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Gedenkstätten-Chef muss gehen

Nach Wortspielereien mit Begriffen aus der Nazizeit ist Siegfried Reiprich ab sofort nicht mehr Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten.

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Siegfried Reiprich wird freigestellt
Siegfried Reiprich wird freigestellt © PR/Steffen Giersch

Dresden. Der Stiftungsrat der Stiftung Sächsische Gedenkstätten hat am Mittwoch beschlossen: Geschäftsführer Siegfried Reiprich muss mit sofortiger Wirkung seinen Posten räumen. Anlass war eine Äußerung Reiprichs, in der er die Krawalle von Stuttgart Ende Juni fragend als „Bundeskristallnacht“ bezeichnet und sie damit in die Nähe der antijüdischen NS-Pogromnacht vom November 1938 gerückt hatte. 

Zur Begründung des Beschlusses sagte die Vorsitzende des Stiftungsrates, Kulturministerin Barbara Klepsch: „Der Stiftungsrat missbilligt ausdrücklich die von Siegfried Reiprich auf Twitter geäußerten Aussagen. Diese widersprechen klar dem Sinn der Gedenkstättenarbeit.“ Zudem wurde beschlossen, Reiprichs Anfang Juni beantragte vorzeitige Beendigung seines Arbeitsverhältnisses aus gesundheitlichen Gründen zum 30. November 2020 nachzukommen. Nominell läuft sein Vertrag bis 2022.

Tweets mit politischer Stimmungsmache

Für die Suche und Wahl eines neuen Geschäftsführers oder einer Geschäftsführerin wird nun eine Findungskommission eingesetzt. Bis dahin nimmt Reiprichs bisheriger Stellvertreter Sven Riesel alle Aufgaben des Geschäftsführers wahr. Der Historiker und Kulturwissenschaftler ist seit 2011 in der Stiftung tätig, lange Jahre davon in der Gedenkstätte Bautzen.

Der 65-jährige Siegfried Reiprich war seit 2009 Geschäftsführer. In seine Ära fielen die Novellierung des Gedenkstättengesetzes, die ihm weiter reichende Kompetenzen als zuvor einräumte, sowie die Ausweitung des Zuständigkeitsbereichs der Stiftung auf weitere zu erschließende Erinnerungsorte. Wurde er anfangs als Hoffnungsträger begrüßt, kam es bald zu anhaltenden Spannungen innerhalb der Stiftung. Manche konnten nur mit arbeitsrechtlichen Prozessen geklärt werden, andere schwelten weiter. Auch das Verhältnis zu vielen Fördervereinen von Gedenkstätten galt als gespannt.

Von Außen erfolgte ebenfalls immer wieder Kritik an Reiprichs Amtsführung. Nicht nur, weil aus den Reihen der Stiftung sowie von dem Geschäftsführer persönlich immer wieder Tweets mit politischem Inhalt veröffentlicht wurden. Sondern auch, weil er angeblich die DDR-Aufarbeitung bevorzugt betrieben und die NS-Geschichte dabei vernachlässigt haben soll. (SZ)