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Endlich wieder "Let's dance"

Mit der Fernseh-Show haben manche Hobbytänzer Corona-Abende verbracht. Nun können sie selber tanzen. Wie, zeigt sich in der Görlitzer Tanzschule Matzke.

Paartanz ist in Sachsen erlaubt, aber zwischen den einzelnen Paaren muss Platz bleiben.
Paartanz ist in Sachsen erlaubt, aber zwischen den einzelnen Paaren muss Platz bleiben. © Nikolai Schmidt

Es geht los mit Discofox. "Das ist immer der erste Tanz bei uns", sagt Thomas Matzke. Denn der Discofox ist in der Praxis am häufigsten. Aber in den vergangenen zehn Wochen wurden weder Gesellschafts- noch sonstige Tänze in der Tanzschule Matzke in Görlitz aufs Parkett gelegt. Wie viele Einrichtungen waren auch sie von den Schließungen wegen Corona betroffen. Nun geht es wieder los, in Görlitz wie in Niesky. Wie immer, mit Discofox. Aber ansonsten ist vieles anders. 

Zehn Wochen. So oft haben Heidi und Olaf Lehmann in 25 Jahren noch nicht gefehlt. Sie sind die dienstältesten Tänzer der Tanzschule Matzke - die ebenfalls 25 Jahre alt ist. Hier, in der Görlitzer Straßburg-Passage, lernen Schüler das Paartanzen. Wer mag, kann danach weitermachen mit Fortgeschrittenenkursen, mit den Deutschen Tanzabzeichen in Bronze, Silber und Gold. Und mit den Tanzclubs - Kurse für die langjährigen Tänzer. Der Tanzclub von Heidi und Olaf Lehmann findet immer freitags statt, seit einem Vierteljahrhundert. 

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"Tanzen ist für uns ein Teil unseres Lebens"

"Es hat gefehlt, sehr", sagt Heidi Lehmann. Nun hat sie die schwarzen Tanzschuhe an, ein dunkelblaues Kleid, eine bunte Kette dazu. Sich schick machen, auch das hat gefehlt.  "Ein Wiener Walzer in Jeans, das sieht einfach nicht aus", sagt sie. Als das Paar noch berufstätig war, sei der Tanzabend auch immer eine Einstimmung aufs Wochenende gewesen. Und bis heute ist er für die beiden auch Training. Regelmäßig sind sie bei Festen oder anderen Veranstaltungen als Schautänzer zu sehen. "Es ist für uns ein Teil unseres Lebens",  sagt Olaf Lehmann. Auch, weil sie in der Tanzschule enge Freunde gefunden haben und treffen. 

Heidi und Olaf Lehmann tanzen schon seit 25 Jahren. Eine solche Durststrecke haben sie noch nie erlebt.
Heidi und Olaf Lehmann tanzen schon seit 25 Jahren. Eine solche Durststrecke haben sie noch nie erlebt. © privat

Sehen kann man sich jetzt wieder, zu nah aber dürfen Lehmanns und die anderen  Tanzpaare sich nicht kommen. In nur drei Bundesländern sind Tanzschulen wieder geöffnet, und nur in Sachsen ist Paartanz ohne Mundschutz erlaubt. Ansonsten gelten auch hier strenge Hygieneregeln. Fast obligatorisch: der Desinfektionsmittelspender. Auf dem Weg zu den beiden Sälen markiert Klebeband auf dem Boden die Laufwege. Einer, beim kleinen Tanzsaal, ist etwas schmal geraten. "Wer hier nicht entlangpasst, hat zugenommen", ruft Thomas Matzke. 

Aufatmen nach zehn Wochen Schließung

"Die Leute wirken gelöst. Man merkt ein Aufatmen." Vorige Wochen haben die Solo- und Paartanzkurse der Erwachsenen wieder begonnen, diese Woche die Kindertanzkurse, kommende Woche können die Jugendkurse wieder starten. "Es ist aber auch zu spüren, dass die Leute verinnerlicht haben, dass es nicht weitergeht wie vorher." Händeschütteln, Umarmungen, darauf würden die Mitglieder trotz der langen Zeit verzichten. Es sind auch nicht alle in der ersten Woche wieder zum Tanzen gekommen. "Manche haben Bescheid gegeben, dass sie lieber noch ein bisschen warten möchten," vor allem Tänzer, die zu Risikogruppen gehören. 

