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Bautzens Spreebrücke: Ein Modell ist raus

Für das geplante Bauwerk liegen seit Kurzem drei Varianten vor. Doch gegen eine gibt es erhebliche Bedenken.

Auf direktem Wege vom Protschenberg zur Ortenburg: Das ist der Ziel der geplanten neuen Spreequerung in Bautzen. Für die Ausführung gibt es verschiedene Ideen.
Auf direktem Wege vom Protschenberg zur Ortenburg: Das ist der Ziel der geplanten neuen Spreequerung in Bautzen. Für die Ausführung gibt es verschiedene Ideen. © TU Dresden

Bautzen. Drei Varianten für eine mögliche Brücke über die Spree in Bautzen haben das Architekturbüro Ehrlich und die Firma Hentschke Bau entworfen: eine Bogenbrücke, eine Hängebrücke und eine Fachwerkbrücke. Bautzens Stadtverwaltung wollte bereits in der vergangenen Stadtratssitzung darüber informieren. Dann vertröstete sie auf den 10. Juni. Doch informiert hat die Stadt die Bautzener Bürger noch immer nicht – im Hintergrund aber laufen Gespräche.

Demzufolge scheint eine erste Variante für die Brücke mittlerweile aus dem Rennen zu sein. Laut Pressestelle der Stadt gibt es vonseiten des Landesamtes für Denkmalpflege „erhebliche Bedenken“ zu einer der drei Brückenlösungen. Nach Informationen von Sächsische.de handelt es sich dabei um die Bogenbrücke; diese sei zu dominant, zu groß. Auch bei „einem von drei Ankunftspunkten“ gibt es „erhebliche Bedenken“, teilt die Stadt mit. Informationen von Sächsische.de zufolge soll es dabei um Denkmalschutz-Bedenken in Bezug auf den Burgwasserturm gehen. Denn eine der Brückenvarianten sollte eben im Burgwasserturm ankommen, eine andere im Langhaus und eine weitere im Burghof.

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Denkmalschutz spricht gegen eine der Varianten

Gerade laufen dazu Detail-Untersuchungen, teilt die Stadtverwaltung mit. Wann die Varianten nun tatsächlich der Öffentlichkeit vorgestellt werden, dazu bleibt sie vage: „Vermutlich wird dies zu Beginn des zweiten Halbjahres 2020 der Fall sein“, heißt es. „Dann werden auch die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, sich zu beteiligen.“

Angedacht ist, nicht nur eine Brücke vom Protschenberg aus über die Spree zu bauen. Im selben Zuge könnten den Entwürfen zufolge das Langhaus und der Burgwasserturm saniert werden. Auch ein Restaurant mit Aussicht wäre möglich.

Die Summe für das Projekt liegt indes deutlich höher als bei der ursprünglich angedachten Spannbandbrücke. Zunächst war für diese Variante von Kosten in Höhe von einer Million Euro die Rede. Weil eine Probebohrung gezeigt hatte, dass sich unter der Ortenburg keine Felsen, sondern aufgeschüttetes Gestein befindet, hieß es, die Kosten seien kaum einzuschätzen – und könnten drastisch steigen.

Projekt könnte 12 Millionen Euro kosten

Tatsächlich liegt die Bausumme, von der nun für das neue Projekt die Rede ist, noch einmal um einiges höher: Wenn auch die Bauarbeiten am Burgwasserturm und am Langhaus mit einberechnet werden, zeichnet sich laut Stadtverwaltung ein Kostenrahmen von etwa zwölf Millionen Euro ab. „Die in Verantwortung der Stadt zu realisierende Brückenlösung muss noch kalkuliert werden“, teilt die Stadt mit, „und würde nur einen Teil einer solchen maximalen Gesamtsumme ausmachen.“

Nach eigenen Angaben bemüht sich die Stadt um Fördermittel vom Freistaat und setzt auch auf den Landkreis: Das Gesamtprojekt mit der Sanierung des Langhauses und des Burgwasserturms werde „gegebenenfalls mit dem Landkreis Bautzen umgesetzt“, teilt die Stadt mit.

Landrat sieht Stadt in der Verantwortung

Landrat Michael Harig (CDU) hingegen tritt auf die Bremse: „Von konkreten Planungen oder Kosten haben wir keine Kenntnis“, teilt er mit. Der Landkreis könne lediglich Beteiligter sein, nicht Bauherr. „Maßnahmeträger ist die Stadt.“ Der Kreistag müsste über eventuelle Ausgaben abstimmen, diesem liege aber noch nichts Konkretes vor. Es ginge dem Landkreis vor allem um eine Lösung für das Parkplatzproblem des Burgtheaters.

Unter den Stadträten zeichnet sich unterdessen eine Tendenz für eine der Spreebrücken-Varianten ab. Das Bürgerbündnis hatte bereits deutlich gemacht, das Modell einer auf zwei Etagen begehbaren Fachwerkbrücke zu favorisieren. Auch Roland Fleischer von der SPD-Fraktion hält das für die beste Variante, weil sie wettergeschützt ist und nach dem jetzigen Stand die geringste Spannweite haben soll. „Wichtig ist unseres Erachtens eine filigrane, ins Altstadtbild passende Variante.“ Auch die CDU-Fraktion empfindet die Fachwerkbrücke als ein Modell mit „besonderem Charme“. Grüne und FDP wollen sich noch nicht festlegen, Linke und AfD ließen eine Anfrage von Sächsische.de unbeantwortet.

Bürgerentscheid auf der Kippe?

Und wie steht es um die Meinung der Bürger, den Bürgerentscheid? „Zunächst werden die Varianten dem Stadtrat und der Öffentlichkeit vorgestellt“, erklärt die Pressestelle der Stadt. „Dann wird sich ein Meinungsbild abzeichnen.“ Von der Idee eines bindenden Bürgerentscheides scheint die Stadtverwaltung abzurücken: „Wenn ein Bürgerentscheid erforderlich ist“, heißt es, „soll er im Zusammenhang mit der Landtagswahl 2021 durchgeführt werden.“

„Ein Bürgerentscheid wurde versprochen“, erklärt hingegen SPD-Fraktionsvorsitzender  Roland Fleischer. „Dazu stehen wir.“ Auch andere Fraktionen sprechen sich für den Entscheid aus, der bindend sein soll. „Wir sind unverändert der Meinung, dass über die Brücke ein bindender Bürgerentscheid stattfinden soll“, sagt Claus Gruhl, Fraktionschef der Grünen. Allerdings erst, wenn alle relevanten Informationen bekannt sind: die Varianten, die Kosten, die Höhe der Fördermittel und Folgekosten. Ähnlich argumentiert die CDU. Vor allem eines sei wichtig, findet der neue Fraktionschef Rolf-Alexander Scholze: „Die Menschen müssen frühzeitig mitgenommen werden.“

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