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Die neuen Trends am Berzdorfer See

Viel mehr Stehpaddler und nun auch Ruderer sind auf dem Berzdorfer See zu sehen. Die Recherche zeigt aber: Der Wassersport hat gerade Schwierigkeiten.

Dennis Weichert verleiht seine Boards fürs Stehpaddeln jetzt an der Blauen Lagune.
Dennis Weichert verleiht seine Boards fürs Stehpaddeln jetzt an der Blauen Lagune. © André Schulze

Ein neues Angebot an der Blauen Lagune? Seit einigen Wochen steht an schönen Tagen ein großer, mobiler Stand am Strand. Boards für Stand-up-Paddeling (SUP) sind dort aufgereiht. Aufblasbare Bretter, mit denen man im Stehen über das Wasser paddelt. Von Boom über Trendsport bis hin zu Massenphänomen, so wird über Stehpaddeln diesen Sommer berichtet. Dennis Weichert muss schmunzeln dabei. Seit Jahren verleiht er die Bretter und Paddel am Berzdorfer See. Bislang am Nordstrand. Diese Saison musste er umziehen. Der Stand an der Blauen Lagune gehört ihm. 

Stehpaddeln erlebt großen Boom

Ganz freiwillig war der Umzug vom Norden in den Süden nicht. Ganz unglücklich ist Weichert aber auch nicht darüber. Ob es nun am wachsenden Interesse oder am neuen Standort direkt am Strandzugang der Blauen Lagune liegt, der SUP-Verleih werde diese Saison spürbar besser angenommen als in den Vorjahren, erzählt er. 

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Teilweise wird der SUP-Boom auch mit der Coronakrise in Verbindung gebracht: Eine Sportart, bei der man nicht Gefahr läuft, auf dem Wasser anderen zu nahe zu kommen. Auf jeden Fall ein Sport mit viel Ruhe, sagt Karina Kolar. Auch sie betreibt Stand-up-Paddeling schon länger. Etwa einmal die Woche ist sie auf dem Berzdorfer See unterwegs. "Ich versuche zumindest, es einmal pro Woche zu schaffen", erzählt sie. Der See biete gute Voraussetzungen. "Die Wasserqualität ist gut, es gibt ein schönes Rundum." 

Lager der Hersteller sind leer

Dass die Nachfrage nach SUP zugenommen hat, kann sie auch beruflich bestätigen. Karina Kolar arbeitet im Görlitzer Sportgeschäft Muskelkater. Boards und Paddel haben zwar seit geraumer Zeit gelegentlich sogar Supermärkte bis Baumärkte im Sortiment. Allerdings, höherwertige Boards, wie sie für das Sortiment des Muskelkater eher infrage kommen würden, seien kaum noch bestellbar, erzählt Karina Kolar. "Bei den Herstellerfirmen sind die Lager derzeit leer", erzählt sie. 

Einmal die Woche auf den See, so würde sich das auch Ulrich Langer wünschen. Er ist der Vorsitzende des Görlitzer Ruderclubs, der sich voriges Jahr gegründet hat. Auch hier sei das Interesse in den vergangenen Jahren deutschlandweit spürbar gestiegen. Neun Mitglieder hat der Verein inzwischen, Interessenten gebe es deutlich mehr.  "15 bis 20 Leute waren es locker, die sich in den vergangenen Monaten bei uns gemeldet haben." Ruderer aus der Region, die für ihren Sport aber bislang zur Elbe nach Dresden oder noch weiter wegfahren. Dass sie auch auf dem Berzdorfer See rudern dürfen, dafür habe er eine mündliche Zusage, erzählt Ulrich Langer. 

Ruderer treten noch auf der Stelle

Hannes Ludwig aus Görlitz ist Mitglied im Ruderclub. Oft auf dem Berzdorfer See war er wie die anderen Mitglieder aber noch nicht.
Hannes Ludwig aus Görlitz ist Mitglied im Ruderclub. Oft auf dem Berzdorfer See war er wie die anderen Mitglieder aber noch nicht. © privat

Das Problem liegt aber woanders, bei der Frage, wie  - oder besser wo - man überhaupt aufs Wasser kommt. Um die Boote nicht immer aufwendig an den See und wieder heimtransportieren zu müssen, hatten sich die Ruderer einen dauerhaften Standort gewünscht. 

Ein Vorschlag seitens der Stadt war der Tauchritzer Hafen. "Der ist aber leider ungünstig für uns", erklärt Langer. Alleine schon die Steghöhe dort sei problematisch, um Ruderboote zu Wasser zu lassen. "Dann liegen dort teils deutlich größere Boote, wir müssen rückwärts rudern  - das wäre zu gefährlich"  Am Segelstützpunkt an der Blauen Lagune seien die Kapazitäten ausgereizt, erzählt Langer. Der Nordoststrand ist als reine Badestelle angelegt. Die Favoriten-Stelle der Ruderer weiter südlich bei Deutsch Ossig ist nun bereits belegt, dort lagert die LMBV Material für weitere Ufersicherungen.

Stadtsprecherin Sylvia Otto bestätigt die Schwierigkeiten bei der Standortsuche. Die Stadt begrüße die Initiative der Ruderer, freue sich über jede Form der aktiven Seenutzung. Aber eine umsetzbare Idee für den Standort hat sich noch nicht gefunden. Die Ruderer werden künftig dennoch öfter zu sehen sein. "Wir haben uns jetzt Boote zugelegt, die den Vorgaben für den See entsprechen." Es handelt sich um Einerboote. Langer will sich weiter dafür einsetzen, dass Rudern auf dem Berzdorfer See irgendwann auch als Mannschaftssport, also mit größeren Booten, und mit festem Standort stattfindet. "So schnell geben wir nicht auf."

Adé auch für die Surfer?

Der Standort, das ist auch der Grund für Dennis Weicherts Umzug. In den Vorjahren war er dort zu finden, wo auch der Wasserzugang für die Surfer am Nordstand ist. Das sei auch die am Nordostufer einzige genehmigte Stelle, erklärt Weichert, "andere Bereiche sind reine Badestellen". 

Es ist aber auch ein Bereich, der jedes Jahr dasselbe Problem hat: Durch Wind- und Wellenschlag wird im Uferbereich Sand abgetragen, am Nordoststrand ist dieses Phänomen schon immer besonders stark ausgeprägt. Es entsteht eine sogenannte Stufenbildung. Die sei dieses Jahr sehr stark ausgefallen, erzählt Dennis Weichert. Jedes Jahr wird der Bereich wieder hergerichtet, immer wieder gab es auch Pläne für langfristige Lösungen wie ein Steinschutzwall. Steine sind es auch, die nun dieses Jahr gelegt wurden am Nordstrand. Und damit sei der Zugang für SUP-Sportler nicht mehr möglich, erklärt Weichert. 

Über die Problematik, die auch die Surfer betreffe, habe die Stadt die LMBV informiert,  sagt Andrea Behr, Geschäftsführerin der EGZ, die für die Stadt Görlitz unter anderem zuständig ist für das See-Marketing. Für die Ufersicherung und auch für die Instandsetzung der Stufenbildung sei die LMBV zuständig. Auf eine kurzfristige SZ-Anfrage konnte der Bergbausanierer am Montag noch keine Antwort geben. Andrea Behr hofft derweil, dass Dennis Weichert nächstes Jahr an den Nordstrand zurückkehrt.

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