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Damit es in Dresden niemals dunkel wird

Enso und Drewag bauen gemeinsam eine Hochsicherheits-Leitstelle. Das hat Konsequenzen für Riesa, Meißen und Heidenau.

Buchstaben kleben an einer Schaltwand in der historischen Schaltwarte im Kraftwerk Mitte in Dresden. Ab Oktober 2019 soll das zweitälteste Gebäude des Industriedenkmals aus dem 19. Jahrhundert zu einem Probenraum des Heinrich-Schütz-Konservatorium umgebau
Buchstaben kleben an einer Schaltwand in der historischen Schaltwarte im Kraftwerk Mitte in Dresden. Ab Oktober 2019 soll das zweitälteste Gebäude des Industriedenkmals aus dem 19. Jahrhundert zu einem Probenraum des Heinrich-Schütz-Konservatorium umgebau © dpa-Zentralbild

Wenn im sächsischen Elbland oder in der Oberlausitz jemand einen Stromausfall melden will, wird sein Anruf künftig in einer gemeinsamen Leitstelle von Enso und Drewag in Dresden ankommen. Die 18 Bildschirm-Arbeitsplätze werden gesichert hinter einer Schleuse im zweiten Stock eines Neubaus auf dem Kraftwerksgelände in Dresden-Reick eingerichtet. 

Dort gibt es für den Notfall Speisevorräte, Küche und auch einen Raucherraum für die Elektro-Ingenieure. Dort soll der Strom nie ausfallen und auch kein Computer-Hacker einen Schalter umlegen, sagte am Donnerstag Torsten Schöley, Abteilungsleiter bei Drewag- und Enso-Netz.

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Ohne Strom und Wasser „geht gar nichts in Deutschland“, sagt Frank Brinkmann, der Chef der Dresdner Stadtwerke Drewag und der Enso Energieversorgung Sachsen Ost. 16 Minuten pro Jahr muss der Durchschnittsdeutsche ohne Strom auskommen, etwa wegen Baustellen oder zuletzt nach einem Schneesturm im Münsterland. Dresden soll „nie dunkel werden“, sagt Brinkmann. 

Die neue Leitstelle müsse „blackoutsicher und schwarzstartfähig“ sein. Schwarzstart, das ist ein Neustart nach einem Stromausfall – auch dafür wird erst einmal Strom benötigt, um alle Anlagen wieder in Betrieb zu setzen. Weil das Pumpspeicherkraftwerk Niederwartha nur noch zum Teil genutzt werden kann, soll das Kraftwerk Reick die nötige Anschub-Technik bekommen. Das Kraftwerk Nossener Brücke hat eine Ersatz-Leitstelle, falls in Reick ein Unglück passiert.

Die Energieversorger haben gemeinsam mit dem Landeskriminalamt die Standorte ausgewählt. Nicht infrage gekommen wäre laut Schöley ein Büro am Hauptbahnhof, womöglich mit Demonstrationen vor dem Fenster. In einer kleineren Stadt wollten die Experten ihre Leitstelle aber auch nicht mehr einrichten und sagen, dass sie im Raum Görlitz jüngst nur schwer Bauleiter und Ingenieure für den Breitband-Ausbau fanden.

Die historische Schaltwarte im Dresdner Kraftwerk Mitte, die bis 1994 genutzt wurde.. 
Die historische Schaltwarte im Dresdner Kraftwerk Mitte, die bis 1994 genutzt wurde..  © dpa-Zentralbild
So soll die neue Leitstelle aussehen. Quelle: Mauell
So soll die neue Leitstelle aussehen. Quelle: Mauell © Mauell

Die neue Leitstelle ersetzt ab Februar 2021 die Enso-Leitstelle in Heidenau, die bisher für beinahe den ganzen Bezirk Dresden außer der Landeshauptstadt zuständig war, und fünf Drewag-Leitstellen mit Technik von fünf unterschiedlichen Herstellern. Neun von elf Stadtwerken in Ostsachsen nutzen die Zentrale schon mit, künftig sollen auch Meißen und Riesa an die Leitstelle angeschlossen werden. Bei geplanten Bauarbeiten werden von dort die Strom-Umleitungen freigegeben. Bei größeren Stromausfällen rufen allerdings so viele Menschen an, dass sie mit einer automatischen Ansage vertröstet und auf Informationen im Internet verwiesen werden.

Die Zusammenlegung der Leitstellen soll laut Projektleiter Schöley keine Arbeitsplätze kosten, auch wenn im Schichtdienst dort künftig 40 statt bisher 50 Beschäftigte im Einsatz sind. Doch viele gingen bald in Rente, die anderen würden für neue Aufgaben gebraucht – vor allem wegen der neuen Herausforderungen durch die Energiewende. Immer mehr Strom kommt von dezentralen Erzeugern, etwa Solaranlagen. Eine Woche im Voraus sollen Einspeisung und Verbrauch vorhergesagt werden. Wenn Strom gerade im Überfluss vorhanden ist und Geld mit Stromverbrauch verdient werden kann, will die Drewag zum Beispiel Wasser für Fernwärme mit einer Art Riesentauchsieder erhitzen.

Für Brinkmann ist die Zusammenlegung der Leitstellen der nächste Schritt zur Fusion von Enso und Drewag mit ihren jeweils rund 1 400 Beschäftigten und Lehrlingen. Schon früher gab es Zusammenlegungen, etwa von Enso und Gaso 2006. Löbau und Radebeul beauftragten 1998 Pirna als gemeinsame Leitstelle. Brinkmann will nun erneut Kosten senken, schon sind sieben Bereiche und 24 Abteilungen zusammengelegt und damit Leiter-Stellen gestrichen worden. Die neue Leitstelle kostet allerdings 24 Millionen Euro. Sie soll später auch für die Gas- und Wasserversorgung zuständig werden.

Dresden bekommt unterdessen neues Fördergeld vom Bund für eine sparsamere Wärmeversorgung. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) teilte am Donnerstag mit, das geplante Projekt Cityimpuls Dresden gehöre zu 20 Siegern eines bundesweiten Ideenwettbewerbs. TU Dresden und Drewag können daher laut Drewag nun bis zu 27 Millionen Euro Fördergeld beantragen, um zum Beispiel Abwärme ins Fernwärmenetz zu integrieren, die Hydraulik zu verbessern und einen Wasser-Langzeit-Wärmespeicher zu bauen.

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