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Wo Radebeul Straßenbäume pflanzen will

Vor rund einem Jahr schlug die Stadt Alarm, dass ihr Standorte für Neupflanzungen ausgehen. Die Verwaltung hat nun Pflanzorte ausfindig gemacht.

An der Eduard-Bilz-Straße reiht sich ein Baum an den anderen und macht den Straßenzug durchs Radebeuler Villenviertel zu einer schmucken Allee.
An der Eduard-Bilz-Straße reiht sich ein Baum an den anderen und macht den Straßenzug durchs Radebeuler Villenviertel zu einer schmucken Allee. © Matthias Schumann

Radebeul. Sie spenden Schatten an heißen Sommertagen für Fußgänger und parkende Autos. Ihr Laub dämpft in gewissen Maßen Lärm und nimmt Schadstoffe auf. Durch Photosynthese wandeln die grünen Blätter Kohlendioxid in Sauerstoff um. Und sie verschönern das Ortsbild, durch ihr sattes Grün im Sommer oder im Herbst, wenn sich das Blätterdach bunt färbt. Die Rede ist von Straßenbäumen.

Rund 2.000 Bäume säumten 1990 die Straßenzüge in Radebeul. Seither hat sich die Zahl der Gehölze laut Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) fast verdoppelt. Die Lößnitzstadt hat nicht nur zusätzlich neue Bäume gepflanzt, sondern den Altbestand durch Ersatzpflanzungen auch stark verjüngt. So machten Bäume, die über 80 Jahre alt und von Pilzen oder anderen Krankheiten befallen und gezeichnet waren sowie die Sicherheit auf Fußweg und Fahrbahn durch brüchige Äste gefährdeten, Platz für Jungbäume. Vor rund einem Jahr schlug Vize-Rathauschef Müller im Stadtentwicklungsausschuss Alarm: "Uns gehen die Standplätze für Neubepflanzungen aus."

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Stadt pflanzte dieses Jahr 132 Bäume

Für 55 neue Straßenbäume hat Stadtbauamtschef Jan Pötschke in diesem Jahr noch einen Standort gefunden. Das zu seinem Amtsbereich gehörende Sachgebiet Stadtgrün hat zudem unter anderem in Parkanlagen und auf Spielplätzen 77 weitere Junggehölze gepflanzt, sodass die städtische Bilanz in diesem Jahr 132 Neupflanzungen zählt. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 hat die Stadt insgesamt 97 Bäume gepflanzt, davon 74 Stück auf kommunalen Grünflächen und 23 Stück an Straßen.

Das Sachgebiet Stadtgrün hat zudem in diesem Jahr alle Straßenzüge daraufhin erkundet und untersucht, wo neue Alleen entstehen oder Pflanzlücken geschlossen werden können. Kurzum: wo es noch Standorte für sogenanntes Straßenbegleitgrün, wie im Bürokratendeutsch Straßenbäume bezeichnet werden, gibt. Bei der Fortschreibung des Straßenbaumkonzepts gab es einige Kriterien zu beachten. So muss ein Gehweg mindestens zwei Meter breit sein, damit einerseits eine Mindestbreite von einem Meter für Fußgänger bleibt, und andererseits ein Pflanzbereich, auch Baumscheibe genannt, von ebenfalls einem Meter für das Gehölz darauf Platz hat. Die Baumscheibe wiederum misst mindestens einen Meter in der Länge, besser sind jedoch 1,50 bis 1,80 Meter. In der Nähe darf kein Schachtdeckel sein. Zudem war ein Ausschlusskriterium große Bäume in unmittelbarer Umgebung, wie zum Beispiel in Vorgärten.

An Straßen ist noch ein realistischer Platz für 900 Bäume

Nach dieser Untersuchung hat die Stadtverwaltung 2.900 potenzielle Pflanzorte für neue Jungbäume an Straßen ausfindig gemacht. "Das klingt viel", meinte Pötschke, als er das Konzept im Stadtentwicklungsausschuss vorstellte. Er betonte auch gleichzeitig, dass dies eine theoretische Größe sei. Denn bislang wurde unter anderem noch nicht betrachtet, wie Kanäle und Leitungen im Untergrund verlaufen und somit ein Hinderungsgrund für ein Anpflanzen darstellen. Denn diese dürfen nicht zu nah an Wurzeln liegen und durch das Einwurzeln zerstört werden. Von den potenziellen Standorten ist rund ein Drittel realistisch bepflanzbar. Das seien rund 900 Bäume, so Pötschke.

In Höhe des einstigen Planeta-Sportplatzes ist die Kötitzer Straße noch sehr baumfrei. Am Fahrbahnrand des Straßenzugs plant die Stadt 32 Neupflanzungen.
In Höhe des einstigen Planeta-Sportplatzes ist die Kötitzer Straße noch sehr baumfrei. Am Fahrbahnrand des Straßenzugs plant die Stadt 32 Neupflanzungen. © Matthias Schumann

In den nächsten Jahren sind größere Pflanzaktionen auf neun Straßen geplant. Allein 32 neue Bäume sind entlang der Kötitzer Straße angedacht. 24 Neupflanzungen sind am Professor-Wilhelm-Ring. Die Wilhelm-Eichler-Straße bietet noch Platz für 18 Gehölze, die Fabrikstraße für 15, die Sachsenstraße und der Bischofsweg für jeweils 14, die Meißner Straße für neun, der Augustusweg sieben und die Ludwig-Richter-Allee für fünf.

SPD-Stadtrat Thomas Gey wollte vom Stadtbauamtschef wissen, ob sein Stab nach dem erneut zu warmen und vor allem viel zu trockenen Sommer eine Bestandsaufnahme vorgenommen habe. Den Sozialdemokraten interessierte, wie viele Bäume durch die Dürre Schaden genommen haben und eingegangen sind oder einzugehen drohen.

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Eine genaue Inventur hat diesbezüglich das Sachgebiet Stadtgrün nicht vorgenommen. Die Rathausmitarbeiter dieser Abteilung nehmen allerdings laufend die Bäume in Augenschein. Laut Pötschke gibt es im Turnus von anderthalb Jahren zwei Kontrollen, und zwar einmal mit und das andere Mal ohne Laub.

Im städtischen Haushalt standen dieses Jahr 339.000 Euro für Straßenbäume und vor allem deren Pflege zur Verfügung.

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