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Mutmacher im Postkartenformat

Stimmen aus dem Lockdown heißt eine Ausstellung, die in Radeburg eröffnet worden ist. Die Initiatoren hat die große Resonanz auf ihr Projekt überrascht.

Petra und Burghard Schade sowie Anita Voigt (v.r.) in der Ausstellung „Stimmen aus dem Lockdown“ im Radeburger Heimatmuseum.
Petra und Burghard Schade sowie Anita Voigt (v.r.) in der Ausstellung „Stimmen aus dem Lockdown“ im Radeburger Heimatmuseum. © Norbert Millauer

Radeburg. Zum Glück ist der Ratssaal der Zille-Stadt nur ein paar Schritte vom Radeburger Heimatmuseum entfernt. Und so kann die Eröffnungsveranstaltung der neuen Ausstellung am Donnerstagabend dort stattfinden. Doch selbst im Saal wird es für Coronazeiten eng, so groß ist das Interesse an der Schau, die bis zum 21. September in den Sonderausstellungsräumen das Museums zu sehen sein wird.

Dass die ungewöhnliche Schau gezeigt werden kann, ist in erster Linie den drei Initiatoren der Kunstaktion zu verdanken. Den beiden Malerinnen und Grafikerinnen Anita Voigt aus Dresden und Petra Schade sowie deren Mann, dem Fotografen Burkhard Schade, aus Radeburg. Und natürlich den vielen Menschen, die ihre Idee aufgegriffen und mit viel Kreativität zur Erfolgsgeschichte gemacht haben.

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Im Januar, mitten im zweiten Lockdown, starteten die drei Künstler ein sogenanntes Mail-Art-Projekt. „Kennzeichnend für Post-Kunst ist, dass es keine Einschränkung bei den Stilmitteln und Materialien gibt. Der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt“, sagt Petra Schade. „Egal ob Malerei, Text, Collage, Fotografie, Gedicht etc., einmal damit begonnen, entwickelt sich das individuelle Gestalten von Poststücken schnell zur Leidenschaft.“ Einzige Bedingung war, dass die Kunstwerke auf Größe einer herkömmlichen Postkarte - also 10 mal 15 Zentimeter - zum Thema Lockdown gestaltet werden.

Jeden Tag mit Neugier zum Briefkasten

Anfangs eigentlich nur dafür gedacht, Freunde, Kollegen und Kursteilnehmer einzubeziehen, bekam die Sache schnell eine Eigendynamik, mit der die drei Initiatoren nicht gerechnet hatten. Das ursprünglich bis Ende Februar geplante Projekt wurde so um einen Monat verlängert. Am Ende trafen in Radeburg und Dresden Post-Kunst-Karten aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und sogar aus Norwegen ein. Insgesamt über 700 Stück. Gestaltet von Kindern und Erwachsenen, Profis und Hobbykünstlern.

Mehr als 700 Arbeiten wurden von Januar bis März 2021 im Rahmen des Mail-Art-Projekts gestaltet.
Mehr als 700 Arbeiten wurden von Januar bis März 2021 im Rahmen des Mail-Art-Projekts gestaltet. © Burghard Schade

Einige der Absender bedankten sich für diese Corona-Rettungsaktion, wie sie es nannten. „Aber auch für uns waren diese Karten Lichtblicke, die uns sehr gutgetan haben“, sagt Burghard Schade. Und seine Frau ergänzt: „Wir sind jeden Tag neugierig zum Briefkasten gegangen. An manchen Tagen waren es 20 bis 25 neue Karten. Die haben wir erst einmal auf dem Tisch ausgebreitet, angesehen und gelesen.“ „Mich hat die hohe künstlerische Qualität vieler Arbeiten überrascht“, sagt Anita Voigt. Burghard Schade findet dagegen toll, wie stark auch die Aussagen einiger sehr minimalistisch gestalteter Arbeiten sind. „Vor allem sind ganz viele Mutmacher dabei.“

Endstation Stadtarchiv

Dass diese Stimmen aus dem Lockdown nach der Aktion nicht einfach in Schuhkartons verschwinden, war von Beginn an ausgemachte Sache. Für ihre Idee einer Wanderausstellung fanden die Initiatoren dann schließlich Unterstützung bei der Kulturstiftung Sachsen. Von dieser kam Geld für die benötigten Rahmen und anderes Material. „Den Aufwand haben wir aber dennoch etwas unterschätzt“, gesteht Anita Voigt.

Die über 700 Kunstwerke mussten nicht nur gerahmt, sondern alle auch digital erfasst und beschriftet werden. Denn nach den bisher geplanten sieben Ausstellungen - weitere Orte und Termine sind noch möglich - wird das gesamte Mail-Art-Projekt im Mai 2023 an das Dresdner Stadtarchiv übergeben. Als interessantes Dokument einer ungewöhnlichen Zeit.

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Drei Künstler aus Radeburg und Dresden haben ein Projekt gestartet. Mitmachen kann jeder. Die Resonanz ist groß. Geplant ist eine Wanderausstellung.

Geöffnet ist das Radeburger Heimatmuseum: Dienstag,10 bis 12 und 13 bis 18 Uhr, Donnerstag, 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, sowie jeden 1. und 3. Samstag im Monat von 14 bis 16 Uhr. Nach dem 21. September sind weitere Ausstellungsorte u.a. die Stadtgalerie Radebeul und das Stadtmuseum in Neustadt/Sa.. Letzte Station wird im Februar 2023 das Stadtarchiv Dresden sein.

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