Auch beim Tanzen gilt: Bitte Abstand halten

Einen Vorteil hat es, dass die Kurse noch nicht vollständig sind: Die Abstandsregeln sind leichter einzuhalten. Im großen Saal stehen jetzt einige Tische weniger. Auf dem Parkett kleben Markierungen: "Bitte Abstand halten". Darüber schwebt buntes Licht -  und das Tanzpaar Stephanie Rohne und Raphael Preißler. Auch für sie war der Discofox der erste Tanz nach langer Zeit. Raphael Preißler kennt die Tanzschule schon aus Schulzeiten - vom Schülerkurs. Später hat er mit seiner Partnerin Stephanie Rohne wieder angefangen. Für sie bedeutet der Tanzclub am Freitag: Freude haben, Freunde sehen. Und auch eine Zeit für sich als Paar, und mal nicht als Eltern. Seit neun Jahren tanzen die beiden nun schon. "Ich bin froh, dass es wieder losgeht, unter annehmbaren Bedingungen", sagt Raphael Preißler. 

Erster Tanz nach zehn Wochen Pause für Raphael Preißler und Stephanie Rohne.
Erster Tanz nach zehn Wochen Pause für Raphael Preißler und Stephanie Rohne. © privat

Eine Bedingung:  Immer anderthalb Meter Platz zwischen allen Paaren auf der Tanzfläche. Im kleinen Saal sind nicht nur Abstandshinweise, sondern Kreuze geklebt zur Orientierung, welches Feld jedes Tanzpaar einnehmen kann. Öfter mal ein Schulterblick, der nicht zum Tanz gehört - ob es passt. Jeder Kurs und Tanzclub ist um eine Viertelstunde gekürzt, damit die Teilnehmer des einen nicht denen des nachfolgenden Kurses begegnen. Nach jedem Kurs werden Tische, Theke, Türklinken und Toilette gereinigt. 

"Wir machen derzeit nur Wiederholungen", erklärt Thomas Matzke. Zum einen, damit  Mitglieder, die noch fehlen, nichts verpassen. "Zum anderen wollen wir soweit wie möglich auf das Vortanzen verzichten." Wird eine neue Figur gelernt, zeigt der Tanzlehrer sie mit einem der Teilnehmer. Ein Kontakt, der möglichst vermieden werden soll. 

5.000 E-Mails von den Mitgliedern

Jeden einzelnen Kurs oder Tanzclub, der wieder beginnt, begrüßt Matzke selbst. Um die Regeln zu erklären. Mit Humor. Es sei absehbar gewesen, dass die Tanzschulen zu den Einrichtungen gehören würden, die mit als letzte wieder öffnen:  "Viele Leute, die eng beieinander viel Spaß haben ..." In den ersten Öffnungsplänen hätten die Tanzschulen  mit den Prostitutionstätten auf einer Lockerungsstufe gestanden, erzählt Matzke mit einem Lachen. "Wir sind sehr froh, dass wir zu den Fitnessstudios rücken durften."  

Dankbar ist er auch für die Reaktionen der Mitglieder. Keine Kündigung sei eingegangen, dafür um die 5.000 E-Mails mit guten Wünschen, Fragen, wann es wieder losgeht, Kommentaren zu den Tanzvideos, die Matzkes und ihre Mitarbeiter gedreht haben. Viele hätten auch die Mitgliedsbeiträge trotz Schließung weiter voll bezahlt. "Das vergessen wir den Leuten nicht."

Wenigstens lief "Let's dance"

Nach 25 Jahren habe man zwar einen gewissen Hintergrund, auch finanziell. "Ein paar Wochen hält man so eine Schließung durch", sagt er. Schlimmer sei die Lage für junge Tanzschulen, die womöglich noch Kredite abzuzahlen haben. "Aber die Frage war auch für uns: Wie lange dauert eine solche Krise. Aber es ist unser Lebenswerk. Dafür gibt man dann auch alles." 

Viele Erinnerungen an die vergangenen 25 Jahre hat die lange Zeit auch bei Heidi Lehmann geweckt. Und sie hat angefangen, sie aufzuschreiben. Ganz aufs Tanzen konnten sie und ihr Mann dennoch nicht verzichten. Solange die Show lief, haben sie an den vergangenen Freitagen "Let's dance" geschaut. Wenn auch auf der heimischen Couch - so doch ein bisschen Tanz. 

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