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Anderes Wasserregime für Flutschutz gefordert

Um Sturzfluten in Kerbtälern und am Elbhang zu bremsen, plädiert Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wnedsche für ein Umdenken in der Wasserpolitik.

Der Rieselgrundweg wurde am 10. August 2020 nach einem sehr heftigen Regenguss stark beschädigt. Wassermassen stürzten ungebremst ins Tal des Lößnitzgrundes.
Der Rieselgrundweg wurde am 10. August 2020 nach einem sehr heftigen Regenguss stark beschädigt. Wassermassen stürzten ungebremst ins Tal des Lößnitzgrundes. © Norbert Millauer

Radebeul. Die Bilder aus den Hochwasserregionen rufen in Radebeul Erinnerungen an 2002 und 2013 wach. Auch damals wälzten sich nach Starkregen Schlamm- und Gerölllawinen durch die Lößnitzstadt, verwandelten sich Rinnsale in reißende Fluten, die über die Ufer traten, jedoch nicht in dem zerstörerischen Maße wie vergangene Woche in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die Schäden waren dennoch enorm, die beispielsweise Lößnitzbach und Rietzschke anrichteten.

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Trotz nachhaltigem Wiederaufbau ließen sich die Bachläufe bislang nicht komplett bändigen. Das hat einmal mehr der heftige Gewitterguss am Morgen des 11. August vorigen Jahres gezeigt, als über Wahnsdorf innerhalb einer Stunde mehr als 70 Liter auf den Quadratmeter niederfielen. Daraufhin kam es zu einer Sturzflut im Rieselgrund, die zentnerschwere Felssteine und Asphaltplatten wie Kieselsteine im Kerbtal mit sich riss. Die Flutwelle ergoss sich weiter durch den Lößnitzgrund, flutete Grundstücke und Keller auf ihrem Weg Richtung Elbe.

OB Wendsche: "Wir leiten alles nur ab"

Solche Ereignisse und Schäden werden sich laut Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) nie völlig verhindern lassen, wenn Wassermassen die Elbhänge herunterlaufen. Jedoch könne man Vorsorge leisten. Dafür müsse der Gesetzgeber allerdings die erforderlichen Bedingungen schaffen. Worauf das Radebeuler Stadtoberhaupt drängt, ist ein Umdenken in der Wasserpolitik.

Derzeit lautet der Grundsatz, dass Niederschlagswasser auch nach heftigsten Güssen schnell ablaufen soll, sprich in Richtung Elbe und dann weiter zur Nordsee bei Hamburg. Es spielt dabei keine Rolle, ob eine Region zuvor von Dürrejahren geplagt wurde. „Wir leiten alles nur ab. Unser Grundwasser hat nichts davon“, sagt Wendsche.

System aus Teichen und Behältern

Er plädiert für ein anderes Abflussregime. Und zwar sollte das Wasser nach Starkregen in der Region gehalten werden, um langsam zu versickern. Wie dies in Radebeul funktionieren könnte, haben die Altvorderen gezeigt. Wenn heutzutage beispielsweise in Wahnsdorf ein heftiger Regenschauer niedergeht, läuft das Wasser ungebremst die Weinbergterrassen hinunter und reißt dabei im schlimmsten Fall Terrassenmauern nieder. „Früher gab es auf jeder Ebene Wasserbehälter“, sagt Wendsche. In dieses wurde das Regenwasser geleitet und erst, wenn der Stauraum voll war, lief es auf die nächste Terrassenstufe, wie bei einer Kaskade.

Im Rietzschkegrund gab es einst ein System aus Teichkaskaden. Auch dieses Netz bremste die Fluten ab, weil ein Teich immer erst dann das Wasser weitergab, wenn er voll war. „Auf diese Weise lässt sich die Spitze und die Kraft des Hochwassers nehmen“, so Wendsche. Die Wassermassen werden gebremst und richten wenig bis kaum Schaden an. Andererseits bekommt das Regenwasser Zeit, zu versickern und wird so dem Grundwasser zugeführt. „Im Rietzschkegrund würden Erdwälle ausreichen“, meint der OB.

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Doch aufgrund der geltenden Rechtslage ist deren Aufschütten sowie ein Reaktivieren der Wasserbehälter in den Weinbergterrassen, wenn überhaupt noch vorhanden, nicht möglich. Die Lößnitzstadt bekommt momentan keine Genehmigung für den Bau eines solchen Rückhaltesystems, geschweige denn Fördermittel. „Der Gesetzgeber muss ein derartiges Wasserregime auf dem heutigen Stand der Technik wieder genehmigungsfähig machen“, appelliert Wendsche an Bund und Länder. Mit der Meinung steht das Radebeuler Stadtoberhaupt nicht allein dar. Auch aus der Wissenschaft sind vermehrt Stimmen mit der gleichen Forderung zu hören.

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