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Die große Angst vor den Osterferien

Schüler und Eltern zu Hause, die Corona-Beschränkungen bleiben bestehen. Kommt es jetzt zu Problemen?

Auch der Nieskyer Künstler Dirk Hübner alias Kümmel hat sich seine Gedanken zu den bevorstehenden Osterferien gemacht.
Auch der Nieskyer Künstler Dirk Hübner alias Kümmel hat sich seine Gedanken zu den bevorstehenden Osterferien gemacht. © Kümmel

Für manche kam es überraschend. Wer mit dem Auto an den Berzdorfer See fahren wollte, kann sich das ab diesem Gründonnerstag sparen. Die Stadt sperrt alle Autozufahrten zum Berzdorfer See ab. Und begründet diesen Schritt ausdrücklich mit den Erfahrungen des vergangenen Wochenendes, als die vielen Besucher bei bestem Ausflugswetter nicht mehr den Mindestabstand von 1,5 bis zwei Metern einhalten konnten. Jetzt wird das Ordnungsamt auch über Ostern kontrollieren.

So sah es Anfang April 2016 an einem sonnigen Sonntag bei Temperaturen um die 20 Grad an der Blauen Lagune am Berzdorfer See aus. Aufgrund der Corona-Situation sollen sich solche Bilder dieses Jahr über Ostern nicht bieten.
So sah es Anfang April 2016 an einem sonnigen Sonntag bei Temperaturen um die 20 Grad an der Blauen Lagune am Berzdorfer See aus. Aufgrund der Corona-Situation sollen sich solche Bilder dieses Jahr über Ostern nicht bieten. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Dass sich über Ostern und in der anschließenden Ferienwoche viele Menschen nicht an die Regeln halten, ist die eine Angst. Die andere: Dass sich viele Familien auf die Nerven gehen, wenn sie nicht auf die Spielplätze dürfen und keine Hausaufgaben mehr zu erledigen sind. Denn an diesem Donnerstag beginnen die Osterferien. 

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Familienbüro Görlitz/Niesky: Gemeinsam Pläne schmieden

„Die Sorge, dass es wegen der Ausgangsbeschränkungen in Familien zu Problemen kommen kann, haben auch wir in unserem Familienbüro“, schreiben die drei Vorstände des Trägervereins Görlitz für Familie. Sie geben zahlreiche Tipps für die Ferien. „Familien können zusammen spielen, musizieren, kochen und backen, Eier bemalen – auch noch nach Ostern – oder Pläne schmieden für die Zeit nach Corona.“

Eine Radtour ums Karree oder ein Spaziergang im Stadtpark würden auch Spaß machen. Und: „Sportlicher Ehrgeiz kann beim Wettstreiten innerhalb des Haushalts geweckt werden: Wer sortiert am schnellsten das Besteck oder Nudeln nach der Farbe, wer erzählt den lustigsten Witz mit Brausepulver im Mund oder wer bastelt am schnellsten eine Osterdeko.“ Zudem empfiehlt der Verein traditionelle Familien-Beschäftigungen wie Vorlesen und Spiele wie „Name, Stadt, Land, Fluss“ oder „Schiffe versenken“. Ganz wichtig: Wer mal eine Auszeit braucht, sollte das ehrlich aussprechen und die Tür zumachen können.

Landesamt: Kinder sollten sich in der Freizeit viel bewegen

Das Landesamt für Schule und Bildung hat in dieser Woche noch einmal einen Elternbrief verfasst zur Betreuung zu Hause. Darin enthalten sind viele Tipps für die Freizeitgestaltung – und damit die Ferien. Kinder sollten sich viel bewegen und wenn möglich unter Kontrolle an der frischen Luft aufhalten, heißt es darin. Außerdem: „Ermöglichen Sie Ihrem Kind, per Telefon, Internet oder Skype den Kontakt zu Großeltern und Freunden aufrechtzuerhalten.“

Die Bildschirmzeiten sollten aber in Absprache mit den Kindern begrenzt werden. Ebenfalls wichtig: „Planen Sie auch Zeiten, in denen sich jeder in der Familie einmal zurückziehen und für sich sein darf. Das kann helfen, dass alle möglichst ausgeglichen bleiben, und verhindert damit unnötige Konflikte. Signalisieren Sie Ihrer Familie, wenn Ihnen gerade alles zu viel ist.“

Schulen: In den Ferien gibt es keine Hausaufgaben

Die Schulleiter von Grund- und Oberschulen sowie Gymnasien sind sich einig: Hausaufgaben über die Osterferien gibt es nicht. „Davon ausgenommen sind aber individuelle Absprachen, vor allem wegen der Prüfungen für die 12. Klassen“, sagt Frank Gröll vom Augustum-Annen-Gymnasium.

Ebenso sind sich alle einig, dass die Reichweite der Schulen begrenzt ist und die Verantwortung in den Ferien vor allem bei den Eltern liegt. Doch Almut Hentschel von der August-Moritz-Böttcher-Grundschule sieht das entspannt: „Ich glaube, dass die Familien das gut hinbekommen werden.“ An ihrer Schule beispielsweise ist in den Ferien kein einziges Kind zur Betreuung angemeldet. Die Schulleiter sehen in den Ferien eher das Positive.

„Es gibt viele Familien, die froh sind, jetzt mal für eine Woche durchatmen zu können“, sagt Frank Gröll. Ähnlich sieht es Thomas Warkus von der Oberschule Innenstadt: „Die Schüler sollen sich jetzt von der neuen Art des Lernens zu Hause erholen.“ Wie die anderen Schulen auch gibt Warkus regelmäßig über die Schul-Homepage Infos zum aktuellen Sachstand an die Eltern heraus. „Jetzt können wir nur an die Eltern appellieren, auch in den Ferien vernünftig zu sein“, sagt er.

Kreiselternrat: Eltern gehen mit Augenmaß heran

Der Kreiselternrat hat bisher keinerlei Anfragen zur Ferienzeit erhalten. „Ich denke, die Eltern gehen mit einem gesunden Augenmaß heran“, sagt Vorsitzender Ronald Lindecke. Er könne da auch keine Empfehlungen geben: „Wir sind alle denkende Menschen. Ich glaube, es wird vonseiten der Eltern und auch vonseiten der Kinder genug Ideen geben, was man in den Ferien machen kann“, so Lindecke.

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Jeder habe sicher seine persönliche Meinung zu dem, was gerade stattfindet. „Wir selbst werden sicher viel Zeit in Familie an der frischen Luft verbringen“, sagt der Vorsitzende. Gerade im ländlichen Raum sei vieles nicht so schlimm wie in der Großstadt. Die Feriengestaltung sieht er entspannt, zwei andere Dinge seien schlimmer, sagt Lindecke: „Größere Probleme haben die Eltern, wenn sie Angst um ihre Jobs haben müssen sowie die Schüler, die kurz vor dem Abschluss stehen und denen jetzt ein Monat Prüfungsvorbereitungszeit fehlt.“

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