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Der Wirt vom Großen Winterberg gibt auf

Eines der exponiertesten Häuser in der Sächsischen Schweiz schließt. Der Wirt ist insolvent. Warum musste es soweit kommen?

Die traditionsreiche Bergwirtschaft mit Herberge auf dem Großen Winterberg ist dauerhaft geschlossen. Wie es weitergeht, ist unklarer denn je.
Die traditionsreiche Bergwirtschaft mit Herberge auf dem Großen Winterberg ist dauerhaft geschlossen. Wie es weitergeht, ist unklarer denn je. © Dirk Zschiedrich

Diesen emotionalen Ballast abzuwerfen, das hat sich Marc Henkenjohann just an seinem Geburtstag gegönnt. Beim Amtsgericht hat der Betreiber der Bergwirtschaft mit Herberge auf dem Großen Winterberg vor wenigen Tagen Insolvenz angemeldet. Damit zieht er einen Schlussstrich unter 25 Jahren seines Engagements in der Sächsischen Schweiz. „Es tut mir sehr weh, den Betrieb aufzugeben. Aber unter diesen Rahmenbedingungen kann das niemand leisten, was sich regionale Verantwortliche hier vorstellen“, sagt Henkenjohann auf SZ-Nachfrage.

Weil er die Auflage, eine neue Kläranlage zu bauen, nicht erfüllte, war Ende 2016 die Betriebserlaubnis für das Berghotel erloschen. Für den Gaststättenbetrieb gab es 2017 noch eine Sondergenehmigung. Als auch die auslief, öffnete Henkenjohann in diesem Jahr nur noch einen Imbiss auf dem Berggipfel. Doch auch das ist mit dem Insolvenzantrag Geschichte.

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Seit Jahren wird über die Entwicklung auf dem Großen Winterberg debattiert. Für Marc Henkenjohann war das aber nur eine Baustelle. Auch für das Gasthaus am Zeughaus hat er einen Pachtvertrag mit dem Freistaat. Darin hatte er sich auch verpflichtet, das alte Stasi-Heim auf dem Gelände abzureißen. Heute bezeichnet er den Vertrag als „sittenwidrig“. Was er dort investiert habe, übersteige den eigentlichen Wert der Immobilie um das Vierfache. Warum dieser Einsatz nicht anerkannt werde und er nicht die nötige Unterstützung bekomme, wo er sie brauche, ärgere ihn maßlos.

Irgendwo Geld für Investitionen aufzutreiben, sei aus seiner Sicht noch nicht mal das größte Problem. Das ließe sich in Erbbaurecht-Objekten aber nicht ansatzweise werthaltig investieren und sichern. Deshalb wollte er die Immobilie kaufen. Doch da führte kein Weg rein. „So würde ich niemandem empfehlen, das Haus zu übernehmen.“

Ein letztes klärendes Gespräch gab es Ende September dieses Jahres auf Initiative des Chefs des Tourismusverbands Sächsische Schweiz, Klaus Brähmig. Da waren Vertreter des Wirtschaftsministeriums, von Nationalpark, Landkreis und der Stadt Bad Schandau dabei. Dort habe er erneut seine Vision von einem kleinen naturnahen und geschmackvoll ausgestatteten Hotel vorgebracht, „in dem sich ein gehobeneres Gästeklientel wohlfühlt, damit eine fast unterjährige Auslastung möglich ist“. Vier Millionen Euro würde der Ausbau kosten. Bis auf An- und Abreise sollten Gäste nur zu Fuß unterwegs sein. „Das Ganze sollte gepaart sein mit einer ganzjährig geöffneten Bergwirtschaft im Berglerheim mit einer rustikalen Kaminstube für die kalte Jahreszeit“, erklärt Henkenjohann. Man sehe an vielen Beispielen in Österreich, dass so etwas sehr gut funktioniere.

Ihm wurde jedoch angetragen, kleinere Brötchen zu backen und die Immobilie als „Berghütte“ zu betreiben, dann könne er auch Unterstützung erhalten und würde Wirtschaftlichkeit erzielen. „Das hat mich den Glauben an die fachliche Kompetenz einiger Anwesender verwirken lassen“, sagt Henkenjohann.

Statt Unterstützung für seine Idee zu bekommen, sei ihm nach 25 Jahren unternehmerischer Tätigkeit in der Region vorgeworfen worden, er würde konzeptionslos arbeiten. „Das halte ich für sehr harten Tobak, zeigt mir aber erneut, wie gering die Wertschätzung ist“, erklärt er. Das habe dann den letzten Ausschlag dazu gegeben, „die Reißleine zu ziehen“, wie Marc Henkenjohann sagt. Derzeit ist davon auszugehen, dass die Immobilie mit Abschluss des Insolvenzverfahrens an den Freistaat zurückfällt.

Dass die Bergwirtschaft mit Herberge geschlossen ist, wurmt auch den Chef des Tourismusverbands Sächsische Schweiz, Klaus Brähmig. Er glaube daran, dass die Bergwirtschaft funktionieren kann. Dass es derzeit anders ist, führt er auf unglückliche unternehmerische Entscheidungen zurück.

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Marc Henkenjohann will eher heute als morgen mit dem Thema abschließen. Als Unternehmer ist er inzwischen für ein globales Jobportal im Internet aktiv, was ihm sehr viel Spaß mache und ausfülle. „Hier arbeiten wir mit Partnern auf Augenhöhe zusammen“, erklärt er. Das sei ganz anders als in Sachen Großer Winterberg. In einem Schreiben an den Tourismusverband schrieb er frustriert, „dass mit der Krautwickel-Politik dem Ansehen der Region sehr geschadet wurde und sich niemand über braune Soße wundern muss, wenn man Weltoffenheit und Zeitgeist so vehement verhindert“.