merken
PLUS Radebeul

Kreis Meißen muss mehr Geld für Linie 4 zahlen

Der Kreistag hat den Verkehrs- und Investitionsvertrag für die Straßenbahn bis ins Jahr 2036 beschlossen. Der Takt bleibt gleich, die Kosten steigen.

Eine Straßenbahn der Linie 4 rollt über die Meißner Straße in Höhe der Kreuzung mit Moritzburger Straße und Bahnhofstraße. Dieser Bereich steht mit auf der neuen Investitionsliste. Hier soll in den Jahren 2025 und 2026 gebaut werden.
Eine Straßenbahn der Linie 4 rollt über die Meißner Straße in Höhe der Kreuzung mit Moritzburger Straße und Bahnhofstraße. Dieser Bereich steht mit auf der neuen Investitionsliste. Hier soll in den Jahren 2025 und 2026 gebaut werden. © Norbert Millauer

Radebeul. Es ist eine enorme Summe: Rund 50,8 Millionen Euro müssen in den kommenden 15 Jahren noch in die Gleise der Straßenbahnlinie 4 zwischen Radebeul und Weinböhla in Planung und Bau investiert werden. Der Betrag kann sich noch erhöhen, denn es handelt sich um eine Kostenannahme, die auf den jetzigen Baupreisen beruht. Bekanntlich steigen diese von Jahr zu Jahr.

Auf Radebeuler Flur steht das komplette Erneuern der Gleise auf mehreren Abschnitten der Meißner Straße noch an. Sie liegen vorwiegend in Ost von der Autobahn bis zu den Schienen des Lößnitzdackel in Höhe des ehemaligen Gasthofes Weißes Roß. In Radebeul-West warten noch die Bereiche ab Gradsteg bis zur Gleisschleife und weiter am Schloss Wackerbarth vorbei durch Zitzschewig bis zur Haltestelle unter der Eisenbahnbrücke auf einen Austausch.

Anzeige
Unbezahlbar genial
Unbezahlbar genial

Warum der Landkreis Görlitz für wirklich jeden Menschen der perfekte Ort zum Leben ist.

In Coswig harren noch mehrere Haltestellen auf eine barrierefreie Umgestaltung. So sollen Mütter mit Kinderwagen, Senioren mit Rollator und Personen im Rollstuhl leichter in die Tram gelangen.

In Weinböhla müssen laut Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) noch die Wendeschleife mit Endhaltestelle sowie die Haltepunkte entlang der rund 2,5 Kilometer langen Strecke parallel zur Köhlerstraße samt den Gleisen erneuert werden.

Steigende Fahrgastzahlen erwartet

Der Investitionsplan ist Bestandteil des neuen Verkehrsvertrags zwischen dem Landkreis Meißen, den drei Kommunen und den DVB. Der jetzige Vertrag endet nach zehnjähriger Laufzeit Ende November dieses Jahres, die Geltungszeit des neuen soll am 1. Dezember 2021 beginnen und bis 30. November 2036 reichen, mit der Option bis 27. Mai 2040 zu verlängern. Am Donnerstagabend nahm das Papier eine erste wichtige Hürde. Der Kreistag votierte einstimmig für das Vertragswerk. Nun müssen noch die Stadträte von Radebeul und Coswig sowie der Gemeinderat in Weinböhla grünes Licht geben.

Neben dem Investitionsplan hat das Abkommen das allgemeine Bestellen der Straßenbahnfahrten auf dem Meißner Kreisgebiet zum Inhalt. So fahren die Trams tagsüber an Werktagen bis Weinböhla in einem Grundtakt von 30-Minuten, auf Radebeuler Flur bis zur Gleisschleife in West im Zehn-Minuten-Takt. Das sind 82 Hin- und Rückfahrten an Wochentagen durch Coswig und der Winzergemeinde, 130 in Radebeul. Am Wochenende sind weniger Straßenbahnen im Einsatz. 565.000 Kilometer legen sie insgesamt im Jahr zurück.

Rund 2,09 Millionen Fahrgäste nutzten die Linie 4 auf dem Meißner Kreisgebiet im Jahr 2019. Im vorigen und diesem Jahr werden wegen der Coronakrise jeweils um die 1,76 Passagiere erwartet. Laut neuem Verkehrs- und Investitionsvertrag wird 2022 mit rund 2,27 Millionen Nutzer gerechnet. Deren Anzahl soll in den Folgejahren auf über drei Millionen gesteigert werden.

