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Wie geht es Alleinerziehenden in Sachsen?

Der Landtag befasst sich mit der Situation von über 100.000 Sachsen, die allein Kinder großziehen. Corona hat auch hier Auswirkungen.

Von Thilo Alexe
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Alleinerziehende haben ein höheres Armutsrisiko.
Alleinerziehende haben ein höheres Armutsrisiko. © dpa/Marcel Kusch (Symbolfoto)

Mehr als 100.000 Alleinerziehende leben in Sachsen. Ihre Situation hat am Dienstag der Landtag in den Blick genommen. Fünf Expertinnen waren sich in der Anhörung des Arbeitsausschusses auf Initiative der Linken einig: Alleinerziehende, der Großteil sind Frauen, haben ein höheres Armutsrisiko. Davon betroffen sind auch deren Kinder. Die Gründe dafür entpuppen sich als vielschichtig.

Je nach Erhebung leben zwischen rund 136.000 und 145.000 Alleinerziehenden-Familien in Sachsen, Tendenz steigend. Das entspricht etwa 24 Prozent aller Familien im Freistaat, wie Beate Baldow von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit sagte. Im Bundesschnitt ist dieser Anteil geringer. Baldow betonte, dass es Frauen generell oft schwerer auf dem Arbeitsmarkt als Männer hätten. Zur Begründung werde meist auf die Kinderbetreuung verwiesen. In Sachsen allerdings sei das Angebot an Kitas und Horten gut. Eine Folge: Mehr als 80 Prozent der Alleinerziehenden seien erwerbstätig.

Das jedoch häufig in Teilzeit. Zwar ist die Zahl der arbeitslosen Alleinerziehenden vor Corona gesunken und durch die Pandemie schwächer als in anderen Bereichen wieder angestiegen. Doch Alleinerziehende beziehen häufiger Hartz IV als Arbeitslose insgesamt. Im vergangenen Dezember erhielten mehr als 24.000 von ihnen entsprechende Leistungen.

Davon waren rund ein Drittel nicht arbeitslos. Dazu kommt, dass es für Alleinerziehende sehr problematisch sein kann, Job und Erziehung unter einen Hut zu bringen. Bei den 20 Prozent, die arbeitslos sind, fehlt zudem das Einkommen eines Partners, wie Cordula Zabel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Bildungsforschung hervorhob. Als ein Instrument zum Gegensteuern nannte sie Eingliederungszuschüsse, die Arbeitgeber erhalten können.

Alleinerziehende sind in der Regel zwischen 25 und 50 Jahre alt. Cornelia Langner, auch sie Expertin der Arbeitsagentur, sagte: „Es bedarf flexibler Arbeitszeiten.“ Wo es möglich sei, solle auch Homeoffice genutzt werden können. Die Arbeitsagentur mache sich für die Umwandlung von Minijobs in versicherungspflichtige Tätigkeiten stark.

Alleinerziehende seien stärker von der Pandemie betroffen. Das liegt Langner zufolge unter anderem an einem geringeren Einkommen durch das Kurzarbeitergeld sowie dem Einbruch bei den Minijobs. Die Arbeitsagentur wolle die Situation Alleinerziehender stärker in den Fokus nehmen. So soll geholfen werden beim Nachholen von Schulabschlüssen. Mehr als 16 Prozent der Alleinerziehenden hätten keinen. Fehlende Berufsabschlüsse sollen mit einer Teilzeitausbildung nachgeholt werden können.

Brunhild Fischer, die ehrenamtlich den SHIA-Verein für Alleinerziehende führt, wies darauf hin, dass bei Zwei-Eltern-Familien das Armutsrisiko geringer sei. Oft verfügten Alleinerziehende nur über geringes Einkommen. Ein Problem seien zudem fehlende Unterhaltszahlungen.

Mehrere Redner betonten, das Potenzial Alleinerziehender für den Arbeitsmarkt solle nicht ungenutzt bleiben – das helfe Beschäftigten, trage aber auch zum Schließen der Fachkräftelücke bei. Susanne Köhler vom Landesfrauenrat verwies auf das Saarland und Bremen, wo Aktionspläne gegen Armut erarbeitet worden oder geplant seien. Sie bezeichnete den Einsatz von Prämien für Unternehmer, die Alleinerziehende anstellen, als eine Möglichkeit, um deren Lage zu verbessern. Von Unterstützung profitierten nicht ausschließlich Erwachsene: „Kinder sind immer Nutznießende, wenn aktiv gegen die prekäre Lebenssituation von Alleinerziehenden vorgegangen wird.“

Die Landeskoalition will die Unterstützung Alleinerziehender verbessern. Das Arbeitsministerium verwies auf mehrere Förderprogramme. Zuschüsse an Arbeitgeber als „erstes probates Mittel“ sieht es aber skeptisch. Nötig seien Rahmenbedingungen wie gute Bezahlung und Kinderbetreuung.