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Was Corona für Riesas Sport bedeutet

Zwei Sorten Bälle, viel Chemie und selbst Toilette putzen: Das Training beim SC verlangt jetzt mehr als sonst ab.

Nicht durcheinander bringen: Tischtennisbälle werden nun nach Farben sortiert. Jeder Spieler darf nur einen Ball berühren - wegen Corona. Trainer Tobias Kern vom SC Riesa desinfiziert sie vor dem Training.
Nicht durcheinander bringen: Tischtennisbälle werden nun nach Farben sortiert. Jeder Spieler darf nur einen Ball berühren - wegen Corona. Trainer Tobias Kern vom SC Riesa desinfiziert sie vor dem Training. © Sebastian Schultz

Von Christian Kluge

Riesa. Tobias Kern putzt Tischtennistische. Mit Seifenwasser – zur Desinfektion. Vor dem Training und auch nach dem Training. Weil es mit anderen Mitteln nicht geht, sonst leidet der Belag der rund 1.000 Euro teuren Tische, von denen am vergangenen Mittwoch nur noch vier statt sieben vor dem Training in der Sporthalle der 1. Grundschule stehen. Der 33-Jährige hat einen Doktortitel als Naturwissenschaftler, wohnt und unterrichtet als Lehrer in Dresden – und ist dennoch seit 14 Jahren immer in Riesa, wenn die Nachwuchssportler vom SC ihr Training absolvieren.

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Zuständig ist Kern für die Leistungsgruppe A, in der die größten Talente trainieren. Das sind am Mittwoch nur acht, denn mehr geht nicht nach den Abstands- und Quadratmeter-Regeln zu Corona-Zeiten. Und auch nicht nach der schriftlichen Belehrung des Riesaer Großvereins, in der der Trainingsbetrieb unter Auflagen gestattet wurde. Schon beim Einlass in die Turnhalle wird von den Trainern auf die Einhaltung der Abstandsregeln geachtet. Und auf die Hygiene.

Abstand halten: Nur acht Sportler dürfen beim Training in der Sporthalle der 1. Grundschule Riesa teilnehmen - und schon beim Warten auf die neuen Regeln achten.
Abstand halten: Nur acht Sportler dürfen beim Training in der Sporthalle der 1. Grundschule Riesa teilnehmen - und schon beim Warten auf die neuen Regeln achten. © Sebastian Schultz

Neben Tobias Kern ist am Mittwoch auch SC-Nachwuchscoach André Berencsi dabei, dessen Vater aus Ungarn stammt. Sobald alle acht Sportler da sind, beginnt der 40-Jährige mit der Erwärmung. „Runden laufen können wir derzeit natürlich nicht“, sagt Berencsi.

20 Minuten lang bleiben die Tischtennisschläger auf den Bänken liegen. Stattdessen sind Hampelmänner, Knieheben und Rennen auf der Stelle, Beinkreisen oder Dehnungsübungen zu absolvieren. Dann geht es an die vier Tische. Besonderheit zu Corona-Zeiten: Jeder der zwei Spieler an einem Tisch hat farblich unterschiedliche Bälle. Einer einen Weißen, der andere ist orange. Anfassen durch den Gegner ist aus Gründen des Hygieneschutzes verboten – und das klappt auch. Ideen muss man halt haben.

Separiert: Auch zwischen den Tischtennisplatten ist nun Distanz nötig, mobile Trennwände sorgen dafür.
Separiert: Auch zwischen den Tischtennisplatten ist nun Distanz nötig, mobile Trennwände sorgen dafür. © Sebastian Schultz

Davon zeugt auch der Aufbau der grünen Trennelemente zwischen den vier Tischen, die normalerweise nur bei Wettkämpfen zum Einsatz kommen. Während die acht Nachwuchsasse des SC Riesa beim Training auf Mund- und Nasenschutz verzichten dürfen, ist der für Tobias Kern und André Berencsi in dieser Zeit Pflicht. Und die beiden müssen auch noch andere Erschwernisse auf sich nehmen.

„Wir müssen jetzt rund 45 Minuten vor dem Trainingsbeginn da sein“, erzählt Kern, der zwischen seinem Wohnort Dresden-Strehlen und Riesa pendelt, um den SC-Nachwuchs mit der Handhabung des Tischtennisschlägers voranzubringen. Dann werden die vier verbliebenen Tische in die Halle gerollt, aufgeklappt und desinfiziert. Das dauert seine Zeit, wenn man die Hygieneregeln ordnungsgemäß befolgt. Danach kommen die grünen Trennelemente. Und nach dem Training das Ganze noch einmal in umgekehrter Reihenfolge. Denn stehenbleiben kann in der Turnhalle nichts, weil es auch andere Nutzer als die Tischtennisabteilung gibt.

Annekathrin Aurich, Vereinspräsidentin des SC Riesa, war schon vor der Wiedereröffnung der Trainingsstätte an der 1. Grundschule vom Corona-Konzept dort begeistert. „Bei der Tischtennis-Abteilung geht alles klar. Die warten nur noch auf die Öffnung ihrer Sportstätte“, teilte Aurich schon mit, als der Nachwuchs mit Trainer Tobias Kern noch gegenüber der Sporthalle auf dem kleinen Hartplatz und im Freien in Minigruppen an seiner Fitness und der Koordination feilte.

Die Nachwuchs-Trainer Tobias Kern (l.) und André Berencsi opfern jetzt noch mehr von ihrer Freizeit, um die Riesaer Talente voranzubringen.
Die Nachwuchs-Trainer Tobias Kern (l.) und André Berencsi opfern jetzt noch mehr von ihrer Freizeit, um die Riesaer Talente voranzubringen. © Sebastian Schultz

Und was fand vorher statt, als ab Mitte März nicht mal das ging? „Wir haben erstmal ein Cyber-Training organisiert“, erzählt Tobias Kern. „Das lief über die Webcams am Computer, und wir hatten regelmäßig bis zu sechs Teilnehmer.“ Dabei wurden dem Nachwuchs spezielle Übungen nahegebracht. André Berencsi: „Im Tischtennis braucht man Kraft in den Beinen, Bauch- und Rückenmuskeln. Und natürlich eine Grundlagenstabilität.“ Das konnten die Talente zunächst auch zu Hause üben. Auch über Youtube und WhatsApp lief in diesen Zeiten eine intensive Kommunikation.

Bleibt die Frage, wie die anderen SC-Mitglieder mit den Einschränkungen beim Training klar kommen. Die Duschen in der Turnhalle der 1. Grundschule sind beispielsweise gesperrt, die Umkleiden auch, und eine einzige Toilette geöffnet, „die wir jeden Tag auch selber saubermachen müssen“, wie das Trainerduo Kern/Berencsi anfügt. „Bei unseren rund 20 Erwachsenen ist das Verständnis dafür schon recht unterschiedlich“, sagt Tobias Kern. „Viele sind nicht zufrieden, und neulich waren nur zwei zum Training da.“

Im Gegensatz zu den rund 40 Kindern, die beim SC Riesa in vier verschiedenen Leistungsgruppen Tischtennis spielen. „Die sind alle da“, freut sich Kern. Es muss nur eben alles ein wenig anders organisiert werden. Und stressen müssen sich seine Sportler eigentlich auch nicht, denn in absehbarer Zeit wird es erstmal keine Wettkämpfe mehr geben in Sachsen. Gelegenheit also, sich in aller Ruhe auf die (hoffentlich) kommende Saison ab September vorzubereiten.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

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