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Wichtige Weiche für Schulneubau in West gestellt

Die Oberschule Kötzschenbroda soll in Radebeul ein komplett neues Domizil bekommen. Der Stadtrat hat nun den Baubeschluss gefasst.

Von Silvio Kuhnert
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Einen kompakten Bau aus drei Geschossen plant Architekt Michael Auerbacher als Neubau für die Oberschule Kötzschenbroda. Visualisierung
Einen kompakten Bau aus drei Geschossen plant Architekt Michael Auerbacher als Neubau für die Oberschule Kötzschenbroda. Visualisierung © ama Architekturbüro

Radebeul. Noch rund fünf Jahre müssen sich Oberschüler und ihre Lehrer in Kötzschenbroda in Geduld üben. Denn erst im Sommer 2026 sollen sie aus dem jetzigen Altbau aus und in ein komplett neues Schulgebäude einziehen, wenn alles ohne Probleme läuft. Der Radebeuler Stadtrat hat jedenfalls mit dem Baubeschluss eine wichtige Weiche für den jetzigen Zeitplan gestellt. "Es ist das größte Einzelbauvorhaben der Stadt seit 1990", sagt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). Bislang wurden Schulgebäude saniert und das ein oder andere, wie das Gymnasium Luisenstift, um Erweiterungsbauten ergänzt.

Zwischen Harmonie- und Hermann-Ilgen-Straße soll ein komplett neues Schulhaus entstehen. Dafür müssen die dort ansässige Kita sowie der Firmensitz der Besitzgesellschaft weichen. Der Kindergarten, der kleinste der Lößnitzstadt, wird im Sommer 2022 für immer geschlossen. Wohin die Mitarbeiter der städtischen Wohnungsgesellschaft umziehen, entscheidet sich wohl noch in diesem Jahr.

Jetziges Schulhaus ist in die Jahre gekommen

"Der Schulneubau wird wesentlich größer als der jetzige Altbau", sagt Baubürgermeister Müller. Das jetzige Schulhaus wurde in den Jahren 1871 bis 1874 errichtet und bereits 1885 um einen Ostflügel erweitert. Am Gebäude nagt nicht nur der Zahn der Zeit, auch die Anforderungen an modernen Unterricht sowie die Zahl und Ausstattung der Klassenräume und Fachkabinette sind heute ganz andere. Die Stadt Radebeul lobte für den geplanten Neubau einen Architekturwettbewerb aus und kürte 2018 den Architekten Michael Auerbacher aus dem bayrischen Oberhausen zum Sieger. Insgesamt 122 Bewerbungen trafen im Rathaus ein, von 30 Ausgelosten, gaben schließlich 28 einen Entwurf ab.

Wettbewerbssieger Auerbacher plant einen kompakten Bau. Um einen Lichthof gruppieren sich auf drei Etagen verteilt die Räume. Im Erdgeschoss sind die Fachkabinette für Physik, Werken und Technik sowie Musik zu finden. Außerdem gibt es dort die Schulbücherei, den Schulclub sowie einen großen Mehrzweckraum, der sowohl als Speiseraum als auch als Aula genutzt werden kann.

Zwölf Klassenzimmer und mehrere Fachkabinette

Im ersten Obergeschoss darüber gibt es die Räume, um die wohl jeder Schüler freiwillig einen Bogen macht und diese nur betritt, wenn er gerufen wird: das Büro des Direx sowie das Lehrerzimmer. Aber nicht nur einen Anschiss haben die Oberschüler auf der Etage zu erwarten, wenn sie etwas ausgefressen haben. Denn der Unterricht kommt auch nicht zu kurz. Im ersten Obergeschoss befinden sich die Fachkabinette für Biologie, Informatik, Kunst und ein weiteres für Technik sowie vier Klassenzimmer und ein Mehrzweckraum.

Im zweiten Obergeschoss sind weitere acht Klassenzimmer sowie die Kabinette für Chemie, Hauswirtschaft und textiles Gestalten angeordnet. Insgesamt finden 336 Schüler in dem Gebäude Platz. Auf dem Flachdach wünscht sich die Schulkonferenz eine Fotovoltaik-Anlage. Die Fassade wird mit grauen Klinkersteinen verkleidet. Der Grauton fällt deutlich heller aus, informiert Baubürgermeister Müller. Damit möchte die Stadt eine Diskussion, wie bei dem vor reichlich einem Jahr eingeweihten Erweiterungsbau des Gymnasiums Luisenstift, vermeiden. An dem mausgrauen Putz der Fassade scheiden sich die Geister.

Rund 12,9 Millionen Euro an Baukosten

Wenige Wochen nach der Preisverleihung beauftragte die Stadt den Sieger mit der weiteren Planung. Doch dann kam im vorigen Jahr die Corona-Pandemie, was den gesamten Planungsprozess ins Stocken geraten ließ. In Bayern waren Landesbehörden plötzlich abgetaucht, berichtet Müller. Nun liegt endlich die Genehmigungsplanung fertig vor.

Die Wurzeln des jetzigen Gebäudes der Oberschule Kötzschenbroda reichen bis ins Jahr 1871 zurück
Die Wurzeln des jetzigen Gebäudes der Oberschule Kötzschenbroda reichen bis ins Jahr 1871 zurück © Norbert Millauer

Von knapp 12,9 Millionen Euro an Baukosten geht die Stadtverwaltung momentan aus. Jetzt wird die Ausführungsplanung in Angriff genommen. Im Sommer nächsten Jahres will Müller beim Freistaat Sachsen einen Fördermittelantrag stellen. Nur mithilfe eines kräftigen Zuschusses von rund 6,5 Millionen Euro aus der Schulhausbauförderung kann die Lößnitzstadt das Vorhaben finanziell stemmen. Wenn die Mittel wie erhofft fließen, wird die Hauptbauphase in den Jahren 2024 und 2025 liegen.

Das sagen die Stadträte

"Endlich geht es bei der Oberschule Kötzschenbroda weiter. Die Zustände im Altbau sind katastrophal", sagte Ralf Buchert (CDU) in der Stadtratsdebatte. Seiner Fraktion bereitet der Zeitplan Kopfzerbrechen, weil die Baupreise ständig steigen.

Die Zeitspanne von acht Jahren, die zwischen Entwurf und Fertigstellung verstreichen, mahnte FDP-Stadtrat Andreas Kruschel als zu lang an. "Hoffen wir, dass der Fördermittelgeber keine Umplanungen haben möchte", so der Liberale. Das würde zu weiteren Verzögerungen führen.

"Wir freuen uns, dass das Projekt nun auf den Weg kommt", hob Oliver von Gregory von der Stadtratsfraktion Bürgerforum/Grüne/SPD hervor. Auch merkte er kritisch an, dass ein Jahr Corona zu zwei Jahren Planungsverzögerung geführt haben.

Stadträtin Eva-Maria Schindler (Freie Wähler) findet an dem Bau interessant, wie Atrium und Aula miteinander verbunden werden. Hinsichtlich der Baukosten sagte sie: "Das ist eine große Summe. Unsere Kinder sind sie uns wert."

AfD-Stadtrat Johannes Albert findet die Pläne für den Neubau ebenfalls interessant. Er machte darauf aufmerksam, dass die Belüftung der Innenräume normgerecht geklärt werden müssen.