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Trotz Lockerung keine Evita

Ab 15. Mai dürfen Theater wieder öffnen, wenn sie gute Hygienekonzepte haben. An Sommertheater in Görlitz und Jonsdorf ist dennoch nicht zu denken.

So schön wie in den vergangenen vier Jahren wird es 2020 nicht im Görlitzer Stadthallengarten.
So schön wie in den vergangenen vier Jahren wird es 2020 nicht im Görlitzer Stadthallengarten. © Pawel Sosnowski/Archiv

Als Sachsens Regierung vorige Woche verkündete, dass auch Kultureinrichtungen ab Mitte Mai wieder öffnen dürfen, hatten viele Theaterliebhaber Hoffnung: Würde es diesen Sommer vielleicht doch "Evita" im Görlitzer Stadthallengarten geben? Müsse man doch nicht auf das beliebte Viathea-Picknick im Stadtpark verzichten? Vielleicht könnte man nun doch einen Besuch auf der Waldbühne Jonsdorf in diesem Sommer einplanen.

War die Görlitzer Spielzeitabsage verfrüht?

Warum bleiben die Theater trotz Lockerungen zu?

Dass die Absage der Spielzeit 2019/20 "unumgänglich" sei, hatte Klaus Arauner, Generalintendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters, bereits vor drei Wochen gesagt. Und dabei bleibt er. Diese Entscheidung sei einerseits zum wirksamen Infektionsschutz für Publikum und Mitarbeiter getroffen worden.

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"Andererseits dient sie der dringenden wirtschaftlichen Absicherung der Theatergesellschaft in den kommenden Wochen und Monaten." Durch die Schließung seit Mitte März habe das Theater erhebliche Einnahmeeinbußen hinnehmen müssen, sagt Klaus Arauner. Und auch in naher Zukunft sei nicht mit Einnahmen in der üblichen Höhe zu rechnen. Die Mitarbeiter sind daher alle in Kurzarbeit.

Sprechen hauptsächlich wirtschaftliche Gründe gegen Theaterbetrieb?

Würde das Theater jetzt Vorstellungen anbieten, bei denen die Zuschauer im Abstand von 1,5 Meter voneinander sitzen, stünden die Einnahmen nicht im Verhältnis zu Aufwand und Kosten der Produktionen. Für Lutz Hillmann vom Bautzener Theater war die Absage der Spielzeit letztlich eine wirtschaftliche Entscheidung, sagte er im Interview auf Saechsische.de. Wenn pro Vorstellung nur die Hälfte der Karten verkauft werden könne, wirke sich das stark auf den Haushalt des Theaters aus. Das trifft auf das Theater in Görlitz und Zittau genauso zu: Bei Vorstellungen mit weniger Publikum als üblich wären die Eintrittsgelder geringer, bei gleichem Aufwand.

Sind nicht einmal Freiluftveranstaltungen möglich?

Besonders die Sommertheater-Inszenierungen sind mit hohen Kosten verbunden – etwa für den Aufbau der Zuschauer-Traversen im Stadthallengarten, für die Herrichtung der Waldbühne Jonsdorf, die nur im Sommer bespielt wird. Und auch die Ausstattungen von "Evita" und der Bud Spencer/Terence Hill-Hommage "Die rechte und die linke Hand des Teufels" hatte das Theater aufwändig geplant. Nach wie vor seien beide Gründe der Spielzeitabsage – der Schutz von Publikum und Mitarbeitern sowie die wirtschaftliche Lage des Theaters – untrennbar miteinander verbunden, sagt Arauner. "Sie bilden auch die Grundlage für weitere Planungen."

Was können weitere Gespräche bringen?

Wie genau ein Theaterbetrieb unter Corona-Bedingungen auch in Zukunft stattfinden kann, steht noch nicht fest. Das solle in Gesprächen mit den jeweiligen Kulturbereichen geklärt werden, sagte Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) am 6. Mai in der Pressekonferenz der Staatsregierung zu den Lockerungen.

"Bei diesen Gesprächen vertritt uns der Landesverband des Deutschen Bühnenvereins", sagt Klaus Arauner. Dort würden belastbare und einheitliche Hygiene- und Abstandskonzepte für die verschiedenen Bereiche des Theaterbetriebes erarbeitet. Zu weiteren Gesprächen zähle etwa ein Treffen des Sächsischen Ministerpräsidenten in der kommenden Woche mit Kulturinstitutionen und -akteuren in Görlitz, um über die aktuelle Lage zu beraten. 

Hoffnung auf kleine Formate?

Das Theater in Bautzen prüft gerade Möglichkeiten, den Theatergarten auf der Ortenburg mit kleineren Aufführungen zu bespielen. "Wir hoffen, dass es wenigstens ein kleines Freiluftangebot in diesem Sommer geben kann", sagte Intendant Lutz Hillmann. Solo-Programme, Musik oder Puppenspiel im Juni und Juli könne er sich vorstellen. Klaus Arauner lässt sich für Görlitz und Zittau jedoch nicht hinreißen, verfrüht Hoffnung auf solche Formate zu wecken, sondern wartet die geplanten Gespräche mit Regierung und Kulturakteuren ab. Diese sollen dann für die kommenden Monate wegweisend sein.

Wird auch die nächste Spielzeit eingeschränkt sein?

"Sobald verbindliche Regelungen vorliegen, unter denen ein Theaterbetrieb möglich sein wird, können wir sie konkret auf unsere Häuser übertragen", sagt Arauner. Erst dann könne über mögliche Programme entschieden werden. "Natürlich spielen wir bereits jetzt in allen Sparten verschiedene Spielplan- und Produktionsszenarien durch."

Ein besonderer Theaterbetrieb mit erheblichen Kapazitätseinschränkungen und Mindereinnahmen sowie Mehrkosten durch den Hygieneschutz – all dies sei abzuwägen und in Einklang zu bringen. "Wir tun alles dafür und freuen uns darauf, den Spielbetrieb unter den neuen Bedingungen möglichst schnell wieder aufzunehmen", sagt Arauner. Aber die für den Moment erreichte Stabilität sei fragil. "Wir sind dringend angehalten, mittelfristig absehbare Möglichkeiten nicht durch vorschnelle Aktivität zu gefährden."

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