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Kommentar zum 8. März: Warum wir den Frauentag weiter brauchen

Am 8. März ist Weltfrauentag. Jedes Jahr demonstrieren Frauen für Gleichberechtigung. Warum das auch im Jahr 2023 noch wichtig ist. Ein Kommentar.

Von Andrea Schawe
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Bis zum Equal-Pay-Day arbeiten Frauen sinnbildlich umsonst, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.
Bis zum Equal-Pay-Day arbeiten Frauen sinnbildlich umsonst, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. © dpa

Equal-Pay-Day, Care-Gap, Gleichberechtigung: Jedes Jahr zum Internationalen Frauentag am 8. März ballt sich die mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit zum Thema Frauenrechte. Nervt es Sie schon? Ja, es wäre schön, wenn auch an den übrigen 364 Tagen des Jahres so viel über diese Themen diskutiert würde – leider ist das nicht der Fall. Deswegen ist der 8. März auch im Jahr 2023 noch wichtig.

Erst, wenn Männer ihren gerechten Anteil an der unbezahlten Kümmerer-Arbeit übernehmen, wenn sie in der Kinderbetreuung und -versorgung, im Haushalt, in der Pflege und in der alltäglichen Lebensorganisation von sich aus mithelfen und sich nicht mehr mit „Du hättest ja nur fragen müssen“ herausreden, dann können wir von Gerechtigkeit reden.

Erst, wenn Frauen bei gleicher Qualifikation für die gleiche Leistung das gleiche Gehalt bekommen, wenn Männer nicht mehr denken, die Frau gehört an den Herd oder davon ausgehen, dass sie für die Kinder selbstverständlich ihre Arbeit aufgeben oder reduzieren wird, weil sein Job besser bezahlt ist; wenn Arbeitgeber es begrüßen und einplanen, dass Väter monatelang Elternzeit nehmen oder auch Männer in Vorstellungsgesprächen gefragt werden, ob sie denn gedenken, in nächster Zeit Nachwuchs zu bekommen; erst dann, können wir aufhören, über Chancengleichheit zu streiten.

Wenn Frauen sich immer und überall kleiden und verhalten dürfen, wie sie wollen, wenn sie nicht nach ihrem Aussehen beurteilt oder deswegen beschimpft und beleidigt werden, wenn Herabwürdigung und sexuelle Belästigung nicht mehr "flirten" heißt, wenn der Klaps auf den Hintern kein "Kompliment" mehr ist, wenn Männer Abhängigkeitsverhältnisse nicht mehr für "Gefälligkeiten" oder Gewalt ausnutzen, dann werden Frauen nicht mehr unterdrückt.

Erst wenn Frauen in Politik und Verwaltung, in Parlament und Regierung, in Arbeit und Familie genauso vertreten sind wie Männer, wird ihre Lebenswirklichkeit in der Gesellschaft auch abgebildet. Erst dann hat der 8. März seinen Zweck erfüllt. Erst dann sind Blumen genug. Es bleibt noch viel zu tun.

E-Mail an Andrea Schawe