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Gegen ein Versiegelungsverbot

Coswig OB Schubert äußert sich zur Forderung von Stadträten, gegen Dürre und Hitze vorzugehen.

Dieser Baum am Gymnasium Coswig steht symbolisch für den Hitze- und Trockenstress, denen viele Bäume und Sträucher nach drei teils heißen Sommern ausgesetzt sind.
Dieser Baum am Gymnasium Coswig steht symbolisch für den Hitze- und Trockenstress, denen viele Bäume und Sträucher nach drei teils heißen Sommern ausgesetzt sind. © Udo Lemke

In den letzten zweieinhalb Jahren fehlen in Coswig und Umgebung über 400 Liter Regenwasser pro Quadratmeter! Das hatte der Coswiger Diplom-Meteorologe im Ruhestand Wilfried Küchler nach der Auswertung von Daten entsprechender Wetterstationen in einem sogenannten Dürrebericht geschrieben. Zum Vergleich: Die jährliche Niederschlagsmenge in Coswig beträgt 590 Liter pro Quadratmeter, die von Weinböhla 612 Liter pro Quadratmeter.

Küchlers Daten sind Teil eines offenen Briefes, den die drei Coswiger Stadträte, Cornelia Obst (Coswiger Bürgerliste), Thomas Werner-Neubauer und Martin Wengenmayr (beide Bündnis 90/Die Grünen) an Landrat Arndt Steinbach sowie die erste Beigeordnete des Landkreises, Janet Putz (beide CDU) und an Coswigs Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos) geschrieben hatten. Die SZ hat nachgefragt, welche Antworten es bislang auf die Briefe gibt.

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So teilte das Kreisumweltamt mit, dass „das Hauptaugenmerk der Unteren Wasserbehörde derzeit und in den kommenden Jahren auf der Sicherung der Wasserressourcen für die öffentliche Trinkwasserversorgung als wesentliche Aufgabe der Daseinsvorsorge für die Bevölkerung liegt“. Schwerpunkt dafür sei die Überarbeitung und Neuausweisung von Wasserschutzgebieten sowie die Mitarbeit an der Wasserversorgungskonzeption 2030 des Freistaates Sachsen. „Die Auswirkungen der Trockenjahre 2018 bis 2020 auf die Wasserressourcen in Grund- und Oberflächengewässern im gesamten Landkreis Meißen sind der Unteren Wasserbehörde bekannt und werden mit Besorgnis verfolgt.“ Als eine Reaktion darauf besteht seit vergangenem Jahr das Verbot der Wasserentnahme aus Bächen, Teichen, Seen und Flüssen, erklärte die Pressesprecherin des Landkreises Anja Schmiedgen-Pietsch.

Thomas Schubert, dem Oberbürgermeister von Coswig, war der Brief der drei Stadträte am 21. August persönlich übergeben worden. Er habe den Brief auch an Bauamtsleiter Wolfgang Weimann und an Jörg Morgenstern, den Geschäftsführer der Wasser Abwasser Betriebsgesellschaft Coswig mbH weitergeleitet, „um diesen in die zukünftige Diskussion zum Klimaschutzkonzept mit einfließen zu lassen“. Schubert erklärt gegenüber der SZ, dass ihn der Brief dazu angeregt habe, auf der Basis seiner persönlichen Einschätzung zu überlegen, ob die Situation tatsächlich wie dargestellt sei und ob die richtigen Schlussfolgerungen daraus gezogen würden. „Mein subjektiver Eindruck sagte mir, dass die Forderungen überzogen sein könnten, dass aus drei Sommern keine wirklichen Rückschlüsse gezogen werden können.“

Damit keine falsche Einschätzung getroffen wird und auch nicht ohne vernünftige Datengrundlage reagiert wird, hat sich der Oberbürgermeister erste lokale Daten besorgt, um herauszufinden, ob sein persönlicher Eindruck falsch ist oder ob dieser stimmt. „Und siehe da: Schon auf die Schnelle recherchiert, ergibt sich ein anderes (Zwischen-)Ergebnis. Einen Grundwassermangel gibt es aktuell nicht.“

Schubert erklärt, dass es in Coswig zahlreiche Grundwasserpegelmessstellen gibt, manche davon schon seit 80 Jahren. „Im Ergebnis kommt da raus, dass wir aktuell auf dem Niveau leicht unter dem mittleren Pegel liegen und die niedrigsten Pegelstände weit entfernt sind. Schwankungen sind normal und wir haben seit den 2000er Jahren eher eine Phase hoher Grundwasserpegel, weshalb in einzelnen Kellern im Zentrum von Coswig regelmäßig Wasser steht - auch aktuell!“

Auch, was die Regenmenge betrifft, stellt Schubert Schwankungen fest. „Aber allein 2020 ist bis einschließlich August fast genauso viel Regen an der Wetterstation Coswig gefallen wie im ganzen Jahr 2018!“ Aktuell betrage die Regenmenge bis August 55 Prozent mehr als 2018 und 14 Prozent mehr als 2019. In den letzten sechs Jahren habe es bis August nur im Jahr 2017 etwas mehr geregnet. „Ich möchte aber noch mehr Zeitreihen aufbereiten, bevor endgültige Rückschlüsse gezogen werden und eine genaue Antwort auf den offenen Brief an die drei Adressaten erfolgt“, erklärte der Oberbürgermeister. Insofern lautet mein Fazit: Wetterschwankungen und damit Schwankungen der Wasserversorgung der Natur sind normal.“

Ob wir uns auf einem kontinuierlichen Pfad der „Entwässerung“ und Versteppung befinden, sei zu untersuchen, aber er, so Schubert, glaube das nicht. Die Stadt hat schon immer auch ohne Dürre- und Klimapläne aktiv gehandelt und beispielsweise schon bei der Sanierung des Gymnasiums 2002 große Rigolen zum Regenwasser auffangen gebaut oder bevorzugt Industriebrachen revitalisiert, anstatt auf der grünen Wiese Gewerbegebiete zu erschließen, fügt er hinzu. Und: „Ein Mittelzentrum wie Coswig braucht Entwicklungsperspektive für Wohnen und Arbeit und ein vernünftiges und nachhaltiges Agieren. Deshalb kann es meiner Meinung nach kein Verbot einer Nettoneuversieglung geben.“

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