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Alles Lausitz oder was?

Am 21. August ist Tag der Oberlausitz. Aber was wissen wir eigentlich über ihre Historie? Hartmut Jentsch setzt den Geschichtsabriss im Gastbeitrag fort.

Zum Tag der Oberlausitz weht regelmäßig die Oberlausitzfahne vom Neugersdorfer Bismarckturm.
Zum Tag der Oberlausitz weht regelmäßig die Oberlausitzfahne vom Neugersdorfer Bismarckturm. © Archivfoto: Matthias Weber

Von Hartmut Jentsch

Wenn in Deutschland heute Minister beim Kohleausstieg, der Wetterbericht der ARD, die Neiße als Grenzfluss, ein Seenland, ein Marathon, eine Zeitung, eine Zukunftswerkstatt, und viele andere den Begriff oder den Zusatz "Lausitz" verwenden und Kommunen für den Tourismus damit verstärkt werben, dann darf man doch mal fragen, wo ist denn die Lausitz und was ist die Lausitz?

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Unstrittig ist, dass der Name auf einen slawischen Stamm zurück geht, der vor gut 1.000 Jahren insbesondere in der Region siedelte, die wir heute als Spreewald kennen. Im Zuge der deutschen Ostexpansion vom 11. bis ins 13. Jahrhundert entstanden das Markgrafenthum (in der damaligen Schreibweise) Niederlausitz und das Markgrafenthum Oberlausitz, die aber nie vereint waren, auch wenn beide zeitweilig denselben Markgrafen als Herrscher hatten. Wenn man von beiden spricht, dann müsste es die Lausitzen oder die beiden Lausitzen heißen. Klingt aber nicht gut und spricht sich schlecht aus. Deshalb könnte man annehmen, wer heute Lausitz sagt, meint das Territorium der beiden oben genannten Territorialherrschaften, also Niederlausitz und Oberlausitz. Das ist aber mit einem Problem verbunden, das hier nur mit Blick auf die Oberlausitz betrachtet werden soll.

Name wird erstmals 1467 erwähnt

Die Oberlausitz, hervorgegangen aus dem Milzenerland, dem späteren Sechsstädteland, und vom Stadtschreiber von Breslau erstmals mit Bezug auf 1467 als „Obirlusicz“ dokumentiert, verfügte über eine beachtenswerte innere Autonomie, basierend auf einer in Deutschland einzigartigen Ständeverfassung. Diese endete 1815 in der preußischen und 1831 in der sächsischen Oberlausitz. Was blieb ist, dass die Oberlausitz, wie bereits im Teil 1 beschrieben, ein Gebiet zwischen Hoyerswerda und Zittau, Königsbrück und Lauban (heute Luban in Polen) umfasst. Und es darf doch angenommen werden, dass sich der Kohleausstieg der Bundesregierung, die Wetteransage der ARD, die Tourismuswerbung und vieles weitere mehr, wo von Lausitz gesprochen wird, nicht auf den Teil der Oberlausitz bezieht, der heute zu Polen gehört. Zugleich ist es eine Illusion, dass der Begriff „Lausitz“ gestrichen werden könnte oder verschwindet. Daraus folgt: Wer ihn verwendet, sollte im Kontext verdeutlichen, wen er meint und wo.

Für die Region, also für die Niederlausitz und die Oberlausitz, ist anzunehmen, dass angesichts von Klimawandel, Umweltschutz, Kohleausstieg und Sicherung von Arbeitsplätzen der Begriff Lausitz immer bedeutsamer wird. Beiden Teilen auf dem Territorium der Bundesrepublik und vor allem den dort lebenden Menschen steht ein gewaltiger Umbruch in absehbarer Zeit bevor. Hier sind Politik, Wirtschaft und Kultur, ganz Deutschland und die Europäische Union gefordert. Und wenn das unter dem Begriff Lausitz erfolgt, ist das kein Beinbruch für die Oberlausitzer.

Hartmut Jentsch aus Seifhennersdorf hat sich Gedanken zur Geschichte der Oberlausitz gemacht.
Hartmut Jentsch aus Seifhennersdorf hat sich Gedanken zur Geschichte der Oberlausitz gemacht. © Archivfoto: Matthias Weber

Viele Oberlausitzer sind Zugezogene

Für die Entwicklung ihrer geliebten Heimat, reicht es aber nicht, sie zu besingen. Es bedarf der Einsicht in größere Zusammenhänge, wie zum Beispiel den Folgen der verhängnisvollen Teilung der Oberlausitz 1815 und der Eingliederung eines Teils der Oberlausitz östlich der Neiße in den polnischen Staat 1945. Genau so bedeutsam sind auch die Verbreitung der wechselvollen Geschichte der Oberlausitz sowie der Pflege des Brauchtums und der Sprache dieser wunderbaren Region.

Oberlausitz ist eben nicht nur dort, wo ein Dialekt mit rollendem „R“ gesprochen wird, wo es ein Bergland und ein Zittauer Gebirge gibt, sondern auch da, wo es einen bekannten Pfefferkuchenmarkt, eine ausgedehnte Teichlandschaft, berühmte Glasbläsereien und eine Dreifaltigkeitskirche von 1320 in Lauban, circa 24 Kilometer östlich von Görlitz, gibt.

Dabei ist auch zu bedenken, dass viele, die heute in der Oberlausitz leben bzw. ihre Vorfahren, nicht aus diesem Raum stammen. Sie kamen zum Beispiel nach 1815 mit der preußischen Verwaltung, 1945 mit der Vertreibung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, ab 1955 mit dem Aufbau des Energiekombinats „Schwarze Pumpe“ und ab 1963 mit der Ansiedlung der Offiziersschulen der Landstreitkräfte und der Luftstreitkräfte der NVA hierher. Das alles und noch viel mehr zu verbreiten und auszudiskutieren ist Inhalt einer Bildungsinitiative des Lusatia-Verbandes e.V.

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Dr. Hartmut Jentsch aus Seifhennersdorf ist Oberst a.D., Politikwissenschaftler und Mitglied im Lusatia-Verband. 

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