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Leben und Stil

Warum es neue Rezepte für Kinderzahnpasta gibt

Zahnärzte haben neue Empfehlungen herausgegeben. Die ersten Hersteller berücksichtigen das bereits, auch in Sachsen.

Rund drei Millionen Tuben „Putzi“ produziert die Dresdner Firma Dental Kosmetik pro Jahr – nun mit höherer Fluoridkonzentration und veränderter Tubenöffnung. Qualitätschef Dr. Konrad Hohlfeld zeigt altes und neues (li.) Modell.
Rund drei Millionen Tuben „Putzi“ produziert die Dresdner Firma Dental Kosmetik pro Jahr – nun mit höherer Fluoridkonzentration und veränderter Tubenöffnung. Qualitätschef Dr. Konrad Hohlfeld zeigt altes und neues (li.) Modell. © Ronald Bonß

Die Regel kennt jeder: Zweimal täglich Zähneputzen, praktischerweise mit Zahnpasta. Denn die enthält in der Regel Fluorid, das die Zähne vor Karies schützt. Doch damit ist es nicht getan, sagen Experten. Sie plädieren dafür, die Fluoridmenge in Kinderzahnpasten zu verdoppeln.

Bisher galt die Empfehlung, dass Kinder zum Zähneputzen eine Zahnpasta mit 500 ppm (parts per million = Anteile pro Million) Fluorid verwenden sollten. Nun soll die Zahnpasta eine Konzentration von 1.000 ppm Fluorid enthalten, wobei die Dosierung an die Altersgruppe angepasst wird. Zum Vergleich: Zahncreme für Erwachsene enthält in der Regel 1.450 ppm Fluorid.

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Und so sieht die neue Empfehlung konkret aus: „Ab Durchbruch des ersten Milchzahns sollten Eltern zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge neuer Kinderzahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 1.000 ppm oder einer erbsengroßen Menge mit 500 ppm putzen“, erklärt Isabel Becker von der Informationsstelle für Kariesprophylaxe. Vom zweiten bis sechsten Geburtstag werde dann eine erbsengroße Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid verwendet – mindestens zweimal täglich.

Neu ist auch die Empfehlung zur Dosierung – mal erbsen-, mal reiskorngroß.
Neu ist auch die Empfehlung zur Dosierung – mal erbsen-, mal reiskorngroß. © Ronald Bonß

Dieser Empfehlung war eine lange Fachdiskussion vorausgegangen. Am Ende einigten sich Vertreter mehrerer Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden auf eine höhere Konzentration. Begründung: Bei Milchzähnen war die Häufigkeit von Karies weniger zurückgegangen als bei bleibenden Zähnen „Außerdem hatten neuere Analysen klinischer Studien gezeigt, dass ein überzeugender Nachweis für die Wirksamkeit von Zahnpasten mit niedriger Fluoridkonzentration fehlt“, sagt Professor Stefan Zimmer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin.

Fluoride sind die Salze der Fluorwasserstoffsäure und werden seit Jahrzehnten zur Vorbeugung von Karies genutzt. Ihre Wirkungsweise ist zwar noch nicht ganz klar, der Nutzen aber unbestritten: „Bei regelmäßiger Anwendung helfen Fluoride, Mineralien in den Zahnschmelz einzubauen“, erklärt Dr. Thomas Breyer, Präsident der Sächsischen Landeszahnärztekammer. Außerdem hemmten sie die Besiedlung von Bakterien auf der Zahnoberfläche.

Das Zusammenspiel von Bakterien, übermäßigem Zuckerkonsum und mangelhafter Zahnhygiene setzt dem Zahnschmelz zu. Minerale werden herausgelöst, mit der Zeit entstehen Löcher. Schmerzen treten meist erst sehr viel später auf. Die Zahnfäule – nichts anderes bedeutet der Begriff Karies – gilt als häufigste Krankheit überhaupt. „Der Großteil der Kinder ist kariesfrei oder hat ein oder zwei kariöse Stellen bzw. Füllungen“, sagt Professor Christian Hannig, Chef der Zahnklinik am Dresdner Uniklinikum. Andererseits sei deutschlandweit eine Polarisation zu beobachten: Insbesondere bei Kindern aus sozial schwachen Familien oder Kindern mit Migrationshintergrund seien häufig sehr viele Zähne von Karies befallen.

