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Wiedersehen mit Freunden

Niklas Hauptmann ist im Sommer von Dynamo zum 1. FC Köln gewechselt. Dort kämpft er noch um seinen Platz.

© Sport Moments/Paschertz

Von Sven Geisler

Es wird seine erste Begegnung mit dem Ex-Verein und den ehemaligen Mitspielern. Allerdings weiß Niklas Hauptmann nicht, wo sie stattfindet. Am liebsten auf dem Rasen klar, aber es ist fraglich, ob ihn der Trainer aufstellt. Erst zweimal stand der Mittelfeldspieler in der Startelf des 1. FC Köln: am zweiten Spieltag gegen Union Berlin und am zehnten in Kiel. Für ein Fazit, selbst ein erstes, sei es zu früh, meint Hauptmann. „Ich bin keine drei Jahre hier, sondern erst ein paar Monate, es braucht etwas Zeit, sich einzugewöhnen.“

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Im Sommer ist er von Dresden nach Köln gezogen, sein Wechsel hat Dynamo rund drei Millionen Euro eingebracht, eine stolze Summe für ein Talent. Sein Vater Ralf hatte 1993 nur knapp eine Million Mark gekostet. Er spielte acht Jahre beim Klub mit dem Geißbock als Markenzeichen. „So lange ist kein anderer Spieler geblieben, obwohl viele mit großen Namen und guten Referenzen gekommen waren“, sagte Hauptmann senior rückblickend. Wenn er heute darüber spricht, gerät der 50-Jährige ins Schwärmen über den Klub und vor allem die offenen, freundlichen Leute in der Domstadt.

Diese Erfahrung macht nun auch sein Sohn Niklas, wobei er selbst Kölner ist. Schließlich wurde er 1996 hier geboren und ist im Vorort Frechen aufgewachsen. Dort hat er bei DJK Viktoria auf dem Hartplatz zum ersten Mal gegen den Ball getreten. „Es war nie ein Zwang, mein Papa hat mich nie auf den Platz gescheucht. Irgendwann merkt man: Okay, es ist mehr, als zweimal die Woche zum Training zu fahren“, erzählt er im Gespräch mit der SZ über seinen Karrierestart.

Schwächephase als eine Chance

Nach der Rückkehr der Familie nach Dresden begann Niklas Hauptmann zunächst beim Stadtnachbarn Borea, ehe er 2008 zu Dynamo kam. Nach 54 Einsätzen in der zweiten Liga war der vielzitierte nächste Schritt fällig, auch wenn es erst einmal kein Aufstieg ist, weil Köln abgestiegen ist. Trotzdem ist der FC eine Nummer größer, auf jeden Fall ambitionierter. Zum Kader gehört mit Jonas Hector ein deutscher Nationalspieler, Timo Horn war Torwart der Olympiaauswahl, die 2016 in Rio de Janeiro die Silbermedaille gewonnen hat. Die Vertragsverlängerung mit den beiden Identifikationsfiguren galt als Signal für den sofortigen Wiederaufstieg.

Doch die Konkurrenz erstarrt nicht vor Ehrfurcht, sondern macht dem Favoriten gerade ziemlich zu schaffen. Vier Ligaspiele ohne Sieg, dazu das unglückliche Pokal-Aus gegen Schalke im Elfmeterschießen – es wäre überzogen, von einer Krise zu sprechen, eine Schwächephase ist es allemal. Für Hauptmann junior könnte es eine Chance sein, gegen Dynamo ran zu dürfen. „Bisher hat jedes Spiel wehgetan in meiner Karriere, in dem ich zuschauen musste“, wiegelt er ab und räumt doch ein: „Wir brauchen aber nicht drumherum zu reden, dass ein Spiel gegen Dynamo für mich etwas Besonderes wäre.“ Vater Ralf und Mutter Cordula werden am Sonnabend im Stadion sein, Bruder Marius muss dagegen wohl in Dresden bleiben. Der 19-Jährige gehört zwar seit dieser Saison zum Profi-Kader der SGD, aber bisher noch nicht zum Spieltagsaufgebot. Das ging Niklas in seinem ersten Jahr ähnlich, und auch daran erinnert er sich jetzt. Erst zum Ende der Aufstiegssaison 2015/16 hatte er seine ersten zwei Kurzeinsätze für die Schwarz-Gelben in der 3. Liga.

Dann startete er durch, Kapitän Marco Hartmann verpasste ihm wegen seiner Dribbelkunst den Spitznamen „Schlange“. Seine technischen Fähigkeiten sind erstklassig, aber Niklas Hauptmann kennt auch seine Defizite. „Dass ich noch Luft nach oben habe, weiß ich selbst“, sagt er. „Ich muss torgefährlicher werden, öfter den Laufweg in die Tiefe suchen.“ Das fordert nicht nur Chefcoach Markus Anfang, sondern er von sich selbst.

Inzwischen kann er sich voll und ganz darauf konzentrieren, hat sich eingelebt in der neuen, alten Heimat. „Ich habe noch Freunde aus dem Kindergarten in Frechen, mit denen ich etwas unternehme und die mir viel gezeigt haben.“ Ungewohnt war es dagegen, plötzlich in manchen Alltagsfragen auf sich gestellt zu sein. „Bei der Suche nach der neuen Wohnung war nicht der Papa da, der alles überblickt. Mietvertrag und so weiter – da musste ich mich selber drauf stürzen.“ Gemeinsam mit seiner Freundin hat er das gemeistert, schon im August konnten sie einziehen.

Vater Ralf ein wichtiger Ratgeber

Vater Ralf ist nach wie vor ein wichtiger Ansprechpartner, jetzt erst recht. „Seine Meinung war schon immer wichtig für mich“, meint Niklas. „Es tut gut, einen Ratgeber zu haben, der das selbst alles erlebt hat und weiß, wie ich mich in der einen oder anderen Situation fühle.“ Sie waren sich des Risikos bewusst. Nichts ist schädlicher für einen jungen Spieler, als monatelang auf der Bank oder gar der Tribüne hocken zu müssen. Soweit weg ist Hauptmann junior jedoch nicht. „Ich wusste, dass ich sportlich ein sehr ambitioniertes Ziel anpeile, aber ich hatte ein paar Einsätze, weiß also, dass ich die Möglichkeit habe, meine Spielzeit zu bekommen.“

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Eine Voraussetzung ist, hart dafür zu arbeiten. „Wer sich bei der Qualität unserer Mannschaft hängen lässt, hat sowieso keine Chance.“ Eine weitere, gesund zu bleiben. Was die Trainingsbedingungen betrifft, hat er sich allemal verbessert. „Ich habe mich bisher noch nicht verletzt, was in Dresden ab und zu der Fall war“, sagt Hauptmann. Das trübt seinen Blick zurück nicht. „Ich habe in Dresden meine Jugend verbracht, die Stadt und der Verein werden immer einen Platz in meinem Herzen haben.“ Es wird also sicher ein freudiges Wiedersehen; am besten auf dem Spielfeld.