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Wie Schwarzes Teich wieder hübsch werden soll

Die Freien Wähler Radebeul wollen einen Verschönerungsverein ins Leben rufen. Er soll nicht nur den Bereich um das Gewässer im Blick haben.

Stadtrat Hans Kraske (Freie Wähler) steht an einer Bank der Naturbühne bei Schwarzes Teich, auf der sein Hund Platz genommen hat. An den Sitzgelegenheiten nagt unübersehbar der Zahn der Zeit.
Stadtrat Hans Kraske (Freie Wähler) steht an einer Bank der Naturbühne bei Schwarzes Teich, auf der sein Hund Platz genommen hat. An den Sitzgelegenheiten nagt unübersehbar der Zahn der Zeit. © Arvid Müller

Radebeul. Das Geländer an Schwarzes Teich könnte einen neuen Anstrich vertragen. Die Bänke, die südlich von dem Gewässer am Hang des Steinrückens rangartig wie bei einer Naturbühne stehen, verwittern zusehends. Die Treppenstufen, die von der Moritzburger Straße aus in den Waldpark von Radebeul-West führen, sind krumm und schief und gleichen einer Stolperfalle. Kurzum: Die Parkanlage kann eine Frischekur vertragen.

Das meinen auch die Freien Wähler in Radebeul. Sie wollen den Waldpark wieder zu einem Naherholungsgebiet für Jung und Alt machen, und zwar durch ein breites bürgerliches Engagement. Dafür soll die Idee eines Verschönerungsvereins wieder belebt werden, der sich um den Waldpark kümmert.

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Am Geländer an Schwarzes Teich ist die Farbe ab, auf der Wasseroberfläche schwimmt eine Algenschicht.
Am Geländer an Schwarzes Teich ist die Farbe ab, auf der Wasseroberfläche schwimmt eine Algenschicht. © Arvid Müller

Rodeln im Winter und Sommer

Um 1850 ließ der Sektfabrikant Ludwig Pilgrim einen Park im Leimgrund an der Grenze zwischen Niederlößnitz und Kötzschenbroda-Oberort anlegen. Dieses Pilgrimswäldchen erschloss Ende des 19. Jahrhunderts der Verschönerungsverein für die Lößnitz weiter, indem er Wege anlegen und Bänke aufstellen ließ. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Fläche durch Schenkungen und Käufe auf 17,6 Hektar an. Eine Stiftung wurde für den Waldpark ins Leben gerufen, deren Ziel es war, „die natürlichen Schönheiten der Landschaft vor den Rücksichtslosigkeiten der modernen Entwicklung zu schützen“.

„Dazu wurden Wasserläufe und Wege angelegt, Geländer, Schutzhütten und Sitzbänke aufgestellt und sogar eine hölzerne Ganzjahres-Rodelbahn gebaut“, berichtet Stadtrat Hans Kraske (Freie Wähler). Die Bahn war rund 215 Meter lang. „Und der Clou war, bevor man bergab sauste, wurde man mit dem Schlitten bergauf gezogen. Oben gab es ein Türmchen mit Kiosk“, berichtet Kraske. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges endete dieses Kapitel 1914 und die Rodelbahn ging ein.

Wildwuchs breitet sich aus

Rund 30 Jahre später setzte sich der weitere Verfall der Anlage fort. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Pflege des Parks weitestgehend zum Erliegen. Auf großen Flächen entwickelt sich das Areal zu einem „durchschnittlichen Wald“. Und wenn nicht gezielt eingegriffen wird, setzt sich dieser Prozess weiter fort. Wildwuchs breitet sich aus und die letzten Reste des Parkcharakters gehen verloren, sind sich die Freien Wähler sicher.

