merken
PLUS

Görlitz

Wie Corona die Sicherheitsdienste fordert

Vor Supermärkten sind derzeit starke Männer gefragt. Doch aggressive Menschen machen ihnen dort das Leben schwer.

Andreas Otte von der Firma GRS Sicherheit
steht am Netto-Markt an der Biesnitzer Straße in Görlitz. Über zu wenig Arbeit kann er sich momentan nicht beschweren.
Andreas Otte von der Firma GRS Sicherheit steht am Netto-Markt an der Biesnitzer Straße in Görlitz. Über zu wenig Arbeit kann er sich momentan nicht beschweren. © Nikolai Schmidt

Eigentlich hätte Andreas Otte Grund zum Klagen: Sämtliche Aufträge in Diskotheken und bei anderen Veranstaltungen sind der Görlitzer Firma GRS Sicherheit wegen der Corona-Krise kurzfristig weggebrochen. „Es finden ja keine Veranstaltungen mehr statt“, sagt der GRS-Geschäftsführer, der bisher mit seinen Leuten unter anderem im Nostromo, im First Club und in einigen auswärtigen Discos tätig war.

Doch im Moment haben seine 32 Festangestellten und die geringfügig Beschäftigten trotzdem alle Hände voll zu tun – und das auch wegen Corona. Bis zum Wochenende waren Baumärkte zu bewachen, nun die Supermärkte. Zudem sind die Brandwachen bei Firmen verlängert worden, weil deren Mitarbeiter jetzt in Schichten arbeiten, um sich nicht mehr zu begegnen. „Da, wo Mitarbeiter länger arbeiten, sind auch wir länger im Einsatz“, sagt Otte.

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Leute diskutieren, weil sie es nicht einsehen

Doch am Markantesten sind tatsächlich die Supermärkte, wo es vor allem darum geht, dass nicht zu viele Leute gleichzeitig hineingehen und dass Mindestabstände gewahrt bleiben. Was Otte dort zum Teil erlebt, ärgert ihn gewaltig: „Die Leute husten uns an, fahren uns mit dem Einkaufswagen in die Hacke und beleidigen uns, wie doof wir doch alle seien.“

Am Sonnabend an den Baumärkten sei es am Schlimmsten gewesen. Es war der letzte Tag, an dem diese Geschäfte noch öffnen durften, jeder wollte noch einmal rein. Was Otte aufgefallen ist: „Am Aggressivsten waren manche Rentner.“ Die jungen Leute dagegen hätten die Situation verstanden, wenn es ihnen erklärt wurde. Inzwischen werde es ruhiger: „Aber es gibt immer noch Leute, die rumdiskutieren, weil sie es nicht einsehen.“

Rewe-Markt in Rauschwalde erfährt Lob

Auch viele SZ-Leser bewegt die Sicherheit in den Märkten. Und viele Leser stehen offenbar hinter den Sicherheitsfirmen. Der Rewe-Markt in Rauschwalde erfährt Lob. „Dort werden Abstandsregeln eingehalten, die Einkaufswagen stehen drinnen, man bekommt einen desinfizierten Wagen, der Abgegebene wird sofort desinfiziert“, berichtet ein Leser.

Ein anderer war bei Marktkauf weniger zufrieden: „Dort werden die Hygienevorschriften sehr schlecht eingehalten, die Mitarbeiter an den Kassen und an der Fleischtheke tragen keinen Mundschutz und es gibt auch keine Zwischenwände an den Kassen“, berichtet er.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 5. April

Immer mehr Infizierte, abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Einrichtungen und Grenzen: Neue Entwicklungen im Ticker.

Andreas Otte hat derweil so viel zu tun, dass er sogar noch Leute einstellen könnte. Das macht er aber trotzdem nicht: „Wer weiß, vielleicht sieht es in ein paar Wochen schon wieder ganz anders aus, dann müsste ich die Leute wieder entlassen.“

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.