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Verliert Strehlen seine Bibliothek?

Der Zweigstelle im Dresdner Otto-Dix-Center fehlen die Leser, in Niedersedlitz ist eine Bibliothek gewünscht. Warum die Umzugspläne jedoch umstritten sind.

Noch gibt es eine Bibliothek im Otto-Dix-Center, doch sie soll nach Niedersedlitz umziehen.
Noch gibt es eine Bibliothek im Otto-Dix-Center, doch sie soll nach Niedersedlitz umziehen. © Marion Doering

Dresden. Arend Flemming, Direktor der Städtischen Bibliotheken, kann sich vorstellen, die Bibliothek Strehlen an der Reicker Straße langfristig aufzugeben. Das geht aus dem neuen Entwicklungsplan für die Dresdner Bibliotheken hervor. Demnach sei die Entwicklung des Standortes problematisch: Die Bibliothek befindet sich im Außenbereich des Otto-Dix-Centers, in dem in den vergangenen Jahren immer mehr Geschäfte schlossen, weil die Kundschaft fehlt. Zwar gab es immer wieder Pläne für eine Neuausrichtung des Centers mit Seniorenwohnungen und Fitnessstudio, doch passiert ist bislang nichts. 

Flemming führt als weiteren Grund für eine mögliche Schließung der Bibliothek die Nähe zu den Zweigstellen in Prohlis und Leubnitz-Neuostra an. Beide Bibliotheken haben deutlich mehr Ausleihen zu verzeichnen, Strehlen punktete in den vergangenen Jahren vor allem mit zahlreichen Veranstaltungen. Ein wichtiges Angebot besonders für die Schulen und Kindergärten im Einzugsgebiet, einem Wohnviertel, in dem viele sozial und finanziell benachteiligte Familien leben.

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Würde dieses Bildungsangebot wegfallen, gebe es in dem Gebiet gar keine Kultureinrichtung mehr, kritisieren die Grünen den Vorschlag von Flemming. "Die Leidtragenden dieser Planung sind vorrangig Kinder und Jugendliche bildungsferner Schichten", so Henriette Mehn, die für die Grünen im Stadtbezirksbeirat Prohlis sitzt.  Auch Kinder aus einkommensschwachen Familien hätten ein Recht auf Bildung und Kultur. "Ein Wegfall dieses Standortes würde zu einer weiteren Verschlechterung von Bildungschancen der Kinder in diesem Gebiet beitragen", ergänzt Stadtbezirksbeirätin Julia Günther, die die Schließung als Katastrophe für das angrenzende Wohngebiet bezeichnet. 

Standort könnte sich wieder positiver entwickeln

"Es mag sein, dass die Ausleihquoten in Strehlen vergleichsweise niedrig ausfallen, allerdings übernimmt diese Bibliothek wichtige Aufgaben innerhalb der dortigen sozialen Infrastruktur", so Julia Günther weiter. Mit der geplanten Entwicklung des Wissenschaftsstandortes Dresden-Ost und neuen Wohnungen auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei könne sich auch der Standort am Einkaufszentrum Otto-Dix-Center wieder positiver entwickeln. Stadtteile dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, betont Günther und spielt damit auf eine weitere Ankündigung des Bibliotheken-Chefs an. 

Denn Flemming will stattdessen eine neue Bibliothek an anderer Stelle im Dresdner Südosten eröffnen. Damit reagiert er auf jahrelange Forderungen nach einem Standort in Niedersedlitz oder Leuben. Dort fehle nicht nur solch ein Angebot, sondern auch andere kulturelle und nachbarschaftlich nutzbare öffentliche Orte, heißt es im Bibliotheksentwicklungsplan dazu. 

Für den neuen Standort gibt es auch bereits zwei konkrete Vorschläge: das Umfeld des Bahnhofs Niedersedlitz oder im Bereich der Kreuzung von Bahnhof- und Pirnaer Landstraße, dort wo sich das neue Einkaufszentrum Zschach befindet. Ziel seien Räumlichkeiten zwischen 600 und 800 Quadratmeter. Und die Ausstattung? "Die benötigten Ressourcen können zum Teil aus der derzeitigen Bibliothek Strehlen kommen."

Noch ist das allerdings nicht entschieden. Die Grünen wollen sich gegen diese Pläne wehren und den Standort erhalten. Zuletzt muss der Stadtrat zustimmen.

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