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So wird Kodersdorf bis 2045 klimaneutral

Die CO₂-Emissionen hat die Gemeinde über die Hälfte reduziert. In ihren Häusern fließt Öko-Strom und es wird umweltbewusst saniert und gebaut. Nur bei einer Solaranlage ist man verschiedener Meinung.

Von Steffen Gerhardt
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Andreas Schneider ist der Geschäftsführer der KOIS und Klimaschutzmanager für die Gemeinde. Der Bauhof wird seit dem Umbau mit einer Holzschliffheizung mit Wärme versorgt. Auch das neue Dienstleistungszentrum nebenan ist an diese Heizung angeschlossen.
Andreas Schneider ist der Geschäftsführer der KOIS und Klimaschutzmanager für die Gemeinde. Der Bauhof wird seit dem Umbau mit einer Holzschliffheizung mit Wärme versorgt. Auch das neue Dienstleistungszentrum nebenan ist an diese Heizung angeschlossen. © André Schulze

Kodersdorf hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt, um als Gemeinde bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu sein. Das Buch des Handelns ist ein "Integriertes Klimaschutzkonzept", erarbeitet von den Klimaschutzmanagern Andreas Schneider und Frank Scholze. Das Konzept ist vom Gemeinderat jetzt einstimmig beschlossen worden. Die SZ erklärt, welche Prioritäten sich Kodersdorf auf dem Weg zur Klimaneutralität setzt.

Wo steht die Gemeinde gegenwärtig?

Seit der 1990er-Jahre verfolgt Kodersdorf das Ziel, eine Kommune der Nachhaltigkeit zu werden. Bisheriger Höhepunkt dieser Bestrebungen sind die 2019 und 2023 erfolgten Auszeichnungen mit dem European Energy Award, dem europäischen Energiepreis, gewesen. Vergangenes Jahr schaffte Kodersdorf "Silber" mit einer Erfüllungsquote von 77,5 Prozent der Vorgaben für diesen Preis.

Die bisherigen Maßnahmen führten dazu, dass die Treibhausgas-Emissionen in den vergangenen 30 Jahren über die Hälfte gesenkt werden konnten. Auf die Einwohner gerechnet heißt das, 1990 sorgte ein Einwohner für knapp 18 Tonnen Kohlendioxidbelastung, so waren es 2019 nur noch rund acht Tonnen im Jahr. Die Reduzierung macht sich vor allem beim Strom bemerkbar. Dort sank der Anteil von 12,8 Tonnen (1990) auf 2,26 Tonnen (2019).

Relativ konstant blieben die Emissionen bei der Wärme. Sie sanken in dem Zeitraum von 2,53 auf 2,32 Tonnen im Jahr pro Einwohner. Auch die Industriebetriebe reduzierten ihre Treibhausgase in 30 Jahren von 1,18 auf 0,77 Tonnen im Jahr. Nur beim Verkehr ist ein leichter Aufwärtstrend festzustellen. Von 1,67 Tonnen (2017) auf 1,73 Tonnen (2019).

Welche Rolle spielen Klimaschutz und Energie beim Bauen?

Für die Bebauungspläne hat sich Kodersdorf eine Checkliste aufgestellt, nach der die Pläne bewertet werden. Dabei spielen solche Dinge eine wichtige Rolle wie Sonneneinstrahlung und Verschattung an neu zu bauenden Gebäuden, die Wärmeerzeugung und ihr Speicher, das Verwenden von erneuerbaren und CO₂-armen Energien. Klimaschutzmanager Andreas Schneider ergänzt, dass mit dem B-Plan für den Wohnstandort Torgaer Straße bereits diese Faktoren Berücksichtigung finden. Ebenso beim Ausbau des neuen Dienstleistungszentrums und vorgesehener energetischer Sanierung kommunaler Häuser.

Wie führt Kodersdorf seine Verkehrswende herbei?

