Radebeul
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Es sieht aus wie Spiel, ist aber pädagogische Arbeit

Kinderarche-Fachtag widmete sich in Radebeul dem Thema „Spielen verbieten – verboten!?“

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Mit dem Pinsel in der Hand lernten die Teilnehmerinnen aus Kitas und Horst unter anderem ein neues „Malspiel“.
Mit dem Pinsel in der Hand lernten die Teilnehmerinnen aus Kitas und Horst unter anderem ein neues „Malspiel“. © Kinderarche Sachsen

Radebeul. „Wo ist Berta?“, schallt es laut über den Hof des Güterbodens in Radebeul-Ost. Eine Gruppe von zwölf Menschen friert ein, sobald sich die Rufende nach ihnen umdreht. Sie wollen das kleine Gummischwein Berta klauen, aber das gelingt nur, wenn sie als Team gut zusammenarbeiten. Ist das nun noch Spiel oder schon Arbeit? – Die Frage ist falsch gestellt, sagt der renommierte österreichische Spielpädagoge Toni Wimmer, der fast 250 Zuhörer in der großen Halle des Güterbodens auf das Thema des Tages einstimmt. „Unser Leben kann gelingen, wenn wir es als Spiel sehen“, sagt er und ermutigt die Pädagogen, mitlernende Mitspieler der Kinder zu werden.

„Spielen verbieten – verboten!?“ heißt der Fachtag, zu dem die Kinderarche Sachsen anlässlich des 30-jährigen Bestehens all ihre Mitarbeitenden sowie externe Gäste nach Radebeul eingeladen hat. Ziel ist es, die Vielfältigkeit vom Spielen und von Spielen zu zeigen und aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten, wie wichtig, schön, erholsam und entwicklungsfördernd das Spielen ist. Nach der Einstimmung und dem Impulsvortrag von Toni Wimmer waren die Teilnehmerinnen deshalb zu insgesamt 16 verschiedenen Workshops in vier Themenbereichen eingeladen: Macht-Spiele, digitale Spiele, Alltagsspiele und therapeutische Spiele.

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Viel Zeit für Wissensvermittlung

Dort haben sie unter anderem hören und erleben dürfen, wie selbst das Wäscheaufhängen zu einem schönen (und förderlichen) Spiel in der Familie werden kann, welche einfachen Zutaten die Natur bereithält, um mit Kindern (und Erwachsenen) ins Spiel zu kommen, wie Tablet, Kamera & Co. kreativ in Kita und Hort eingesetzt werden können, welche Methoden der traumabezogenen Spieltherapie es gibt und warum therapeutische Spiele im pädagogischen Alltag helfen können.

In allen Workshops gab es neben der Wissensvermittlung viel Zeit zum Spielen und Ausprobieren: mit vielfältigen Instrumenten im Workshop „Klanggeschichten“, mit dem Pinsel in der Hand im Workshop „Malspiel“, mit Sand im Workshop „Spielen im Sand“, mit ganzem Körpereinsatz in den zwei theaterpädagogischen Workshops oder im Workshop „Gruppendynamische Spiele aus der Erlebnispädagogik“, in dem es auch darum ging, das Schwein Berta zu retten.

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Beschwingt und mit neuen Spiel-Ideen erfüllt kehrten die Teilnehmerinnen am Nachmittag ins große Forum zurück, in dem mithilfe der Statements einiger Fachtags-Referenten ein neuer Kinderarche-Fachstandard zum Spiel entwickelt wurde. Dort heißt es unter anderem: „Im Spiel erkenne ich meine eigenen Grenzen und meine Möglichkeiten und kann kreativ und mutig neue Wege ausprobieren.“ Oder: „Spielen ist die einzige mögliche pädagogische Intervention. Es sieht aus wie Spiel, ist aber gelingende pädagogische Arbeit.“ (SZ)

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