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So viele Briefwähler wie noch nie in Sachsen

Sachsen ist nicht das traditionelle Land der Briefwähler. Trotzdem dürfte auch hier die Anzahl der Briefwähler bei der kommenden Bundestagswahl den Rekord brechen.

Auch in Sachsen steigt der Anteil der Briefwähler kontinuierlich. Viele Städte verzeichnen 2021 einen deutlichen Sprung nach oben.
Auch in Sachsen steigt der Anteil der Briefwähler kontinuierlich. Viele Städte verzeichnen 2021 einen deutlichen Sprung nach oben. © dpa

Dresden. Bei der anstehenden Bundestagswahl am kommenden Sonntag werden voraussichtlich so viele Wähler wie noch nie ihren Wahlzettel bereits per Brief abgegeben haben. Zahlen aus den zuständigen Gemeinden weisen darauf hin. So waren bis Montag bei der Stadt Dresden 157.000 Briefwahlunterlagen beantragt worden, das entspricht 37 Prozent der Wahlberechtigten, bei der letzten Bundestagswahl 2017 waren es nur 24 Prozent.

In Leipzig haben bislang 29 Prozent der Wahlberechtigten Briefwahl beantragt, in Freiberg 26 Prozent, in Plauen 25 Prozent, in Görlitz 24 Prozent, in Bautzen 22 Prozent und in Chemnitz* 20 Prozent. In vielen Städten wurden eine Woche vor der Wahl bereits mehr Briefwahlunterlagen ausgestellt als bei der Bundestagswahl 2017 insgesamt. In Bautzen kämen die meisten Briefwähler aus Wahlbezirken innerhalb der Stadt, teilt die Stadt mit, in ländlichen Gebieten sei der Anteil dagegen geringer.

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Ebenso wie die vor Ort abgegebenen Stimmen werden auch die Briefwahlstimmen erst nach Schließen der Wahllokale am kommenden Sonntag ausgezählt.

Anteil der Briefwähler nimmt stetig zu

Der Anteil der Briefwähler bei den Bundestagswahlen hat in Sachsen seit 1998 stetig zugenommen. Bei der vergangenen Bundestagswahl 2017 setzten bereits 21,1 Prozent der sächsischen Wähler ihre Kreuze vor dem eigentlichen Wahltag. Im Vergleich zum bundesweiten Schnitt von 28,6 Prozent sind das jedoch verhältnismäßig wenige. Noch weniger Briefwähler gab es in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Briefwahl habe sich in Ostdeutschland noch nicht so etabliert wie im Westen, meint der Politikwissenschafts-Professor Hans Vorländer an der TU Dresden. In Sachsen werde im sprichwörtlichen Gang zur Wahl häufig noch ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung gesehen.

Bei der Wahl zum sächsischen Landtag 2019 wurde dennoch ein Höchststand an Briefwählern erreicht: Mehr als jeder Vierte gab seine Stimme per Brief ab.

Die Möglichkeit der Briefwahl steht bei der Bundestagswahl erst seit 2008 für jeden offen. Vorher war die Beantragung nur unter Angabe von Gründen möglich, die Briefwahl sollte die Ausnahme bleiben. Durch die Corona-Pandemie wurde in diesem Jahr jedoch mit einem besonders hohen Anteil von Briefwählern gerechnet. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Mitte März hatte der Anteil deutlich über 50 Prozent gelegen, bei der Landtagswahl Sachsen-Anhalts im Juni bei 29 Prozent. Viele Gemeinden haben deswegen das Personal und die logistischen Kapazitäten aufgestockt.

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Briefwahlunterlagen können noch bis Freitag 18 Uhr bei der jeweiligen Gemeinde beantragt werden, die Unterlagen müssen dann aber vor Ort abgeholt werden. Wird der Brief per Post an die Gemeinde zurückgeschickt, muss er bis zum Schließen der Wahllokale am Sonntag um 18 Uhr der Gemeinde vorliegen.

*in Chemnitz liegen uns nur die Zahlen der bereits zurückgesendeten Wahlbriefe vor. Der (vorläufige) Anteil derer, die eine Briefwahl beantragt haben, könnte dementsprechend höher sein.

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