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Sachsens Gartenblogger jetzt auf sächsische.de

Tausende lesen Stefan Michalks Gartenblog. Hier schreibt er künftig über alles, was Gärtner in Sachsen wissen sollten. 

Stefan Michalk hat die Faszination des Gärtnerns entdeckt. Rosen gehören für ihn in seiner Parzelle Nummer 94 im Kleingartenverein in Doberschau bei Bautzen zum Muss. Er setzt sich für ökologisches, naturnahes Gärtnern ein – zum Beispiel im Verein zur Erh
Stefan Michalk hat die Faszination des Gärtnerns entdeckt. Rosen gehören für ihn in seiner Parzelle Nummer 94 im Kleingartenverein in Doberschau bei Bautzen zum Muss. Er setzt sich für ökologisches, naturnahes Gärtnern ein – zum Beispiel im Verein zur Erh © Uwe Söder

Etwa 200. 000 Kleingärten gibt es in Sachsen. Einen davon bewirtschaftet Stefan Michalk in Doberschau bei Bautzen. Sein Gartenblog parzelle94 wurde beim [email protected] Blog Award prämiert. Auch im MDR tritt er als Gartenexperte auf. In der neuen Kolumne „Über’n Gartenzaun“ wird er regelmäßig über alles schreiben, was Gärtner in Sachsen bewegt.

Herr Michalk, Sie sind 41 und entsprechen damit so gar nicht dem Bild des gärtnernden Rentners, der frühmorgens auf seine Scholle kommt und dort seinen Tag verbringt. Ein Klischee?

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Definitiv Klischee. In meiner Sparte gärtnern Leute allen Alters. Immer mehr junge Leute, Familien mit Kindern entdecken den Schrebergarten oder das Gärtnern. Erstaunlich viele lassen sich auch von den Mühen und Pflichten eines Gärtners nicht abschrecken und bleiben hoffentlich bis zum Rentenalter in ihrem Garten.

Was sind das für Mühen und Pflichten?

Na ja, dazu gehört es, den Garten zu pflegen, den Rasen zu mähen und das Unkraut etwas in Schach zu halten, egal, ob der Garten naturnah ist oder nicht.

Ist die Pflege eines Gartens für Sie mehr Lust oder Frust?

Es ist mein Lieblingshobby, und ich mache es freiwillig. Im Garten finde ich einen wunderbaren Ausgleich zu meiner Schreibtischarbeit als Grafiker – und ich bekomme noch Gemüse obendrauf. Im Garten kann ich machen, wozu ich Lust habe und anbauen, wonach mir der Sinn steht. Sobald die Hand in der Erde wühlt, fällt der Stress ab. Also mehr Lust als Frust.

Und wann kommt der Frust?

Wenn es wochenlang nicht regnet und alles trocken ist oder wenn es zu viel regnet und die Schnecken das sorgsam gezogene Gemüse abknabbern.

Wie entstand diese Lust aufs Grüne?

Meine Großmutter muss mich als Kind mit dem Gartenvirus infiziert haben. Und da gibt‘s kein Gegenmittel. Schon als Fünfjähriger bekam ich bei ihr ein kleines Beet, wo ich meine ersten Erdbeeren und Mohrrüben gezogen habe. Bis der Virus dann ausgebrochen ist, ich also selbst einen Garten hatte, musste ich aber eine Weile warten.

Wann war das?

Meinen ersten Garten habe ich 2006 mitten im Winter mit einer Freundin gepachtet. Da lag ein Meter Schnee drauf. Seitdem lerne ich ständig dazu und versuche, Jahr für Jahr ein besserer Gärtner zu werden.

Was zeichnet einen guten Gärtner aus?

Er hat die Handgriffe im Kopf, die Woche für Woche zu erledigen sind und bildet sich ständig weiter. Es klappt alles, was man sich vornimmt, sozusagen fast im Schlaf.

Was fasziniert Sie an der Gärtnerei?

Seitdem ich einen Garten habe, befinde ich mich in einem ganz neuen Universum voller spannender Themen. Ich kann Pflanzen anbauen, die nur durch Sonne, Wasser und guten Boden leckere Früchte wachsen lassen. Ich merke, was dabei so alles schief gehen kann. Seitdem habe ich Respekt vor den Leuten, die hauptberuflich Gemüse anbauen. Ich mache mir Gedanken über die Umwelt, denn bei wochenlanger Hitze jeden Tag Wasserkannen zu schleppen oder auf Pflanzenschutzmittel angewiesen zu sein, ist nicht schön. Ich habe Kontakt zu Gleichgesinnten bekommen – Gartennachbarn, -blogger und Mitstreiter aus dem Saatgutverein Lausitz-Ost, in dem ich Mitglied bin und alte Gemüsesorten erhalte.

