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KBA-Planeta baut Stellen ab

Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer will konzernweit bis zu 900 Arbeitsplätze streichen. Auch Radebeul ist betroffen.

Das Radebeuler Planeta-Werk liegt an der Friedrich-List-Straße im Gewerbegebiet Naundorf.
Das Radebeuler Planeta-Werk liegt an der Friedrich-List-Straße im Gewerbegebiet Naundorf. © Arvid Müller

Radebeul. Ein aufgeregter Anruf eines Radebeuler Bürgers in der Redaktion von Sächsische.de: Am Hörer berichtet er, dass zum Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer, besser bekannt als Planeta, Kollegen aus Westdeutschland kommen. Sie sollen an Maschinen zunächst angelernt werden, um diese dann mit nach Würzburg zu nehmen. Im Zuge dieser Auslagerung plane der Koenig-&-Bauer-Konzern, Mitarbeiter am Standort im Gewerbegebiet Naundorf-Kötitz zu entlassen.

Aus der Unternehmenszentrale kam sofort ein Dementi. „Wie in einem Konzern üblich, können Kapazitäten temporär verschoben werden“, teilte Konzernsprecherin Dagmar Ringel mit. Wie auch aus dem knapp 1.700 Mitarbeiter zählenden Werk in Radebeul zu vernehmen ist, sei die Auftragslage derzeit hier vor Ort sehr gut und viel besser, als im vorigen Jahr abzusehen war. So helfen einerseits Beschäftigte aus Würzburg in Radebeul aus, um die Auftragsflut abzuarbeiten.

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Temporäre Produktionsverlagerung

Andererseits wird die Herstellung eines Bestandteils einer Druckmaschine vorübergehend an den Standort im bayerischen Franken verlagert, weil dort noch freie Kapazitäten bestehen. Alles geschieht nur temporär, also zeitlich befristet. „Arbeitsinhalte oder die Organisation der Standorte bleiben davon völlig unberührt“, berichtete Konzernsprecherin Ringel.

Ein Satz lässt in ihrer Antwort auf Anfrage von Sächsische.de doch aufhorchen. „Die im September beschlossenen Maßnahmen zur Personalanpassung im Konzern stehen nicht in Zusammenhang mit Kapazitätsverteilungen. Die Anpassung der Arbeitsplätze wird derzeit mit den Arbeitnehmervertretungen besprochen, dazu äußern wir uns nicht“, so Ringel.

Blick in die Produktionshalle von Planeta: Hier werden Druckmaschinen hergestellt.
Blick in die Produktionshalle von Planeta: Hier werden Druckmaschinen hergestellt. © Arvid Müller

Seit September vorigen Jahres existiert ein sogenanntes Effizienzprogramm mit dem Zieljahr 2024. Danach will die Koenig-&-Bauer-Gruppe nach Abschluss des Programms ein Umsatzniveau von rund 1,3 Milliarden Euro im Jahr erreichen. Hierfür bekennt sich der Konzern zu seiner bisherigen Portfoliostrategie, legt weiterhin den Fokus auf den Wachstumsmarkt Verpackung und lässt den Aufwand für Forschung und Entwicklung unangetastet.

Konzern will jährlich 100 Millionen Euro sparen

Jedoch will man durch das Straffen und Standardisieren von Produktionsprozessen nicht nur die Effizienz steigern, sondern durch Organisationsoptimierungen und Digitalisierung Kosten- und Personalstrukturen anpassen. Sprich, moderne Technik macht es unter anderem möglich, dass ein Mitarbeiter allein gleich mehrere Maschinen überwacht und bedient - Arbeit, die bislang mehrere Beschäftigte leisteten. Durch Effizienzsteigerung und Synergieeffekte strebt das Unternehmen eine Kostenersparnis von über 100 Millionen Euro jährlich an. „Durch diese Maßnahmen sind im Konzern zwischen 700 bis 900 Arbeitsplätze kurz- und mittelfristig betroffen“, heißt es in dem Strategiepapier.

Programm Performance 2024 oder auch Effizienzprogramm P24x lautet seine Überschrift. Ringel bestätigt auf Nachfrage von Sächsische.de, dass die darin erwähnte Zahl an Stellen gestrichen werden soll. „Die Personalanpassung von 700 bis 900 Mitarbeitern bezieht sich auf alle Standorte und wird zurzeit verhandelt“, teilte sie mit. Wie viele Menschen beim größten Arbeitgeber von Radebeul vom geplanten Stellenabbau betroffen sind, konnte sie nicht nennen.

200 Arbeitsplätze in Radebeul betroffen

Beim Umhören vor den Werkstoren an der Friedrich-List-Straße ist die Zahl von 200 zu vernehmen, die am gesamten Standort in Radebeul wegfallen sollen. Vier Gesellschaften des Konzerns sind dort vereint. Von Arbeitgeberseite waren betriebsbedingte Kündigungen geplant. Diese konnte der Betriebsrat bislang erfolgreich abwenden. Nach Informationen von Sächsische.de gibt es ein sogenanntes Freiwilligenprogramm. So werden Aufhebungsverträge denjenigen angeboten, die nach einer neuen beruflichen Herausforderung suchen oder kurz vor dem Rentenalter stehen. Auch Altersteilzeitmodelle sind im Gespräch. Zudem laufen befristete Verträge aus. Man sei auf einem guten Weg, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt, ist zu hören.

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Koenig & Bauer ist nach eigenen Angaben der älteste Druckmaschinenhersteller der Welt. Seit über 200 Jahren unterstützt das Unternehmen Drucker von Banknoten, über Karton-, Folien-, Blech- und Glasverpackungen bis hin zu Büchern, Zeitungen, Werbung und Dekor und vieles mehr. An seinen zwölf Standorten und mit seinen elf Tochterunternehmen beschäftigt die Aktiengesellschaft 5.593 Mitarbeiter. Im vorigen Jahr betrug der Jahresumsatz 1,029 Milliarden Euro und war gegenüber dem Vorjahr um 17,4 Prozent eingebrochen. 2019 lag der Umsatz noch bei 1,2 Milliarden Euro. Grund war die Coronakrise. „Insbesondere Reisebeschränkungen erschwerten die internationalen Vertriebsaktivitäten sowie die Auftrags- und Projektabwicklung“, teilte der Konzern mit. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern belief sich 2020 auf minus 68 Millionen Euro nach 70 Millionen Euro plus im Vorjahr.

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