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Männer im DDR-Schlüpfer mitten im Weinberg

Mit der 18. Skulptur ist der Wein- und Kunstwanderweg des Weinguts „Drei Herren“ vollendet. Die Figur stammt vom Künstler Jan Kummer.

Skurriles Motiv: Vom Chemnitzer Künstler Jan Kummer stammt die Skulptur mit den leicht bekleideten Herren.
Skurriles Motiv: Vom Chemnitzer Künstler Jan Kummer stammt die Skulptur mit den leicht bekleideten Herren. © Norbert Millauer

Radebeul. Was machen drei Männer im Feinripp-Schlübber im Weinberg? Seit neuestem stehen sie im Radebeuler Hermannsberg - nicht in echt, sondern als Skulptur. Es handelt sich um das 18. Objekt des Wein- und Kunstwanderwegs des Weinguts „Drei Herren“ und bildet gleichzeitig die Vollendung des zwischen Rebstöcken eingebetteten Skulpturenparks.

Schöpfer des Kunstwerks mit dem Titel „Drei Herren“ ist der Chemnitzer Jan Kummer. Der Künstler ist Vater von vier Musikern. Seine Söhne Felix und Till spielen in der Band „Kraftklub“, die Töchter Nina und Lotta in der Band „Blond“. Kummer, Jahrgang 1965, hat in jungen Jahren selbst Musik gemacht, und zwar in der DDR-Alternativband „AG Geige“. Als Chemnitz noch Karl-Marx-Stadt hieß, machte sich die Gruppe in der Kunstszene durch ihre avantgardistischen Musik- und Bühnenperformances einen Namen.

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In jüngster Zeit ist Kummer vor allem als Bildender Künstler unterwegs. Er nutzt für seine Arbeiten die Technik der Eglomisierung, eine Hinterglasmaltechnik in Kombination mit den Mitteln der Collage aus Stanniol und anderen Papieren. Diese kam auch bei der Plastik mit den Dimensionen 600 mal 600 mal 74 Zentimeter zur Anwendung. 

„Es handelt sich hierbei um das weltweit größte bekannte in dieser Technik ausgeführte Kunstobjekt“, teilt Rainer Beck, Unternehmensleiter des Weinguts „Drei Herren“, mit. Der Kunsthistoriker hatte die Idee, in der Steillage hinter dem Anwesen, Weinbergstraße 34, einen Wein- und Kunstwanderweg anzulegen.

Skulptur mit Weitblick: In der Steillage des Hermannsbergs hinter dem Weingut „Drei Herren“ gibt es nicht nur Kunstgenuss, sondern auch eine tolle Aussicht ins Elbtal.
Skulptur mit Weitblick: In der Steillage des Hermannsbergs hinter dem Weingut „Drei Herren“ gibt es nicht nur Kunstgenuss, sondern auch eine tolle Aussicht ins Elbtal. © Norbert Millauer

Die erste Rohfassung der Skulptur hat Kummer bereits im Jahr 2001 vorgestellt. Mit zeitlicher Distanz vollendete er nun das Hinterglas-Objekt. Es stellt seinen persönlichen Rückblick auf das Wendejahr 1989 dar. Zu sehen sind drei annähernd nackte junge Männer, die in die Ferne blicken. Am Leibe tragen sie nur Unterhosen, Modelle aus den 1980er Jahren der DDR. Zu ihren Füßen stehen abgeschabte Aktenmappen.

All diese Accessoires stehen symbolhaft für das, was diese Männer aus ihrem Aufwachsen in dem untergegangenen Staat mitbringen. So erinnern die leeren Aktenmappen an die Erfahrungen der Mangelwirtschaft in der DDR.

 Die Schlüpfer symbolisieren die immer wieder erlebten Lieferengpässe. „Ein diesbezügliches Kuriosum stellt eine Sitzung des Politbüros dar, das zur Wendezeit hinter verschlossenen Türen über Engpässe im Unterwäsche-Sektor debattierte, während draußen das Volk demonstrierte“, erläutert Beck.

Die "Drei Herren" haben jeweils nur einen Schlüpfer, Modelle aus den 1980er Jahren der DDR, an.
Die "Drei Herren" haben jeweils nur einen Schlüpfer, Modelle aus den 1980er Jahren der DDR, an. © Norbert Millauer

Das gesamte Figurenensemble soll zum Ausdruck bringen, dass selbst ein totalitäres Regime Fantasie und schöpferisches Handeln nicht dauerhaft behindern kann. „Jan Kummer erinnert daran, dass Viele, trotz Mangels und mangelnder Unterstützung, die Fähigkeit entwickelten, aus Allem etwas zu machen, auch aus Edel-Müll, wie zum Beispiel dem Silberpapier von Schokoladentafeln, das vielfach zum Basteln verwendet wurde“, so Beck. 

Dafür stehen die Stanniol-Hinterklebungen. Die Botschaft der „Drei Herren“ lautet: „Wir sind nicht totzukriegen. Da könnt ihr machen, was ihr wollt.“ „Kein schlechtes Motto, auch für unser Weingut“, meint Beck.

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