Was tun Sie konkret für die Umwelt?

Weil zum Beispiel Insekten immer weniger werden, überlege ich, was ich selbst tun kann, um das zu ändern. Ich gärtnere naturnah, insektenfreundlich, vermeide Pflanzenschutzmittel – und nebenbei halte ich einige Völker Honigbienen. Ein kleiner Beitrag, der sicher ausbaufähig ist.

Wo nehmen Sie ihr Fachwissen her?

Ich bin ein Fan von Gartenbüchern. Auch das Internet bietet eine Fülle von Informationen. Auch der Erfahrungsschatz anderer Gärtner ist sehr wertvoll.

Sie gehen inzwischen in Ihrem Gartenblog anderen Tipps. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Eigentlich habe ich den Gartenblog Parzelle94 zunächst für mich als Wissenspeicher angelegt. Dort habe ich chronologisch aufgeschrieben, wie sich mein Garten entwickelt. Nach und nach fanden auch andere meine Beiträge hilfreich. Das hat mich motiviert, zu spezielleren Themen und zu Dingen, die mir Kopfzerbrechen bereitet haben, Beiträge zu verfassen – zu Gemüseanbau, Gewächshaus oder Imkern. Entstanden ist so auch eine Checkliste für Neu-Gartenpächter mit Tipps zum Beispiel zu Wasser- und Abwasseranschluss, Lage des Gartens, Nachbarn, Lichtverhältnissen, Ausstattung und Arbeiten im Kleingarten. Gerade meine persönlichen Erfahrungen als Garten-Anfänger interessieren viele Leser.

Warum der Name Parzelle94?

Das ist meine Gartennummer.

Wie hat sich Ihr Leben als Gartenblogger verändert?

Ich konnte tolle Kontakte knüpfen zu Leuten, die sich viel mit Gärtnern beschäftigen. Ich habe besser Schreiben gelernt, und mir gelingen mittlerweile auch gute Fotos. Mein Leben ist grüner und vielfältiger geworden. In der Garten-Saison besuchen den Blog mehr als 60.000 Leser monatlich. Kommentare erreichen mich hauptsächlich über Facebook oder Instagram, wo ich Fotos hochlade und Tipps gebe.

Kommt denn Rückmeldung von anderen Gärtnern?

Oft. So habe ich schon einigen verzweifelten Gärtnern geholfen, ihr Gewächshaus richtig aufzubauen. Ich stand selbst vor dem Problem, weil die Anleitung so schlecht war. Viele haben sich per Kommentar bei mir bedankt.

Was war der bisher schrägste Kommentar in Ihrem Blog?

Per Facebook erreichte mich die Anfrage einer Dame, ob ich ihr Radieschenpflanzen verkaufen könnte – schon mit Radieschen dran. Sie wollte sie wieder einpflanzen. Mittlerweile bekommt man so etwas tatsächlich in Gartenmärkten zu kaufen. Es scheint eine echte Nachfrage dafür da zu sein. Wahrscheinlich hätte ich damit das Geschäft meines Lebens machen können.

Bekommen Sie auch Anregungen von anderen?

Ja, mich erreichen Tipps und Hinweise, wofür ich dankbar bin. Als Gärtner sauge ich Ratschläge aus allen Kanälen auf. So kam der Tipp, dass man Tomaten mit verdünnter Milch gegen Braunfäule schützen kann, von einem Mit-Gärtner. Auch von Blogs bekomme ich Ideen. Meine Perlschlauchbewässerung ist zum Beispiel so entstanden.

Was verbirgt sich dahinter?

Ein etwa 20 Zentimeter unter der Erde verlegter Schlauch, der porös und somit wasserdurchlässig ist. Die Pflanzen werden von unten an den Wurzeln bewässert. Gespeist wird das System durch mein 1.200 Liter-Wasserfass, das ich in regenarmen Zeiten etwa einmal in der Woche füllen muss.

Was ist Ihr Motto beim Gärtnern?

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Das Gespräch führte Gabriele Fleischer.

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