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Landesbühnen laden Sonntag zu Doppeljubiläum ein

Vor 75 Jahren ins Leben gerufen, seit 70 Jahren im Radebeuler Stammhaus präsent - mit einem Festtag wird daran erinnert.

Julia Vincze steht als Schauspielerin bei mehreren Inszenierungen jährlich auf der Bühne im Stammhaus in Radebeul sowie auf der Felsenbühne in Rathen. Matthias Spothelfer setzt sie dabei als Leiter der Beleuchtungsabteilung ins richtige Licht.
Julia Vincze steht als Schauspielerin bei mehreren Inszenierungen jährlich auf der Bühne im Stammhaus in Radebeul sowie auf der Felsenbühne in Rathen. Matthias Spothelfer setzt sie dabei als Leiter der Beleuchtungsabteilung ins richtige Licht. © Arvid Müller

Radebeul. Nebel, der überraschend mitten in der Nibelungenaufführung hinter der Naturbühne Rathen auftaucht, und der Inszenierung eine ganz außergewöhnliche Aura verleiht oder ein Hase, der im Lichtkegel bei einer Vorstellung hin- und herhoppelt, - Matthias Spothelfer kann als Leiter der Beleuchtungsabteilung der Landesbühnen Sachsen einige Anekdoten erzählen. Mit 23 Jahren nahm er im März 1989 seine Tätigkeit auf und setzt seither Schauspieler wie Julia Vincze bei den Vorstellungen im Stammhaus in Radebeul, auf der Freilichtbühne in Rathen oder den vielen Gastspielen in Theater- und Kulturhäusern im Freistaat Sachsen sowie benachbarten Bundesländern ins richtige Licht.

Beide sind fester Bestandteil des rund 230 Mitarbeiter zählenden Teams - vom Fahrer, über Bühnentechniker und -dekorateure bis in zum Theater-, Musik- und Tanzensemble - und können wohl als „alte Hasen“ bezeichnet werden. Spothelfer und Vincze prägten die jüngsten Jahrzehnte der Landesbühnen mit und erlebten die zahlreichen baulichen Veränderungen nach der Wendezeit jener Institution mit, die auf 75 Jahre Bestehen insgesamt sowie 70 Jahre Präsenz im Radebeuler Stammhaus zurückblickt.

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Als „Künstlerspielgemeinschaft Dresden-West“ nahm die Geschichte des Theaters im Sommer 1945 ihren Anfang. Die ersten Vorstellungen gab sie im Tanzsaal des Gasthofes Gittersee. Aber auch schon damals ging das Ensemble mit offenen Lastkraftwagen oder auf Pferdeschlitten auf Tournee durch die Landeshauptstadt sowie nach Radeberg, Kamenz, Bischofswerda, Pirna oder Bad Schandau. Kultur in den ländlichen Raum zu bringen, gehört quasi zur DNA der Landesbühnen.

Da nach und nach der Gasthof Gittersee den gewachsenen Anforderungen nicht mehr genügte, erfolgte Mitte Juli 1950 der Umzug in das Gasthaus „Goldene Weintraube“ nach Radebeul. Im September gab es die erste Premiere in dem zum Theatersaal umgebauten Kino- und Tanzsaal. Es war die Oper „Der Freischütz“ von Carl-Maria von Weber. Dieses Bühnen- und Musikstück wird zum festen Bestandteil des Repertoires der Landesbühnen und ist vom Spielplan auf der Naturbühne Rathen nicht wegzudenken. 

Die historische Aufnahme zeigt die Landesbühnen in den 1950er Jahren. Seit dem Umbau des Kino- und Tanzsaals zum Theatersaal ist es das Stammhaus.
Die historische Aufnahme zeigt die Landesbühnen in den 1950er Jahren. Seit dem Umbau des Kino- und Tanzsaals zum Theatersaal ist es das Stammhaus. © Landesbühnen Sachsen

Seit dem Jahr 1954 treten die Schauspieler und Musiker jede Sommersaison dort auf. „Das hat mich immer gereizt, nicht nur im Stammhaus, sondern im Sommer draußen an der frischen Luft zu arbeiten“, sagt Spothelfer, der sich aufgrund der Herausforderungen an die Lichttechnik bei einem Freilufttheater sowie den zahlreichen Gastspielen in anderen Häusern für die Landesbühnen als Arbeitsplatz entschieden hat.

Die nächste große Umbauphase erfolgte in den 1960er Jahren mit einem Anbau, in dem sich heute Studiobühne und Ballettsaal befinden. Danach tat sich erst einmal baulich nicht mehr viel. „Alles war sehr verwinkelt“, erinnert sich Spothelfer, als er kurz vor der Wende in dem Theater als Beleuchter anfing. Die Reste einer Kegelbahn, die einst zum Gasthaus gehörte, waren unter dem Bühnenraum noch sichtbar.

Zehn Jahre später stieß Julia Vincze dazu. „Es gab nur eine Garderobe für die Sänger. Wenn alle anwesend waren, gab es noch nicht einmal auseichend Platz“, entsinnt sich die heute 48-Jährige. Ihre erste Spielzeit war gleichzeitig die letzte vor dem großen Umbau. Die beiden Jahre 2000 und 2001 waren quasi Wendejahre in baulicher Hinsicht am Stammhaus in Radebeul. Für 16 Millionen Mark erfolgte der Umbau des Saals samt Foyer sowie der Anbau des Glashauses. Weitere Erweiterungen kamen hinzu. 

So entstand auf rund 1.200 Quadratmetern ein Neubau direkt hinter dem Theater, für den der Freistaat Sachsen rund 3,1 Millionen Euro investierte. Einweihung war im September 2010. In dem Gebäude fanden unter anderem Requisiten- und Kostümwerkstätten und -Lager, die Schneiderei, Anprobenräume und Büros sowie eine kleine Probebühne Platz. Die letzte große Investition in Radebeul war der Bau der neuen Werkstätten mit Malsaal, Tischlerei, Schlosserei, Plastikwerkstatt, Ausstattungswerkraum und Dekorationswerkstätten für rund 6,9 Millionen Euro, die 2016 in Betrieb gingen.

Um die 679 Vorstellungen gaben die Landesbühnen im vergangenen Jahr und dies entspricht dem Jahresdurchschnitt, wenn nicht ein Virus dazwischenfunkt. Davon waren 242 in Radebeul, 83 auf der Felsenbühne Rathen und 344 auf Abstechern beziehungsweise Gastspielen zu erleben. Zwischen 170.000 bis 190.000 Zuschauer besuchen die Stücke im Schnitt jährlich, davon rund 40.000 in Radebeul, zwischen 60.000 und 70.000 auf der Felsenbühne Rathen und 65.000 bis 75.000 auf Abstechern.

Mit einem Feststag möchten die Landesbühnen ihre beiden Jubiläen am kommenden Sonntag feiern. Ab 11 Uhr sind langjährige Mitarbeiter auf der Bühne zu erleben. Am Nachmittag steht die Präsentation eines Buches über die Geschichte des Hauses auf dem Programm. Um 18 Uhr folgt ein Galaabend. Zu allen Programmpunkten ist eine vorherige Anmeldung erforderlich, da die Platzzahl aufgrund der Corona-Regelungen begrenzt ist.

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