Umstrittene Tabletten

Zahnpasta ist nicht die einzige Möglichkeit, Fluorid zur Kariesprophylaxe zu nutzen. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin spricht sich sogar dagegen aus, weil kleine Kinder die Pasta oft verschlucken und die langfristige Verträglichkeit nicht untersucht sei. Stattdessen favorisieren die Kinderärzte bei Babys und Kleinkindern die Gabe von Fluoridtabletten in Kombination mit der Rachitis-Prophylaxe. Zahnärzte wie Professor Hannig lehnen Fluoridtabletten jedoch ab: „Sie sind nur dann wirksam, wenn sie gelutscht und zerkaut werden.“ Die meisten Eltern würden die Tabletten jedoch auflösen – die Wirkung sei damit dahin. 

Fluoridiertes Speisesalz habe eine unterstützende Wirkung: „Nach dem Verzehr von Speisen, die damit gekocht worden sind, ist für etwa 30 Minuten die Fluoridkonzentration im Mund erhöht.“ Bei Kleinkindern ist der Salzkonsum allerdings sehr gering.

Zusätzlich könnten Zahnärzte den Zahnschmelz mit Fluoridlack härten, sagt Zimmer: „Das ist unbedenklich und hochwirksam.“ Deshalb habe der Gemeinsame Bundesausschuss dieses Jahr beschlossen, Fluoridlack bereits für Kinder zwischen dem 6. und 33. Lebensmonat zu erstatten.

© SZ-Grafik

In Sachsen besuchen Zahnärzte regelmäßig Kitas und Schulen und klären über die richtige Zahnpflege auf. „Aus Sicht der Landeszahnärztekammer ist es vor allem wichtig, dass alle Kitas mit den Kindern überhaupt die Zähne putzen und zahngesunde Ernährung berücksichtigen“, betont Breyer. 

Auch Hannig wünscht sich, dass mehr Wert auf ein gründliches Zähneputzen gelegt wird. In den Kitas sollten sich Kinder unter zwei Jahren dem „Putzen als Kulturtechnik“ spielerisch annähern und nur mit Wasser putzen. Danach sei es sinnvoll, wenn das Zähneputzen in den Kitas eigenständig und mit Zahnpasten mit 500 ppm Fluorid erfolge – als Ergänzung zur häuslichen Zahnpflege, um dieses Ritual zu erlernen. Die Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege verteile die Zahncreme in den Einrichtungen.

Befürchtungen einer Überdosierung hält der Uniprofessor für unbegründet, sofern sich alle an die Empfehlungen halten: „Zahncreme gehört nicht in Kinderhände, sondern sollte von den Erwachsenen dosiert werden.“ Unbedingt vermieden werden sollte die parallele Gabe von fluoridierter Zahncreme und Fluoridtabletten.

Zahnpasta verändert

Die Industrie hat bereits auf die neuen Empfehlungen reagiert. Die Dresdner Firma Dental Kosmetik produziert die Kinderzahncreme Putzi seit Frühjahr nur noch mit 1.000 ppm Fluorid. Zur besseren Portionierung wurden die Konsistenz verändert und die Tubenöffnung verkleinert. Auf der Tube findet sich zudem ein Hinweis zur Dosierung – eine Forderung der Zahnärzte. Auch Elmex und die Rossmann-Eigenmarke Prokudent gibt es inzwischen mit der höheren Fluorid-Konzentration.

Wer zu Hause noch Kinderzahncreme mit 500 ppm Fluorid hat, könne sie weiter benutzen, so die Informationsstelle für Kariesprophylaxe – dann mit der doppelten Menge. Eine gute Hilfe bei der Dosierung sind dabei die verschiedenen Borstenfarben, über die viele Zahnbürsten verfügen.

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