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Die Regenbogen-Fahne in Riesa unerwünscht

Am Montag hisst ein Baumarkt in Riesa Regenbogenflaggen als Zeichen für gelebte Vielfalt. Einen Tag später, am Deutschen Diversity-Tag, sind die Fahnen wieder weg.

Obwohl es sich um eine mehrwöchige Aktion aller Toom-Baumärkte handelt, ist die Flagge in Riesa nach nicht mal einem Tag verschwunden.
Obwohl es sich um eine mehrwöchige Aktion aller Toom-Baumärkte handelt, ist die Flagge in Riesa nach nicht mal einem Tag verschwunden. © privat

Riesa. In ganz Deutschland flattern Regenbogenflaggen vor Toom-Baumärkten, nur in Riesa wird das internationale Zeichen für Vielfalt nicht toleriert.

Dabei hatte die Woche anders angefangen: Insgesamt 3.000 Flaggen werden vor Märkten und Veranstaltungsstandorten gehisst, auch vor dem Toom-Gartenzentrum in Riesa. Mitarbeiter Stephan Ruhland blickt am Montagmorgen stolz zur farbenfrohen Flagge und zu seinem "weltoffenen Unternehmen" auf. Auch im Rest der Belegschaft sei die Aktion auf Begeisterung gestoßen. Eine kurze Freude: Bereits am Dienstagmorgen - wohlgemerkt dem Deutschen Diversity-Tag, an dem Unternehmen Zeichen gegen Hass und Diskriminierung setzen sollen - hängt die Flagge nicht mehr.

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Was ist passiert? Ruhland berichtet, im Einkaufszentrum Riesapark, einem Zusammenschluss von 60 Geschäften, sei diese Fahne unerwünscht. Eine Nachfrage bei einer Geschäftsführerin des Riesaparks bestätigt das. Allerdings möchte sie sich nicht öffentlich zu den Gründen der Entscheidung äußern und verweist auf den Filialleiter des Baumarkts.

Tatsächlich wurde die Aktion aber von der internationalen Handelsgesellschaft Rewe-Group initiiert, zu der nicht nur die Supermärkte Penny und Rewe gehören, sondern auch die Toom-Baumärkte. Der Handelsriese teilte mit, mit der Aktion klarzustellen, dass alle Mitarbeiter unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, Behinderung oder sexueller Orientierung gleiche Chancen innerhalb eines diskriminierungsfreien Arbeitsplatzes haben. Wie lange die Flaggen hängen bleiben, sei den Marktleitern überlassen: "Dies kann bis zum Ende des sogenannten Pride Monats Juni sein oder bis Ende September zum inoffiziellen Abschluss der CSD-Saison." Von Dienstagmorgen ist hingegen keine Rede.

Beim Toom-Baumarkt in Gompitz, Dresden hängen die Regenbogenfahnen noch immer.
Beim Toom-Baumarkt in Gompitz, Dresden hängen die Regenbogenfahnen noch immer. © SZ

Stephan Ruhland wollte das nicht wortlos hinnehmen und verschickt am späten Montagabend eine E-Mail mit seiner persönlichen Meinung an die Geschäftsführung des Einkaufszentrums. Obwohl der Baumarkt-Mitarbeiter ziemlich enttäuscht ist, bleibt es bei höflichen Zeilen. Schließlich werde er bei der Arbeit selbst mit Vorwürfen konfrontiert, für die er oft gar nichts könne. Ihm sei es nur wichtig gewesen, den Sachverhalt aufzuklären. Seine Nachricht schließt er mit dem Appell, die Fahnen der Weltoffenheit hängen zu lassen. Bisher hat Ruhland noch keine Antwort erhalten.

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Selbst die internationale Rewe-Gruppe scheitert am Centermanagement: Auch mehrfache Klärungsversuche seien nicht erfolgreich gewesen. Mit den Richtlinien des Riesaparks würde sich eine Regenbogenflagge aufgrund des Neutralitätsgebots nicht vereinbaren lassen.

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