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Stolpersteine in Görlitz beschmiert

Betroffen sind die beiden Steine, die im Gedenken an Carl und Hans Jacobsohn verlegt wurden. Eine Anwohnerin machte sie wieder sauber.

2012 sind die Stolpersteine an der Görlitzer Bismarckstraße 16 von Bildhauer Gunter Demnig verlegt worden.
2012 sind die Stolpersteine an der Görlitzer Bismarckstraße 16 von Bildhauer Gunter Demnig verlegt worden. ©  Archiv/Nikolai Schmidt

Vermutlich Ende voriger Woche sind zwei Stolpersteine auf der Bismarckstraße mit dunkler Farbe beschmiert worden. Eine Görlitzerin machte den Vorfall in einer Görlitzer Facebook-Gruppe publik. 

"Mir fehlen die Worte", schreibt die Frau zu einem Foto der beschmierten Stolpersteine. Am Sonnabendmorgen habe sie es entdeckt - und sich ans Putzen gemacht. Ihr Einsatz löste viel positive Resonanz aus. Die verunstalteten Stolpersteine dagegen Betroffenheit. 

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Zu Wort meldete sich auch Daniel Breutmann vom Kulturbüro Görlitz und Mitglied des Bürgerrates Südstadt. Er sei bestürzt über die Tat und den Zustand der Stolpersteine. Das Kulturbüro betreibt den Stolperstein-Guide Görlitz. Dort findet man Informationen zur Lage der kleinen Gedenksteine, die ins Pflaster eingelassen sind - und vor allem zu den Menschen, derer gedacht wird. 

Die beiden Gedenksteine auf der Bismarckstraße erinnern an Carl und seinen Sohn Hans Jacobsohn. Beide wurden 1944 in Auschwitz ermordet. Carl Jacobsohn stammt aus Golub, damals Westpreußen, und wohnte später in Görlitz. Wo auch sein Sohn Hans Jacobsohn 1909 geboren wurde. Die Familie emigrierte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in die Niederlande. Ein Teil der Familie konnte sich retten. 

So zum Beispiel WalterJacobsohn, einer der Brüder von Hans. Er war zum Beispiel 2008 bei der Wiedereröffnung der Synagoge als Zeitzeuge zu Gast in Görlitz. Und er hat sich  um die Stolpersteine für seinen Vater und seinen Bruder, die dem Vernichtungslager Auschwitz nicht entkamen, bemüht und sie finanziert. 2012 wurden sie verlegt. 

Ob weitere Stolpersteine betroffen sind, dazu konnte die Polizei bis Redaktionsschluss noch keine Auskunft geben. 

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