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Tagesmutti verletzt offenbar ihre Aufsichtspflicht

Ein kleiner Junge büxt seiner Radebeuler Tagesmutter aus. Das Fehlen des Ausreißers hat sie offensichtlich erst spät bemerkt.

Es passiert ganz schnell, dass Kinder einmal ausbüxen. Offenbar ist solch ein Fall einer Tagesmutti in Radebeul passiert.
Es passiert ganz schnell, dass Kinder einmal ausbüxen. Offenbar ist solch ein Fall einer Tagesmutti in Radebeul passiert. ©  dpa / Symbolbild

Radebeul. Madlen Paul kann ihren Augen nicht trauen. Vom Fenster ihrer Wohnung aus sieht die Radebeulerin einen kleinen Jungen am Rand der Meißner Straße in Höhe Borstraße herumtollen. „Er sprang zwischen Radweg und Fußweg hin und her“, sagt die Mutter von zehn Kindern. Doch kein Elternteil oder eine Aufsichtsperson war weit und breit zu sehen. Das hat sie mehr als gewundert.

Madlen Paul zögerte nicht lang. Sie lief aus ihrer Wohnung, die Treppe hinunter, hinaus auf die Meißner Straße und zu dem Jungen hin. Sein Alter schätzt sie auf ein bis anderthalb Jahre. „Er konnte nicht sagen, wo er herkommt oder wo er wohnt“, berichtet Paul. Sie nahm das Kind erst einmal mit zu sich nach Haus und informierte die Polizei.

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Der Vorfall ereignete sich bereits am vergangenen Dienstag. Den kleinen Ausreißer hat Madlen Paul gegen 9.30 Uhr auf der Straße bemerkt. Rund eine Stunde später traf die Polizei bei ihr ein. Während dieser Zeit ist Madlen Paul keine Person auf der Meißner Straße aufgefallen, die nach einem Kind rief und suchte.

Als die Beamten bei ihr waren, bekam Madlen Paul mit, dass in der in der Notrufzentrale eine Vermisstenanzeige einging. Eine Radebeuler Tagesmutter wusste nicht, wo sich einer ihrer Schützlinge befand. Die Polizeibeamten übergaben der Tagespflege das Kleinkind.

Madlen Paul ist über die lange Differenz zwischen dem Zeitpunkt, als sie den Jungen sah, und dem, als der Anruf der Tagesmutti bei der Polizei einging, sehr verwundert. „Hat sie nicht bemerkt, dass eines ihrer Pflegekinder fehlt? Und warum sah man sie nicht nach dem Kind suchen?“, fragt sie.

 Madlen Paul hat überlegte, ob sie den Vorfall öffentlich macht. Der feste Entschluss dazu kam ihr, als die Tagesmutter mit einem Blumenstrauß sowie Süßigkeiten vor ihrer Wohnungstür stand und sie bat, über das Ereignis Stillschweigen zu wahren. „Das war ein Bestechungsversuch“, ist Madlen Paul empört.

Auf SZ-Anfrage kann die Polizei den Sachverhalt vom Dienstag grundsätzlich bestätigen. „Frau Paul hatte sich um 9.56 Uhr beim Notruf gemeldet. Um 10.32 Uhr waren die Polizeibeamten bei ihr“, teilte Polizeisprecher Lukas Reumund mit. Der Anruf der Tagesmutter sei um 10.37 Uhr getätigt worden. 

Die Tagesmutti war für eine Stellungnahme am Freitag telefonisch nicht zu erreichen.

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