Die Gemeinde ist vom Straßenverkehr stark frequentiert. Zum einen sind da Autobahn und Bundesstraße, aber auch 1.300 Beschäftigte, die täglich ins Industriegebiet pendeln und wieder nach Hause. Dass es weniger Autopendler werden, dafür sorgen Linienbusse, die zwei Haltestellen im Industriegebiet bedienen. Aber die Unternehmen können sich nicht auf einen einheitlichen Schichtbeginn einigen, sodass die Idee zwar gut, die Umsetzung aber schlecht ist.

In Kodersdorf leben 2.365 Menschen. Sie haben in ihrer Gemeinde rund 1.660 Pkw, 160 Lkw und 190 Zugmaschinen (Stand 1.1.2022) angemeldet. Das sind rund zwölf Prozent mehr Kraftfahrzeuge im Vergleich zu 2015. Mit 0,7 Pkw pro Einwohner hat Kodersdorf den Bundesdurchschnitt von 0,71 bereits vor zwei Jahren so gut wie erreicht.

Trotzdem steht das Ziel, die Emissionen von Kraftfahrzeugen weiter zu senken. Das soll unter den drei Schlagworten gelingen: Verkehr vermeiden, verlagern und verbessern. Mit Neißeaue und Schöpstal soll ein Bürgerbus in den drei Gemeinden fahren. Der bereits fällige Startschuss ist noch nicht gefallen. Verbesserungen kommen mit mehr Ladesäulen für die E-Mobilität. Vier Ladepunkte sind an der Aral-Tankstelle. Die Gemeinde will Lademöglichkeiten am neuen Ärztehaus und an der Oberschule mit dem Bau der Lausitz-Haltestelle schaffen. Der Fuhrpark im Bauhof soll bis 2040 komplett auf Elektro- und klimafreundliche Antriebe umgestellt sein.

Im Kodersdorfer Industriegebiet arbeitet seit 2015 eine Biogasanlage. Sie produziert rund 63 Millionen Kilowattstunden an Biogas, das ist der Jahresbedarf von 2.700 Haushalten, und etwa fünf Millionen Kilowattstunden Strom.
Im Kodersdorfer Industriegebiet arbeitet seit 2015 eine Biogasanlage. Sie produziert rund 63 Millionen Kilowattstunden an Biogas, das ist der Jahresbedarf von 2.700 Haushalten, und etwa fünf Millionen Kilowattstunden Strom. © SZ-Archiv/André Schulze

Wann fließt Strom nur noch aus erneuerbaren Energien?

Was die gemeindeeigenen Gebäude betrifft, bezieht Kodersdorf bereits zu 100 Prozent Ökostrom vom lokalen Energieversorger. Erneuerbare Wärme soll bis 2030 zu 40 Prozent die Heizkörper erreichen und ab 2045 zu 100 Prozent. Das geht einher mit einer "Kommunalen Wärmeplanung", für die vor Kurzem SachsenEnergie den Auftrag bekommen hat. Im November soll der Wärmeplan für Kodersdorf vorliegen.

Zum Öko-Strom tragen auch Solarenergieanlagen bei. So soll demnächst das Dach der Oberschule mit Fotovoltaik bestückt werden. Nach eigenen Untersuchungen sind in der Gemeinde 400 Quadratmeter kommunale und 1.000 Quadratmeter private Dachflächen für solche PV-Anlagen geeignet. Ein großes Betätigungsfeld für die 2022 gegründete Energiegenossenschaft.

Verwunderlich ist nur, dass der Gemeinderat am vergangenen Dienstag zwar dem Klimaschutzkonzept seine volle Zustimmung gegeben hat, aber einer geplanten und vertikal stehenden PV-Anlage in den Gemarkungen Groß Krauscha und Kodersdorf seine Absage mehrheitlich erteilte. Dem Rat lag ein Antrag auf Vorbescheid des Projektträgers auf dem Tisch. Diese Agri-Anlage liefert Sonnenstrom und lässt Raum für landwirtschaftliche Bewirtschaftung zwischen den Modulreihen. Was spricht also dagegen?