Kürzere Umlaufzeit angestrebt

Für eine Hin- und Rückfahrt zwischen der Forststraße in Radebeul und der Endhaltestelle in Weinböhla benötigt eine Straßenbahn jetzt 66 Minuten. Durch die bereits erwähnten Investitionen soll sich die sogenannte Umlaufzeit um sechs Minuten verringern. Damit kann künftig eine Tram eingespart werden.

An den Investitionsvorhaben der DVB beteiligt sich der Landkreis Meißen mit insgesamt 21,2 Millionen Euro während der Vertragslaufzeit. Diese Summe splittet sich wie folgt auf: Über 10,3 Millionen Euro kommen aus dem Kreisetat; rund 8,6 Millionen Euro steuern die drei Kommunen Radebeul, Coswig und Weinböhla bei; und weitere 2,2 Millionen Euro kommen als Zuschuss vom Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe (ZVOE).Reichlich zwei Millionen Euro überweist der Landkreis Meißen künftig jährlich für den Betrieb der Linie 4 und den Investitionen in deren Streckennetz an die DVB. Das sei eine Verdoppelung der Kosten, sagte Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos), der die CDU-Fraktion im Meißner Kreistag anführt. Bisher flossen jährlich 943.000 Euro. „Wir als Fraktion stehen zur Linie 4“, betonte Wendsche.

Einige Bauvorhaben starten nicht vor 2031

Die schwarz-grün-rote Regierungskoalition in Sachsen strebt in ihrem Koalitionsvertrag an, dass künftig rund 80 Prozent der Bevölkerung den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen sollen. In der hiesigen Region nutzen jetzt nur um die 50 Prozent Bus und Bahn. „Wir müssen kämpfen, um diesen Stand zu halten. Wenn der ländliche Raum mit mehr Bussen und Bahnen erschlossen werden soll, muss zusätzliches Geld vom Land kommen“, so Wendsche.

Zunächst dankte auch der Radebeuler FDP-Kreisrat Jan Mücke der Kreisverwaltung. Der Zweite Beigeordnete habe eine gute Arbeit gemacht. „Jedoch ist das Vertragswerk auch mit einem weinenden Auge zu betrachten“, so Mücke, wenn man vor allem auf das Kleingedruckte im Investitionsplan schaut. So wird ein Baubeginn für das Verlegen neuer Schienen in Weinböhla sowie in den Radebeuler Abschnitten zwischen Schloss Wackerbarth und Eisenbahnbrücke sowie Wasastraße und Weißes Roß erst im Jahr 2031 angestrebt.

Kritik an Sachsens Verkehrspolitik

Auch der fertig geplante Gleisbau samt dem grundhaften Ausbau der Meißner Straße wird im Bereich zwischen Gleisschleife Radebeul-Ost und Eduard-Bilz-Straße nicht wie angedacht im nächsten, sondern erst im Jahr 2023 beginnen. „Das zeigt das Dilemma einer verfehlten Verkehrspolitik“, geißelte Mücke. Der Freistaat habe Investitionsmittel für den kommunalen Straßenbau gestrichen, gleichzeitig die Förderquote gesenkt. Auf die Stadt Radebeul kommen damit Mehrkosten zu, auch wegen steigender Baupreise.

Weiterführende Artikel

Hier kommt Dresdens erste neue Straßenbahn

Hier kommt Dresdens erste neue Straßenbahn

Die erste neue Flexity-Straßenbahn traf in der Nacht zu Freitag in Dresden ein – und wurde erstmals auf die Gleise gesetzt.

Radebeuls Millionen-Baustelle

Radebeuls Millionen-Baustelle

In den 1990er-Jahren waren die Gleise der Straßenbahnlinie 4 so marode, dass die Einstellung des Fahrbetriebs drohte. Seither wurde kräftig investiert.

Ob in dem im Investitionsplan angedachten Zeitraum auch gebaut werden, kann, sei ebenfalls fraglich. Wenn für einen überschaubaren Abschnitt wie auf der Meißner Straße über 20 Jahre für den Gleisbau benötigt wird, um sechs Minuten Umlaufzeit und damit Betriebskosten für eine wegfallende Straßenbahn zu sparen, gehe nicht und sei nicht hinnehmbar. Mücke übte Kritik an Wendsche. Dieser habe für die CDU an den Koalitionsverhandlungen auf Landesebene teilgenommen und nicht für eine ausreichende Finanzausstattung für den kommunalen Straßenbau gesorgt.

Mehr zum Thema Radebeul