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Witzfigur statt Weihnachtsbaum in Ost?!

Auf Kritik stieß die mickrige Beleuchtung am Nadelbaum vor dem Kulturbahnhof in Radebeul. Die Stadt schmückte bereits neu.

Der erste Versuch, den Tannenbaum vor dem Kulturbahnhof zu schmücken, ging sichtbar schief. Rund anderthalb Wochen war die Lichterkette deutlich zu kurz. Viele Zweige blieben unbeleuchtet.
Der erste Versuch, den Tannenbaum vor dem Kulturbahnhof zu schmücken, ging sichtbar schief. Rund anderthalb Wochen war die Lichterkette deutlich zu kurz. Viele Zweige blieben unbeleuchtet. © Arvid Müller

Radebeul. Gruselig, peinlich, hässlich - diese Adjektive fallen immer wieder in puncto Weihnachtsbaum vor dem Kulturbahnhof. Kaum war er auf den Terrassenstufen platziert, stellte Madlen Glas ein Foto in das soziale Netzwerk Facebook und schrieb: „Jedes Jahr ein trauriger Anblick, wie lieblos dieser Baum in Radebeul-Ost geschmückt wird“. Und sie fragte, ob das andere auch so sehen.

Die Kommentarspalte füllte sich daraufhin, und keiner fand ein gutes Wort für das Nadelgehölz. So stößt das Aussehen an sich auf Kritik. „Sorry, aber das ist ja ein Krüppel“, meinte Mario Urban. Simone Hönicke fand drastischere Worte: „Was ist das denn? Sieht wie eine Krankheit aus.“ Angela Goldbach fragte spöttisch: „War der Baum auf Diät?“ Einen dichten Wuchs lässt der Nadelbaum vermissen.

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Erinnerungen an Lied von Frank Schöbel werden wach

Kerstin Dähne und Eveline Evi Henschel fühlten sich an die beliebte Schallplatte „Weihnachten in Familie“ von Frank Schöbel erinnert. In einem Lied singt er: „Wir haben einen Weihnachtsbaum, an dem ist nichts zu tadeln / natürlich Äste hat er kaum und auch fast keine Nadeln / jedoch gewachsen ist er gut, er ist so hoch wie breit ...“ Worauf im Refrain seine damalige Lebensgefährtin Aurora Lacasa mit den gemeinsamen Töchtern, Dominique und Odette, intonieren: „Die andern ham 'nen Weihnachtsbaum und wir 'ne Witzfigur.“

Es muss nicht immer ein Weihnachtsbaum sein: Dass die Lößnitzstadt geschmackvoll schmücken kann, beweist sie auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda.
Es muss nicht immer ein Weihnachtsbaum sein: Dass die Lößnitzstadt geschmackvoll schmücken kann, beweist sie auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda. © Arvid Müller

Das Aussehen ist das eine. Die Art und Weise, wie der Baum geschmückt und beleuchtet wurde, das andere. Auf den Kurzkommentar von Facebook-Nutzer Matthias Matze Mühle „Krüppelkiefer“ äußerte Constanze Horgai: „Auch eine wenig schöne Kiefer kann man wundervoll in Szene setzen. Dazu gehört aber Liebe zur Ausführung. Leider in Radebeul-Ost und -West verfehlt.“ Und zu einem späteren Zeitpunkt führte sie fort: „Für so eine Beleuchtung tut mir halt der Baum leid, der sein Leben lassen musste, auch wenn es nicht die schönste Fichte ist, könnte man sie wunderschön beleuchten und erstrahlen lassen.“

Stein des Anstoßes war die Lichterkette. Diese bedeckte gefühlt nur ein Viertel des Baumes. Entsprechend wenig Kerzen leuchteten am Abend. Zudem waren sie sehr unregelmäßig angebracht, an einer Stelle mehr als an anderen. An den unteren Ästen war nicht ein Licht zu entdecken. Daher fragte Eveline Evi Henschel: „Mit wie viel Anlauf wurden die Lichter drauf geschmissen?“ Und Paul Goldbach lästerte: „Ist das Kunst, oder kann das weg ...“

Lob für Weihnachtsdekoration in Coswig

Auf viel Wohlwollen stößt dagegen der Weihnachtsschmuck auf den Straßen der Nachbarstadt Coswig. Besonders der Wettinplatz sticht positiv ins Auge. „Wie schön da beleuchtete Weihnachtssterne in den Bäumen glänzen“, lobt Madlen Glas. Ihr stimmt Karin Uhlmann bei: „Ja, die haben sehr liebevoll geschmückt und mit Geschmack.“ Worauf Constanze Horgai ergänzt: „Das macht Coswig immer.“ Und Marie Louis fügt hinzu: „Coswig ist uns da weit voraus. Zu jeder Jahreszeit.“

Groß und mit dichtem Wuchs steht der Weihnachtsbaum auf dem Wettinplatz in Coswig. Zudem schmückt ihn eine Lichterkette, die den Namen auch verdient.
Groß und mit dichtem Wuchs steht der Weihnachtsbaum auf dem Wettinplatz in Coswig. Zudem schmückt ihn eine Lichterkette, die den Namen auch verdient. © Arvid Müller

Aufgrund der Diskussion im Internet fragte die SZ bei der Stadtverwaltung nach, ob der Baum für die Lichterkette dieses Jahr zu groß war? Das Sachgebiet für Stadtgrün klärte zunächst darüber auf, dass es sich bei dem Weihnachtsbaum vor dem Kulturbahnhof um eine Weißtanne handelt: „Es ist ein Spenderbaum aus einem Grundstück in Radebeul, Kötitzer Straße.“ Die Tanne misst rund acht Meter und ist damit circa einen Meter größer als der dort platzierte Nadelbaum im Vorjahr.

Lichterkette wurde in der Vergangenheit oft zerstört

In der Vergangenheit gab es immer wieder Vandalismus am Weihnachtsbaum vor dem Kulturbahnhof. Entweder wurden die Kabel der Lichterkette durchgeschnitten oder die Beleuchtung geklaut. Daher lässt die Lößnitzstadt den Tannenbaum bereits seit Jahren nicht bis ganz nach unten schmücken. „Das Gesamtverhältnis Beleuchtung/Baum sollte aber gewahrt bleiben. Dies ist bei der ersten Bestückung mit der vorhandenen Lichterkette nicht gelungen“, heißt es aus dem Sachgebiet. Die Stadtverwaltung stellt selbst kritisch fest, „dass die Beleuchtung für diesen Baum nicht geeignet beziehungsweise nicht ausreichend war“.

Vergangenen Freitag rückte die mit dem Schmücken beauftragte Firma Nehlsen noch einmal an und brachte eine weitere Lichterkette an. „Wir haben mit der Nachrüstung diesmal wieder eine Bestückung bis in den unteren Bereich vorgenommen“, teilt die Stadt mit und hofft, dass es nicht erneut zu Beschädigungen am Lichterschmuck kommt.

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Zwischen 3.500 und 4.000 Euro stehen dem Sachgebiet Stadtgrün jährlich für die drei großen Weihnachtsbäume vor den Bahnhöfen in Ost und West sowie auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda für Erwerb und Dekoration zur Verfügung sowie weitere rund 500 Euro für kleinere Bäume. Zudem schmückt die Lößnitzstadt die Bereiche Hauptstraße, Sidonienstraße, vor den Landesbühnen und in Altkötzschenbroda weihnachtlich.

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