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Radeberg

Dieser Ottendorfer Bäcker meistert das Bon-Chaos

Marlon Gnauck aus Ottendorf-Okrilla hält sich an die Bonpflicht. Dennoch gibt es keine endlosen Zettel-Schlangen.

Pixel-Quadrat statt Zettel-Chaos: Bei Bäckermeister Marlon Gnauck in Ottendorf wird bei jedem Kauf ein QR-Code angezeigt. Den können die Kunden dann mit dem Handy scannen. Der Handwerksmeister vermeidet so kiloweise Abfall.
Pixel-Quadrat statt Zettel-Chaos: Bei Bäckermeister Marlon Gnauck in Ottendorf wird bei jedem Kauf ein QR-Code angezeigt. Den können die Kunden dann mit dem Handy scannen. Der Handwerksmeister vermeidet so kiloweise Abfall. © René Meinig

Bonpflicht. War da was? Bei Bäcker Marlon Gnauck in Ottendorf-Okrilla stehen keine überquellenden Papierkörbe im Geschäft. Nicht eine Papierschlange windet sich über den Ladentisch. „Ich bin gegen die Umweltverschmutzung durch die Bons“, sagt der junge Handwerksmeister. 

Doch wie schafft er das, wo doch Bäckermeister im ganzen Land schimpfen und täglich Säcke voller Kassenzettel in den Müll werfen? Bekanntlich gibt es seit Beginn des Jahres die Vorschrift, dass jedem Kunden beim Bäcker, Fleischer oder in Restaurants ein Bon angeboten werden muss.

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Drückt sich der Ottendorfer um diese Regelung? „Nein, natürlich nicht. Ich bin dafür, dass die Bonpflicht eingeführt wurde. Ich biete ja meinen Kunden ebenfalls quasi zu jedem Brötchen einen Bon an. Nur mache ich das auf anderem Wege als die meisten meiner Kollegen.“ 

In der Bäckerei Gnauck wird der Kassenzettel auf elektronische Art angeboten. Auf einem großen Display direkt vor den Augen der Kunden leuchtet ein sogenannter QR-Code auf, ein Pixel-Quadrat. „Wer den Bon möchte, braucht nur sein Handy davorzuhalten, dann gibt er seine E-Mail-Adresse ein und der Bon wird ihm zugeschickt“, sagt Marlon Gnauck.

Handy rausholen, scannen, eintippen: Das klingt kompliziert. Wird die Schlange der Brötchenholer nicht immer länger, weil einer mit der Technik nicht klarkommt? „Nein das ist unkomplizierter, als es sich anhört. Die meisten Mobiltelefone müssen wirklich nur davorgehalten werden, ohne dass erst eine spezielle App aufgerufen werden muss. Die Mail-Adresse muss auch nur beim ersten Mal eingegeben werden, beim wiederholten Mal ist sie meist schon hinterlegt. Also das geht alles sehr schnell.“ 

Außerdem: Laut Marlon Gnauck ist es möglich, die Mail-Adresse bis zu einer Stunde nach dem Scannen einzugeben: „Falls das jemandem im Geschäft zu aufwendig ist, kann er das zu Hause am Frühstückstisch tun. Vielleicht hilft dann auch der Enkel dabei.“ Wer übrigens will, dass sein Kassenbon ausgedruckt wird, braucht das nur zu sagen. Ein Tastendruck genügt und schon kommt er aus der Kasse. Nach seiner bisherigen Erfahrung ist die Anzahl der Kunden, die scannen, etwa so groß wie die, die sich den Bon ausdrucken lassen wollen.

Behörden prüfen noch

Ein Pixel-Code auf dem Bildschirm, ist das das Gleiche, wie dem Kunden den Bon auf den Ladentisch legen? „Ja, wichtig ist es, dem Kunden den Bon unaufgefordert anzubieten. Das mache ich. Das Unternehmen, von dem ich die Kasse habe, sagt, diese Art sei rechtssicher. Um ganz sicherzugehen, habe ich jetzt noch einmal bei Behörden angefragt. Diese Antwort steht noch aus.“

Das Bundesfinanzministerium teilte inzwischen mit, dass in der gesetzlichen Vorschrift zu elektronischen Kassen ausdrücklich vorgesehen ist, dass anstelle eines Papierbelegs ein elektronischer Beleg erstellt werden kann, wenn der Kunde zustimmt. Hunderte Bäcker in ganz Deutschland schimpfen. Weshalb machen sie es nicht genauso wie der Ottendorfer? „Ein großes Display hat fast jede Kasse. Also müsste es funktionieren. Ich bin bei meiner Kasse selber drauf gestoßen, dass es diese Funktion mit dem QR-Code gibt. An der entsprechenden Stelle habe ich das Häkchen gesetzt und schon klappte das. Zusätzliche Kosten sind für mich dadurch nicht entstanden.“

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Der Ottendorfer hofft, dass sich der QR-Code auch bei anderen Bäckern oder Fleischern durchsetzt. „Dadurch lässt sich Abfall vermeiden, und gleichzeitig wird für mehr Steuergerechtigkeit gesorgt.“ Beides ist ihm wichtig. Seiner Ansicht nach war es bisher leichter möglich, mal eine Ware oder Dienstleistung zu verkaufen, ohne dass sie gebucht wurde und ohne dafür dann auch beispielsweise die Umsatzsteuer zu bezahlen. Grundlage für den Bon-Zwang ist das sogenannte Kassengesetz. Das hat das Ziel, Kassen in Läden und Restaurants durch eine Sicherungstechnik fälschungssicher zu machen. Der Staat verliert alljährlich hohe Summen, weil Unternehmen ihre Umsätze nicht oder falsch erfassen. Durch das neue Kassensystem soll gegen den Steuerbetrug vorgegangen werden.


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