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Der Jägerhof steht zum Verkauf

Das idyllisch gelegene Ensemble des einst bekannten Radebeuler Gasthofs ist schon viele Male veräußert worden. Jetzt kostet es Millionen.

Der Jägerhof oberhalb vom Lößnitzgrund, wie ihn die meisten Passanten auf den ersten Blick sehen. Der Blick von hier ins Elbtal ist eine Pracht.
Der Jägerhof oberhalb vom Lößnitzgrund, wie ihn die meisten Passanten auf den ersten Blick sehen. Der Blick von hier ins Elbtal ist eine Pracht. © Norbert Millauer

Radebeul. Der Blick vom Balkon des Jägerhofs - gelegen zwischen dem Weinberg Paradies und dem Lößnitzgrund - ist einmalig. Unverbaut schaut der Betrachter über das gesamte Elbtal bis in die Sächsische Schweiz. Wohnungen sind heute im Gebäude des Jägerhofs, direkt am Sächsischen Weinwanderweg gelegen.

Nahezu jeder, der heute über den Jägerhof spricht, kennt die alten Postkarten und sogar Gemälde mit den Abbildungen eines offenbar florierenden Gasthofs, in dem vor allem im Biergarten ausgeschenkt und ordentlich gespeist worden ist. Aber auch der große Saal mit der Loggia war ein beliebter Treffpunkt, um auf dem Parkett das Tanzbein zu schwingen, Hochzeiten und Jubiläen zu feiern.

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Die Geschichte des Hauses geht zurück bis ins Jahr 1750, als der Kernbau, ein Weinberghaus mit bestem Blick über Dresden und Radebeul, errichtet wurde. Die folgenden 250 Jahre war der Jägerhof genau diese beliebte Ausspanne inmitten der Weinbergslandschaft. Über die Jahrzehnte wechselten immer wieder die Besitzer und Wirte. Sogar Leute vom sächsischen Königshof bewohnten den Jägerhof, darunter die kurfürstlich-sächsischen Kammersekretäre Friedrich Meuser und Karl Friedrich Heerwagen. 1789 gehörte das Anwesen Henriette Carl, geb. Beyer, der Witwe des Geheimen Finanzsekretärs Heerwagen. So steht es den Geschichtsbüchern. 1789 folgte Johann Gottfried Mühlberg.

1897 wurden zwei Schankkolonnaden im Garten errichtet, und auch das Balkonzimmer im Obergeschoss mit Blick auf den Biergarten kam für die Bewirtschaftung hinzu. Auch eine Konzertmuschel sowie eine Freitanzdiele gab es auf dem großzügig angelegten Areal.

Die Geweihe an der Fassade sind vom ehemaligen Bewohner Professor Fritz Jürgen Obst als Nachbildungen vom Moritzburger Schloss angebracht worden.
Die Geweihe an der Fassade sind vom ehemaligen Bewohner Professor Fritz Jürgen Obst als Nachbildungen vom Moritzburger Schloss angebracht worden. © Norbert Millauer
Der einstige Tanzsaal war zuletzt ein Wohnzimmer einer Wohnung.
Der einstige Tanzsaal war zuletzt ein Wohnzimmer einer Wohnung. © Norbert Millauer
Die typische Postkarte vom Jägerhof am östlichen Beginn der Niederlößnitz - früher ein florierender Gasthof.
Die typische Postkarte vom Jägerhof am östlichen Beginn der Niederlößnitz - früher ein florierender Gasthof. © Stadtarchiv Radebeul

Vorbei mit der Schankwirtschaft war es dann jedoch 1942. Der Fliesenlegermeister Häse übernahm das stillgelegte Gaststättenanwesen, welches anschließend nur noch zu Wohnzwecken genutzt wurde. Die Häse-Fliesen sind noch in de Kellergewölben an den Wänden. Räume, so heißt es, die nach dem Zweiten Weltkrieg „von den Russen als Fleischerei genutzt“ worden sein sollen. Meister Häse ging mit seiner Firma in den Westen und der Jägerhof wurde von der staatlichen kommunalen Wohnungsverwaltung in Besitz genommen.

Seitdem ist der Jägerhof durchgehend als Wohnhaus genutzt. Mario Howard und sein Vater Walter Howard haben dort gewohnt. In Walter Howards ehemaligen Atelier am Jägerhof sind die Radebeuler Sternengucker, die Plastik an der Sternwarte Auf den Ebenbergen, entstanden.

Mario Howard und seine Frau Angela berichten von der Sanierung des Jägerhofes Anfang der 1990er-Jahre und der Aufteilung in insgesamt sechs Wohnungen. Inzwischen hat der Jägerhof erneut seinen Besitzer gewechselt. Er gehört derzeit einer Dresdner Firma, welche den Radebeuler Makler Jens Beck mit dem Verkauf beauftragt hat. 2,2 Millionen Euro sind für die Immobilie aufgerufen.

Grandioser Ausblick vom ehemaligen Tanzsaal

Von den Besitzern wurde der SZ ein Einblick in den heutigen Jägerhof gestattet. Auffällig ist der großzügige Eingangs- und Flurbereich. Der Tanzsaal mit dem grandiosen Ausblick war zuletzt das Wohnzimmer einer der Wohnungen. Die typischen englischen Schiebefenster zieren die Loggia. Über Parkettfußboden, aber vor allem auch über viele Arten von Fliesen geht man im Jägerhof - verlegt offenbar vom Fliesenhändler Häse.

Im Keller sind noch Becken zu erkennen, in denen zur Gasthof-Bewirtschaftung Fische gehalten worden sind. Eine dicke Tür mit großem Riegel führt zur Kühlkammer für die Speisen.

Auf der Südseite der Fassade sind große Hirschköpfe mit prächtigen Geweihen angebracht. Ob die alle auch schon zu Gasthof-Zeiten dran waren, sind sich die Howards unsicher. Auch die Familie des Naturkundlers und Zoologen Professor Fritz Jürgen Obst, die hier fast 50 Jahre lebte, hat sich um die Historie des Hauses gekümmert. Sohn Jorge Obst: „Mein Vater hat die Hirschköpfe wieder so anbringen lassen, wie sie früher am Gasthof waren. Die heutigen sind Nachbildungen von Hirschen aus Schloss Moritzburg.“

Komplex steht unter Denkmalschutz

Aktuell sind im Jägerhof noch zwei der sechs Wohnungen bezogen. Die Wohnfläche insgesamt beträgt 750 Quadratmeter, mit jetzt 24 Zimmern. Das Grundstück hat eine Größe von 3.550 Quadratmetern. Der Komplex aus den Wohnhäusern, dem Nebengebäude und dem Garten steht unter Denkmalschutz.

Makler Beck: „Ich hoffe, dass wir für das wunderschöne Ensemble jemanden finden, der eine ideale Nutzungsidee hat. Schöner, als es in Wohnungen zu zergliedern, wäre eine komplette Nutzung aus Wohnen und Gewerbe.“ Beck könne sich hier auch eine Schulungsstätte im Grünen vorstellen. Vor allem sollte das Grundstück nicht weiter geteilt werden.

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Seit etwa anderthalb Jahren steht der Jägerhof, bis auf die zwei Wohnungen, leer. Der neue Besitzer müsste auch in die Sanierung und Umbauten investieren. Geschätzt mindestens eine weitere halbe Million Euro. Jens Beck: „Ich wünsche dem Jägerhof, gerade als Radebeuler, dass er in gute Hände kommt, die den Wert der Immobilie zu schätzen wissen.“

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