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Annalena Baerbock und der Osten

Zwischen Ostsee und Erzgebirge ticken die Grünen anders als im Westen. Für die Kanzlerkandidatin kann das eine Chance sein. Ein Kommentar.

Von Thilo Alexe
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Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock wird die Grünen in die Bundestagswahl führen.
Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock wird die Grünen in die Bundestagswahl führen. © dpa

Dass ostdeutsche Grüne begeistert sind von der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, liegt auf der Hand. Hat doch die Hannoveranerin ihre politische Karriere in Brandenburg mit begründet. Für den Wahlerfolg der Partei ist zwar das Abschneiden in den bevölkerungsreichen, westdeutschen Flächenländern wichtiger. Doch das Ergebnis im Osten kann ein Zünglein an der Waage sein, nach oben wie nach unten.

Geeint sind die Grünen in West und Ost durch das mobilisierende Klimathema. Anders ticken die Verbände dennoch. Im Westen rückten sie nach und nach in die gesellschaftliche Mitte. Im Osten kamen sie aus der DDR-Opposition in die Rolle der Bürgerrechtspartei, die wie in Sachsen bei der CDU zunächst wenig geachtet war.

Etikett der "Verbotspartei"

Außerparlamentarisch oft elitär unterwegs, gelang Mitte der 2000er-Jahre die Rückkehr ins Parlament. Mittlerweile regieren die Grünen in Mitteldeutschland in Koalitionen, die um die AfD herum konstruiert wurden.

Der Pragmatismus, der zu solchen Dreierbündnissen gehört, kann den Grünen in West wie Ost nützlich sein. Vor allem wenn es darum geht, moralisch nicht überheblich daherzukommen. Gegner heften ihnen gern das Etikett der Verbotspartei an, was besonders im Osten schlecht ankommt.

Baerbock kennt die Transformation der hiesigen Verbände von der machtfernen Kleinpartei hin zu einer Kraft, die etwa in Dresdens Stadtrat die stärkste ist. Innerparteilich nützt ihr das. Kann sie daraus eine überzeugende Ansprache entwickeln, sind mehr drin als die 4,6 Prozent, die die Partei 2017 bei der Bundestagswahl in Sachsen holte.​