, ist Gemeinwohl?“

Lars Bauer schob noch dreierlei nach. Erstens: Welchen Stand habe das Ehrenamt in Deutschland? Solle ehrenamtliche Tätigkeit nicht auch mit Rentenpunkten „entlohnt“ werden? Zweitens: Von allen Bundesländern hätten nur Bayern und Sachsen kein Weiterbildungsgesetz. Das dürfe nicht so bleiben. Was ihn drittens umtreibt: Bei der Erzieher-Ausbildung spiele Bewegung, also künftiger Sport mit zu betreuenden Kindern, kaum eine Rolle. „Aber wie teilen sich Kinder ihrer Umwelt mit? Über Sprache und Bewegung!“

Startzusage für 2021

Caren Lay sagte Unterstützen-Wollen zu – und hatte, entgegen ihrer Eingangs-Ankündigung, doch drei konkrete Angebote: Für Einzelvorhaben, etwa zur Unterstützung einer noch zu bildenden Integrations-Sportgruppe für Flüchtlings-Frauen, könne der SC eine Einmal-Zuwendung aus dem Spendentopf der Linken-Bundestagsfraktion beantragen. Sobald es möglich sei, „Bundestagsfahrten“ wieder aufzunehmen, wolle sie an eine Hoyerswerdaer Delegation denken. Und: Wenn es einen Hoyerswerdaer City-Lauf 2021 gebe, wolle sie wieder starten – wie am 5. September 2009, als sie beim 3. Hoywoj-DAK-Citylauf die 10-km-Distanz in 53:17 min. schaffte.

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