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Roßweins Stadtgründer ein Rothaariger?

An diesem Dienstag ist es acht Jahrhunderte her, dass Roßwein erstmalig als Stadt erwähnt wurde. Das ist eine Notiz wert – finden die Heimatfreunde.

Das Haus Querstraße 44 in Roßwein spiegelt Stadtgeschichte wider: Es war einst Brauhaus. Über dem Eingang fliegt ein Engel, der ein Stück Tuch hält. Er gilt als Schutzengel der Roßweiner Tuchmacherinnung. Das Handwerk dominierte mehr als 600 Jahre d
Das Haus Querstraße 44 in Roßwein spiegelt Stadtgeschichte wider: Es war einst Brauhaus. Über dem Eingang fliegt ein Engel, der ein Stück Tuch hält. Er gilt als Schutzengel der Roßweiner Tuchmacherinnung. Das Handwerk dominierte mehr als 600 Jahre d © Dietmar Thomas

Roßwein. Für eine erste Chronik, die gerade für Roßwein im Entstehen ist, hat sich Historiker Matthias Wolf tief in die Geschichte der Stadt eingelesen. Deshalb weiß kaum einer besser als er, dass es am heutigen Dienstag tatsächlich angebracht wäre, auf die Stadtgründung anzustoßen.

Der eine oder andere vermutet zwar, dass Roßwein durchaus älter als 800 Jahre sein könnte, doch Dokumente, die das belegen, hat bislang noch niemand „ausgegraben“. Stattdessen ist Matthias Wolf zufolge bekannt: Am 25. August des Jahres 1220 ließ der Meißner Markgraf Dietrich eine Urkunde ausstellen. Deren Inhalt hat zwar mit der Stadt an der Freiberger Mulde direkt nichts zu tun. Als Zeugen aufgeführt wurden jedoch ein Bertold, villicus, und ein Arnold aus „Rosewin“. 

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Dieser Bertold tauchte im folgenden Jahr erneut in einem Schriftstück auf, wo er als alter Schösser genannt wurde, was so viel wie der Verwalter eines Herrengutes bedeutet.„Daraus ergibt sich zwingend die Annahme, dass die Siedlung schon einige Jahre zuvor gegründet worden sein muss“, sagt auch Historiker Wolf. „Nur gibt es darüber keine Urkunde, oder sie ging im Laufe der Jahrhunderte verloren.“

Die Siedlung des Roten

Das Stadtwappen zeigt ein Pferd (Ross) und Weinreben. Der Name ist slawischen Ursprungs und beinhaltet die Stammform „rot“: die Siedlung des Roten. Das könnte vielleicht auf die Haarfarbe des Gründers anspielen, vermutet Wolf.

„Russewyn“ unterstand zunächst dem Markgrafen zu Meißen, der es jedoch 1293 dem Kloster Altzella bei Nossen überließ, welches fortan die Steuern in Roßwein einzog und dort Recht sprach.

Die Mönche etablierten wohl auch die Tuchmacherei in der kleinen Stadt, welche über mehrere Jahrhunderte die Wirtschaft Roßweins dominierte, nachdem verschiedene Bergbauversuche im Stadtgebiet mehr oder weniger erfolglos geblieben waren. Das ehemalige Tuchmacherhaus mit dem schönen Renaissanceportal (jetzt Heimatmuseum) erinnert an diese Zeiten.

Auf und Ab in der Stadtgeschichte

„Jahre wirtschaftlicher Blüte wechselten mit Kriegs- und Seuchenzeiten ab“, fasst Matthias Wolf zusammen, was er in den zurückliegenden Monaten über die Stadt recherchiert und an Daten zusammengetragen hat. 

Manche lassen aufhorchen: Mehr als 1.400 Einwohner sollen zum Beispiel in acht Monaten des Jahres 1577 an der Pest verstorben sein, die wohl kaum ein Haus verschont haben dürfte. 

Im Siebenjährigen Krieg kam es 1760 zu Kampfhandlungen um die Muldenbrücke, ebenso am 6. Mai 1945 beim Einmarsch der Sowjetarmee am Ende des Zweiten Weltkrieges.

Schmiedewerk war eine Stadt in der Stadt

Einen grundlegenden Wandel machte Roßwein im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung, nachdem im Jahre 1806 die ganze Innenstadt abgebrannt war, durch. Aus dem Tuchmacher-Handwerk erwuchs die Textilindustrie, aus der Schuhmacherei entstanden mehrere Schuhfabriken; zudem etablierten sich Unternehmen der Metallverarbeitung (Achsen und Federn für die Fahrzeugindustrie sowie Armaturen).

Den älteren Roßweinern ist das „Schmiedewerk Hermann Matern“ noch gegenwärtig, welches in DDR-Zeiten in der Goldbornstraße gewaltig ausgebaut, ja faktisch zu einer Stadt in der Stadt entwickelt wurde und mehr als 1.000 Einwohnern Roßweins und der umliegenden Orte Arbeit gab.

Die Einwohnerzahl stieg von 4.113 im Jahr 1832 auf 9.929 im Jahr 1938. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten zeitweilig sogar mehr als 11.000 Menschen in der Stadt – seitdem ist die Einwohnerzahl trotz Eingemeindungen wie zuletzt von Niederstriegis stetig gesunken.

Zur Nachfeier fertig: Fakten zum Nachlesen

Weit über die engeren Grenzen der Region hinaus bekannt ist das seit fast zwei Jahrhunderten gefeierte Roßweiner Schul- und Heimatfest, welches in diesem Sommer mit dem 800-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung gefeiert werden sollte.

 „Zu dem neuen Termin wird dann auch das Buch über die Geschichte der sächsischen Kleinstadt erscheinen“, verspricht Matthias Wolf. 

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