Die Treppenstufen, die von der Moritzburger Straße in den Waldpark führen, sind sehr verschlissen.
Die Treppenstufen, die von der Moritzburger Straße in den Waldpark führen, sind sehr verschlissen. © Arvid Müller

Ein zentraler Ort im Park ist Schwarzes Teich. Er ist benannt nach Georg Wilhelm Schwarz (1782-1842), Besitzer des Weingutes Friedstein, der das künstliche Gewässer unterhalb des Kiesgrubenweges im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts hat anlegen lassen. Bis heute dient der Teich mit der Naturbühne als Kulisse für Chorkonzerte, wobei die regelmäßigen Treffen von Sängern in den zurückliegenden Jahren weniger wurden, weil das Wasser stank oder 2018 der Weiher sogar ganz trocken lag, da das Mönchsbauwerk, über den der Abfluss reguliert wird, kaputt gegangen war.

Mehr Wasser für Schwarzes Teich

Der Mönch ist wieder ganz. Jedoch fehlt in trockenen Jahren der Zufluss von ausreichend frischem Wasser, damit das Gewässer nicht kippt und unangenehm zu riechen beginnt. So lasse die Stadt laut Kraske prüfen, ob nicht das auf dem Kiesgrubenweg anfallende Regenwasser statt in die Kanalisation zu leiten, dem Teich zugeführt wird. Auch ein Reaktivieren des Gießmannschen Tunnels kann sich Kraske vorstellen. Das Schachtbauwerk hat einst Max Gießmann durch den Fels des Steinrückens treiben lassen, um an der Südseite des Berges sein an der Burgstraße 2 gelegenes Badhotel mit Wasser aus Schwarzes Teich zu versorgen. Nun könnte der umgekehrte Weg gegangen werden. Man staut das aus dem Berg einsickernde Wasser im Tunnel an und pumpt es in den Teich.

„Auch eine Wasserfontäne könnte Sauerstoff ins Gewässer reinbringen“, sagt Kraske. Ein Wasserspiel ist nicht die einzige Idee, die er zu einer Wiederbelebung der Parkanlage als Naherholungsgebiet hat. So sollte die Naturbühne wieder hergerichtet und mit ordentlichen Bänken ausgestattet werden. Die Hauptwege müssten so saniert und angelegt werden, damit auf diesen Familien einen Kinderwagen schieben können. Für Kinder ist ein Waldspielplatz denkbar, wo sie beispielsweise mit Holz basteln. Jugendliche fänden sicher eine Mountainbikestrecke nicht schlecht. Und die Freizeitmöglichkeiten ließen sich für Klein und Groß noch um einen Trimm-dich-Pfad erweitern.

Die Wege ähneln eher Pfaden, die für einen Spaziergang mit Kinderwagen nicht zu empfehlen sind.
Die Wege ähneln eher Pfaden, die für einen Spaziergang mit Kinderwagen nicht zu empfehlen sind. © Arvid Müller

Verein ist in Gründung

Mit Radebeulern möchten die Freien Wähler weitere Ideen entwickeln, die deren heutigen Freizeitbedürfnissen entsprechen. „Wir wollen aber keine Luftschlösser bauen“, sagt Kraske. Sondern die Freien Wähler setzen auf Projekte, die durch bürgerliches Engagement, durch finanzielle, vor allem aber auch tätige Mithilfe umzusetzen gehen. „Damit sind wir weitestgehend losgelöst von knappen Haushaltsmitteln der Stadt und können die Projekte für unsere Bürgerinnen und Bürger vorantreiben“, ergänzt Stadtratsfraktionschefin Eva-Maria Schindler.

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In Anlehnung an den historischen Verschönerungsverein ist ein neuer Verein in Gründung, der das Engagement für den Waldpark koordiniert, Spenden sammelt, als Gesprächspartner mit der Stadtverwaltung fungiert und Arbeitseinsätze koordiniert. Letztgenannte umfassen unter anderem Wildtriebe und das Rutenwirrwarr von Brombeeren an Schwarzes Teich zu beseitigen, im Herbst das Laub der Bäume auf der Wasseroberfläche abzufischen, damit es nicht absinkt und im Teich zu Schlamm verrottet, Bänke zu reparieren und zu streichen sowie durch gezieltes Auslichten den Wuchs bestimmter Baumarten zu fördern oder an anderen Stellen aber auch Wiesenflächen zu schaffen.

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